Leserbriefe

Nein zur Präimplantations­diagnostik (PID)

In der Abstimmungskampagne zur PID wird unehrlich argumentiert. Felix Gutzwiller behauptet in der «Thurgauer Zeitung» vom 26.5.2015, es handle sich um «eine moderate Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen für Kinderwunschbehandlungen». In Tat und Wahrheit handelt es sich um einen Paradigmenwechsel – weg vom Schutz des Lebens hin zur Selektion von Embryonen. Bei der PID wird der beste (!) Embryo ausgewählt und in die Gebärmutter eingepflanzt, und die anderen werden eingefroren, verworfen oder für die Forschung benutzt. Dadurch wird zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben entschieden – eine Tatsache, die von den Befürwortern der PID unter den Tisch gewischt wird. Der Bundesrat hatte die PID ursprünglich nur für Paare mit «schweren Erbkrankheiten» vorgeschlagen. Er «brach dann aber unter dem Druck der verschiedenen auch wirtschaftlich interessierten Kreisen ein», wie Nationalrat Christian Lohr in der «Wiler Zeitung» äusserte. Würde die Verfassungsänderung angenommen, würde sie Grundlage für weitere Forderungen, die die Nationale Ethikkommission (NEK) bereits formuliert hat: Eizellspende, Embryonenspende, Leihmutterschaft oder Retterbabys. Deshalb Nein zur PID.

Dr. med. Viviane Kaiser

Daten als Hauptinteresse?

Am 14. Juni stimmen wir darüber ab, ob mehr Embryonen hergestellt werden dürfen, als einer Frau unmittelbar eingepflanzt werden können. Eine Verfassungsänderung für einige wohlhabende Familien mit Erbkrankheiten? Wohl kaum, sonst wäre zum Beispiel im zugehörigen Ausführungsgesetz nicht bereits ein Chromosomen-Screening für alle Paare, die künstliche Befruchtung in Anspruch nehmen, vorgesehen. «Der Bundesrat hatte zwar ursprünglich einen durchaus pragmatischen, vernünftigen Ansatz gewählt, brach dann aber unter dem Druck der verschiedenen auch wirtschaftlich interessierten Kreise ein», erklärte Nationalrat Christian Lohr im «St. Galler Tagblatt». Unter diesem Druck stehen wohl auch Radio, Fernsehen und die «freie» Presse: Es ist doch auffällig, dass bei der plötzlich aufgeflammten «Ethik-Diskussion» die zwei grossen Landeskirchen, welche klar die Verfassungsänderung ablehnen, bisher in den Medien nicht zu Wort kamen, hingegen der menschenverachtende Philosoph Peter Singer aus Australien, welcher bereits 2001 vorgeschlagen hatte, einem Säugling erst ab dem 28. Tag nach der Geburt ein Lebensrecht zuzugestehen, ins Land gerufen und in der NZZ am Sonntag und in der Sternstunde Philosophie des Schweizer Fernsehens interviewt wurde. Peter Singer propagiert Bill Gates globale medizinische Programme, und Bill Gates seinerseits begründet seine Programme mit Peter Singers Theorien, zumindest seit die beiden sich am WEF 2000 trafen. Auch «Big Pharma» ist bei diesen Programmen mit dabei. Beim Chromosomen-Screening werden persönliche Gen-Daten gewonnen. Sind vielleicht gewissen Kreisen diese Daten sogar wichtiger als die Zulassung der PID in der Schweiz?

Dr. med. Thomas Lippmann, Uznach

 

«Hände weg vom Menschen!»

Die PR-Firma Farner riet dem Pro-PID-Lager: das Thema «Eugenik», «Selektion» zu vermeiden, um die Abstimmung zu gewinnen. Aber: Am 27. Mai sagte Felix Gutzwiller, einer der Prominenten aus dem Pro-PID-Lager, in der «Neuen Zürcher Zeitung»: «Die grösste Eugenik betreibt die Natur selber, indem sie sehr viele Embryonen aussondert, die nicht entwicklungsfähig sind. Im Labor macht man nichts anderes.» Man kann nur danken für diesen Satz: Wenn Felix Gutzwiller Natur und Labor gleichsetzt, gibt er zu, dass es eben doch um Eugenik geht. Im Labor züchtet der Mensch. Aber die Natur züchtet nicht! Eugenik heisst: Der Mensch will Menschen züchten. Die Sozialdarwinisten und Herr Gutzwiller (im Zitat) dichten der Evolution an, sie handle wie ein (züchtender) Mensch. Dass der Mensch die Evolution selbst in die Hand nehmen müsse. – Wohin das führte, sollten wir wissen. Die Natur hat in mehr als vier Milliarden Jahren das Leben hervorgebracht. Und da wollen wir in 50 Jahren wissen, wie das geht? Das PR-Büro Farner rät dem Pro-Lager: Dichtet dem Anti-PID-Lager an, es würde Angst vor der Eugenik machen. Ich habe in der Tat Angst vor Menschen, die keine Angst haben, im Labor mit Menschen zu hantieren, als wären es Erbsen! «Hände weg vom Menschen!», warnte der grosse Schweizer Anthropologe Adolf Portmann in den sechziger Jahren, als die Menschenzüchter wieder Oberwasser bekamen.

M. A. & lic. phil. Moritz Nestor, Psychologe, Uzwil