Nulands Telefonat belegt Einmischung der USA in der Ukraine

Die Aufzeichnung eines Telefongesprächs zwischen der Europa-Abteilungsleiterin im US-Aussenministerium, Victoria Nuland, und dem US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, belegt einen hohen Grad der Einmischung der USA in der Ukraine.
«Die USA betrachten andere Staaten als Bauern auf dem Schachbrett», sagte Leonid Sluzki, Vorsitzender des Duma-Ausschusses für die Angelegenheiten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), Euro-Integration und Angelegenheiten der Landsleute, am Freitag in Moskau.
Zuvor war bei Youtube ein Mitschnitt des Gesprächs beider Diplomaten veröffentlicht worden, in dem es unter anderem um eine neue ukrainische Regierung ging. Nuland sagte: «Ok. Er (der stellvertretende UN-Generalsekretär für politische Angelegenheiten, Jeffrey Feltman) hat es geschafft, dass sowohl (der UN-Sondergesandte Robert) Serry als auch (UN-Generalsekretär) Ban Ki-moon zustimmen, dass Serry am Montag oder Dienstag dazukommen könnte. Ich denke, das wäre sehr gut, um zu helfen, die Sache festzumachen und auch, dass die UN dabei helfen, sie festzumachen, und Du weisst schon, scheiss auf die EU.»
Zudem sagte Nuland, sie denke nicht, dass «Klitsch» (Oppositionsführer Vitali Klitschko) in die Regierung gehen sollte. «Ich glaube nicht, dass es notwendig ist. Ich halte es für keine gute Idee.»
Die USA äusserten sich nicht zur Echtheit der Aufzeichnung. Dennoch entschuldigte sich Nuland bereits bei ihren EU-Kollegen.
Sluzki zufolge handelt es sich um eine offene und dreiste Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines unabhängigen Staates. «Dieser Skandal untergräbt endgültig das Ansehen Amerikas als eines Verfechters der Demokratie. Das ist ein und dasselbe Schachspiel, bei dem es um das Schicksal von Ländern geht und die Ukraine nur als Bauer behandelt wird», sagte der russische Parlamentarier.
Die USA haben bereits Russland vorgeworfen, das Telefonat abgehört und aufgezeichnet zu haben. Dabei beriefen sich US-Amtsträger darauf, dass der Berater von Russlands Vizeregierungschef Dmitri Rogosin, Dmitri Loskutow, die Aufzeichnung als erster bei Twitter verlinkt hatte. Tatsache ist aber, dass Loskutow die Aufzeichnung am 6. Februar veröffentlichte, während das Gespräch bereits seit dem 4.  Februar durch ukrainische Internetseiten geisterte.
Sluzki sagte ferner, dass die USA der Ukraine finanzielle Hilfe für den Fall in Aussicht gestellt hatten, dass Kiew politische Reformen in Angriff nimmt. «Dagegen hatte sich Russland bereit erklärt, dem ukrainischen Brudervolk ohne jegliche Vorbedingungen zu helfen», sagte Sluzki.    •

Quelle: Ria Novosti vom 7.2.2014

«Strategisches Ringen»

«Die Gesprächsaufzeichnung [eines Telefongesprächs zwischen Victoria Nuland, der Leiterin der Europaabteilung im amerikanischen Aussenministerium, und dem Botschafter Washingtons in Kiew] würde einem Drehbuch über den Kalten Krieg alle Ehre machen, denn sie widerlegt die in Washington gern gemachte Behauptung, die Zukunft der Ukraine liege alleine in den Händen des ukrainischen Volks. Vielmehr wird deutlich, dass die Krise als Teil eines strategischen Ringens begriffen wird.»

Quelle: Neue Zürcher Zeitung vom 8.2.2014