Europäische Dschihadisten in Syrien!

Eine Folge der europäischen Einmischung?

von Prof. Dr. Albert A. Stahel, Institut für Strategische Studien, Wädenswil

Gemäss europäischer Nachrichtendienste reisen immer mehr junge Moslems aus Europa nach Syrien und beteiligen sich am Krieg der Dschihadisten (Jabhat Nusra und Islamic State of Iraq and al-Sham (ISIS)) gegen das Assad-Regime. Gemäss offizieller Informationen aus London kämpfen bereits mehrere hundert Moslems aus Grossbritannien im syrischen Bürgerkrieg. Die Organisation, die in Grossbritannien junge Moslems für diesen Krieg anwirbt, nennt sich «the Lions of Britain».1 Vermutet wird, dass die Finsbury Park Mosque in London dabei eine aktive Rolle spielt. Die Rekruten fliegen anschliessend in die Türkei und infiltrieren von dort aus auf dem Landweg Syrien. Zahlenmässig übertrifft dieser Zustrom die Anzahl Dschihadisten, die früher nach Afghanistan und den Irak reisten. Dutzende von ihnen sollen bereits im syrischen Bürgerkrieg getötet worden sein.
Aus Frankreich sollen 700 junge Moslems nach Syrien gereist sein; sie kämpfen dort auf der Seite der Dschihadisten. Im Dezember 2013 erreichten insgesamt 2 000 Moslems aus dem westlichen Europa Syrien. Letzten Monat erklärte James R. Clapper Jr., der Chef der US-Nachrichtendienste, bei einer Anhörung vor dem Kongress, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt 7 000 fremde Kämpfer aus 50 Staaten im Krieg der syrischen Dschihadisten kämpfen würden.2
Scotland Yard beurteilt die Rückkehr dieser kampferprobten Kämpfer als eine Bedrohung für die Sicherheit Europas. 2013 wurden in Grossbritannien 24 «syrische Heimkehrer» verhaftet. Im Januar 2014 wurden bereits 24 Heimkehrer in Gewahrsam genommen. Das Counterterrorism Command von Scotland Yard befürchtet, dass diese Heimkehrer auf Grund ihrer Radikalisierung in Syrien für Anschläge in Grossbritannien rekrutiert werden könnten.
Durch die Parteinahme für die Gegner des Assad-Regimes und die Einmischung in den syrischen Bürgerkrieg haben sowohl Grossbritannien als auch Frankreich eine Büchse der Pandora geöffnet, ohne die Folgen ihrer Politik zu bedenken. Damit fördern sie möglicherweise die terroristische Bedrohung ihrer Staaten.    •

1    Witte, G.: Europeans are flocking to the war in Syria. What happens when they come home? In: Washington Post vom 30. Januar 2014
2    Witte, G.

Quelle: www.strategische-studien.com vom 17.2.2014