Die Bürger lassen sich nichts vormachen

Die Dame ist neu im Geschäft in unserem Dorf. Wir plaudern ein wenig. Sie wohnt nicht hier, sie kommt aus Etzwilen, das ist ein kleines Dorf in der Nähe von Stein am Rhein.
Ich kenne das Dorf. «Die Leute dort haben sich doch gegen irgendwas gewehrt», erinnere ich mich dunkel. «Ja», antwortet sie lebhaft, «gegen das Geothermieprojekt». Sie erzählt mir, wer und warum dagegen protestiert hätte.
Dann seien die Experten gekommen und hätten mit den Leuten gesprochen. «Wissen Sie, die tun immer so, als hätten wir keine Ahnung, als würden wir nichts verstehen. Dabei – wir sind Bürger, und wenn wir uns mit der Sache auseinandersetzen, dann verstehen wir was davon. Zuerst kamen sie psychologisch, haben so verständnisvoll getan. Haben gesagt, sie verstehen ja, dass wir ‹Ängste› hätten. Die seien aber ganz unbegründet, es würde schon nichts passieren. Sie würden uns das erklären. Als wir dann trotzdem nicht zugestimmt haben, wurden sie ärgerlich, versuchten, uns unter Druck zu setzen. Das lassen wir aber nicht mit uns machen.
Es geht um unser Eigentum und unser Dorf. Garantieren wollten sie nämlich nicht, dass unsere Häuser nicht beschädigt würden, den Wertverlust versichern, das wollten sie nicht.»

Pathologisierung von sachlicher Kritik

Diese kurze Begegnung hat mir gezeigt: Die Leute durchschauen durchaus, wenn man versucht, sie zu beschwichtigen, ihnen «Ängste» einzureden. Überall dasselbe: Egal, ob es um Geothermie, Lehrplan 21, PID oder «Neue Wege in der Drogenpolitik» geht, überall begegnen die alleswissenden «Experten» kritischen Bürgern überheblich, versuchen ihnen einzuschwätzen, ihre Bedenken seien nur Ausdruck von unbegründeten «Ängsten» vor dem Neuen, sie verstünden nicht recht, worum es geht, könnten das gar nicht begreifen.
Sie, die Experten, würden nun mal «aufklären». Und wehe, man kommt ihnen immer noch mit sachlichen Gegenargumenten, dann werden sie aber ungemütlich.
Leuenberger: Lüge ist gut…
Früher hat einmal Treu und Glauben in unserem Land gegolten. Heute ist die Lüge auf politischer Ebene salonfähig. Moritz Leuenberger, SP, ehemaliger Bundesrat, brüstet sich öffentlich damit, das Volk belogen zu haben. «Der Klimagipfel in Kopenhagen war desaströs», zitiert ihn die «Thurgauer Zeitung», doch damals habe er das absichtlich nicht den Medien gesagt und somit gelogen, damit die Schweizer für die Reduktion des CO2-Ausstosses stimmen würden. «Jetzt glaube ich, die Lüge ist legitim, wenn sie etwas Gutes bewirkt.» Und wer bestimmt, was «etwas Gutes» ist? Moritz Leuenberger?

Bediene dich deines eigenen Verstandes

Da finde ich das Fazit der Dame aus dem Geschäft, ganz im Sinne Kants, sehr angemessen: Man kann weder den Politikern noch den Medien trauen, man muss sich selbst ein Bild von der Sache machen und darf sich nicht abspeisen lassen.
Maria Brügger