Belege für versuchten US-Staatsstreich in Mazedonien

von Thierry Meyssan

Am 9. Mai 2015 führte die mazedonische Polizei in der Morgendämmerung einen Einsatz durch, um eine bewaffnete Gruppe zu verhaften, die das Land infiltriert hatte und verdächtigt wurde, eine Reihe von Angriffen vorzubereiten.
Vor dem Einsatz evakuierte die Polizei die Zivilbevölkerung.
Die Verdächtigten eröffneten das Feuer, was zu einem erbitterten Kampf führte, der 14 Terroristen und acht Mitglieder der Ordnungskräfte das Leben kostete. 30 Personen wurden gefangengenommen. Es gab eine grosse Anzahl Verletzte.

Kein terroristischer Akt, sondern ein versuchter Staatsstreich

Die mazedonische Polizei war offenbar gut informiert, bevor sie den Einsatz begann. Dem Innenminister Ivo Kotevski zufolge bereitete die Gruppe eine sehr bedeutende Operation für den 17. Mai vor (das Datum einer durch die albanophone Opposition in Skopje organisierten Demonstration).
Die Identifizierung der Verdächtigen hatte zum Ergebnis, dass sie fast alle ehemalige Mitglieder der UÇK (Kosovo Liberation Army) waren.1
Unter ihnen befanden sich: 


  • Sami Ukshini, bekannt als «Kommandant Sokoli», dessen Familie eine historische Rolle in der UÇK spielte. 

  • Rijai Bey, ehemals Bodyguard von Ramush Haradinaj (selbst ein Drogenhändler, militärischer Kopf der UÇK, dann Premierminister des Kosovo. Er wurde vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien zweimal für Kriegsverbrechen verurteilt, aber schliess­lich freigesprochen, weil neun entscheidende Zeugen während des Gerichtsverfahrens ermordet wurden). 

  • Dem Shehu, zurzeit Bodyguard des albanophonen Führers und Gründers der BDI-Partei, Ali Ahmeti. 

  • Mirsad Ndrecaj, bekannt als der «Nato-Kommandant», Enkel von Malic Ndrecaj, dem Kommandanten der 132sten Brigade der UÇK.

Die wichtigsten Leiter dieser Operation, zu denen auch Fadil Fejzullahu (beim Angriff getötet) gehörte, stammen aus dem Umkreis des Botschafters der Vereinigten Staaten in Skopje, Paul Wohlers.
Paul Wohlers ist der Sohn des US-Diplomaten Lester Wohlers, der in der atlantischen Propaganda eine wichtige Rolle spielte und den Filmdienst der US Information Agency leitete. Pauls Bruder, Laurence Wohlers, ist gegenwärtig Botschafter in der Zentralafrikanischen Republik. Paul Wohlers selbst, ein ehemaliger Navy-Pilot, ist Spezialist für Spionageabwehr. Er war stellvertretender Direktor des United States Department of State Operations Center (mit anderen Worten: der Dienst für die Überwachung und den Schutz der Diplomaten).
Um jeden Zweifel an der Identität der Sponsoren dieser Operation auszuräumen, intervenierte der Generalsekretär der Nato, Jens Stoltenberg, bereits, bevor der Einsatz vorbei war – nicht um seine Verurteilung des Terrorismus und seine Unterstützung für die verfassungsmässige Regierung Mazedoniens zu erklären, sondern um die terroristische Gruppe in eine legitime ethnische Opposition zu verwandeln: «Ich verfolge die Ereignisse von Kumanovo mit tiefer Besorgnis. Ich möchte mein Mitgefühl für die Familien derer, die getötet oder verwundet wurden, ausdrücken. Es ist wichtig, dass alle politisch und gesellschaftlich Verantwortlichen zusammenarbeiten, um die Ordnung wiederherzustellen und eine transparente Untersuchung einzuleiten, um herauszufinden, was geschehen ist. Ich rufe jeden zur Zurückhaltung auf und zur Vermeidung jeder Eskalation von Gewalt, im Interesse der Nation wie auch der ganzen Region».

Um nicht zu verstehen, müsste man blind sein.

Im Januar 2015 verhinderte Mazedonien einen Putschversuch zugunsten des Oppositionschefs, des Sozialdemokraten Zoran Zaev. Vier Personen wurden verhaftet und Herr Zaevs Reisepass wurde beschlagnahmt, während die atlantische Presse ihre Anklage von einem «autoritären Abdriften des Regimes» [sic!] auf den Weg brachte.
Zoran Zaev wird öffentlich unterstützt von den Botschaften der Vereinigten Staaten, Grossbritanniens, Deutschlands und der ­Niederlande. Aber die eine Spur, die bis heute von diesem Putschversuch übrig geblieben ist, weist auf die Verantwortlichkeit der Vereinigten Staaten hin.
Am 17. Mai sollte Zoran Zaevs sozialdemokratische Partei (SDSM)2 eine Demonstration organisieren. Sie hatte vor, 2000 Masken zu verteilen, um die Polizei an der Identifizierung der Personen zu hindern, die an dem Marsch teilnehmen würden. Während der Demonstration sollte die bewaffnete Gruppe, versteckt hinter ihren Masken, verschiedene Institutionen angreifen und eine Pseudo-«Revolution» in Gang bringen, die vergleichbar mit dem Geschehen auf dem Maidan-Platz in Kiew wäre.
Koordiniert wurde dieser Staatsstreich von Mile Zechevich, einem ehemaligen Angestellten einer von George Soros’ Stiftungen.
Um Washingtons Eile, die mazedonische Regierung umzustürzen, verstehen zu können, gehen wir einen Schritt zurück und betrachten den Krieg um die Gaspipelines – denn die internationale Politik ist ein grosses Schachbrett, auf dem jeder Zug einer Schachfigur Folgen für alle anderen hat.

Der Gas-Krieg

Die Vereinigten Staaten haben seit 2007 versucht, die Kommunikation zwischen ­Russland und der Europäischen Union zu unterbrechen. Sie haben es geschafft, das Projekt «South Stream» zu sabotieren, indem sie Bulgarien verpflichteten, die Teilnahme zurückzuziehen. Aber am 1. Dezember 2014 schob der russische Präsident zu jedermanns Überraschung ein neues Projekt an, als es ihm gelang, sein türkisches Gegenüber, Recep Tayyip Erdogan, zur Unterzeichnung eines Abkommens zu bewegen, obwohl die Türkei Mitglied der Nato ist.3 Man kam überein, dass Moskau Gas nach Ankara liefern und im Gegenzug Ankara Gas an die Europäische Union liefern wird. So könnte das durch Brüssel verhängte antirussische Embargo umgangen werden. Am 18. April 2015 gab der griechische Premierminister Alexis Tsipras seine Zustimmung für den Verlauf der Pipeline durch sein Land.4 Mazedoniens Premierminister Nikola Gruevski hatte bereits im letzten März getrennte Verhandlungen abgeschlossen.5 Serbien schliesslich, das ein Partner des «South Stream»-Projekts gewesen war, zeigte dem russischen Energieminister Aleksandar Novak bei seinem Empfang im April in Belgrad an, dass Serbien bereit sei, zum «Turkish Stream»-Projekt umzuschwenken.6
Um das russische Projekt zu stoppen, hat Washington seine Initiativen multipliziert: 
In der Türkei unterstützt es die CHP gegen Präsident Erdogan und hofft, damit zu bewirken, dass er die Wahlen verliert. 
In Griechenland schickte es am 8. Mai Amos Hochstein, den Direktor des Bureau of Energy Resources vor, um zu fordern, dass die Tsapiras-Regierung auf ihr Abkommen mit Gazprom verzichtet. 
Es plant – für alle Fälle – die Route für die Pipeline zu blockieren, indem es in Mazedonien eine ihrer Marionetten an die Macht bringt. 
Und in Serbien hat es das Projekt für die Abspaltung des kleinen Stücks Land – Vojvodina – wieder aufgelegt, welches die Verbindung mit Ungarn möglich macht.7
Letzter, aber nicht unwichtigster Kommentar: «Turkish Stream» wird auch Ungarn und Österreich beliefern und damit das Alternativprojekt beenden, das die Vereinigten Staaten mit Präsident Hassan Rohani (gegen den Rat der Revolutionsgarden) verhandeln, um diese Länder mit iranischem Gas zu versorgen.8    •

1    « L’UÇK, une armée kosovare sous encadrement allemand », par Thierry Meyssan, Réseau Voltaire, 15 avril 1999.
2    Der SDSM ist Mitglied der Sozialistischen Internationale.
3    «Wie Wladimir Putin die Nato-Strategie umgedreht hat», von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Odnako (Russland), Voltaire Netzwerk, 8. Dezember 2014.
4    «Möglicher Deal zwischen Athen und Moskau: Griechenland hofft auf russische Pipeline-Milliarden», von Giorgos Christides, Der Spiegel, 18. April 2015.
5    «Геннадий Тимченко задержится на Балканах. Вместо South Stream «Стройтрансгаз» построит трубу в Македонии», Юрий Барсуков, Коммерсант, 12 марта 2015 r.
6    «Énergie: la Serbie souhaite participer au gazoduc Turkish Stream», B92, 14 avril 2015.
7    «Vojvodina, nächster Pseudo-Staat in Europa?», von Wayne Madsen, Übersetzung Horst Frohlich, Strategic Culture Foundation (Russland), Voltaire Netzwerk, 20. Februar 2015.
8    «Hinter dem Anti-Terror-Alibi, der Gaskrieg in der Levante», von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Voltaire Netzwerk, 3. Oktober 2014.

Quelle: www.voltairenet.org/article187800.html  vom 3.6.2015
(Übersetzung Voltairenet)

Als Gouverneur der Region Strumica wurde Zoran Zaev angeklagt, den Bau eines Handelszentrums begünstigt zu haben, und wegen Korruption inhaftiert. Zu seiner Unterstützung verliess seine Partei demonstrativ das Parlament. Er wurde schliesslich vom Präsidenten der Republik, Branko Crvenkovski, begnadigt, der danach die Führung seiner Partei übernahm. Im Juni 2013 wurde Zaev dann zum Vorsitzenden der SDSM gewählt.