Hochwertige Schweizer Produkte mit der Armbrust kennzeichnen

Interview mit Nationalrat Ruedi Lustenberger, Präsident SWISS LABEL

Zeit-Fragen: Was ist das Ziel, die Idee von SWISS LABEL?

Nationalrat Ruedi Lustenberger: SWISS LABEL wurde vor nahezu 100 Jahren gegründet. Man hatte sich damals in der schwierigen Zeit während des Ersten Weltkrieges überlegt, wie man die Schweizer Wirtschaft stärken könnte. Man kam zum Schluss, dass man die Schweizer Qualität und die Produkte, die ihren Ursprung in unserem Land haben, kennzeichnen sollte. Und man hat damals die Armbrust, die für eine wehrhafte, starke und unabhängige Schweiz steht, als Signet genommen. Es hat sich über die ersten Jahrzehnte gut etabliert. Mit der Zeit wurde es aber nicht mehr weiterentwickelt, und somit ist es dann etwas in der Versenkung verschwunden.

Jetzt erleben Sie einen Aufschwung?

Ja, seit etwa 10 Jahren erleben wir eine regelrechte Renaissance von SWISS LABEL. Vielen Firmen scheint es ein echtes Bedürfnis zu sein, ihre hochwertigen Schweizer Produkte mit der Armbrust zu kennzeichnen. Wir haben einen hohen Zulauf sowie Zuspruch von neuen Mitgliedern.

Warum bekommt das Label gerade heute wieder Bedeutung?

Die momentane Situation mit zum Teil negativen Auswirkungen der Globalisierung und einer gewissen Unsicherheit auf dem Wirtschaftsstandort Schweiz gibt SWISS LABEL eine erhöhte Bedeutung. Und es hilft auch den Konsumenten, die gerne ein Schweizer Produkt kaufen, weil Qualität und die Identifikation mit der Herkunft Schweiz geschätzt werden. Das führt direkt zur Stärkung der Schweizer Volkswirtschaft und unserer Firmen und Betriebe.

Was sind das für Firmen, die hier mitmachen? Sind das eher kleinere Betriebe oder auch grosse Industriebetriebe?

Unsere Mitglieder sind ein Spiegelbild der schweizerischen Volkswirtschaft, die von den kleinen und mittleren Betrieben geprägt wird. Es dominieren die KMU aus allen Regionen und den unterschiedlichsten Branchen der Schweiz. Einige grosse und bekannte Betriebe wie Caran d’Ache oder Victorinox machen ebenfalls mit.

Was sind die grössten Herausforderungen für unsere Schweizer Betriebe?

Momentan die Schwäche des Euro, die uns mit einem starken Franken im internationalen Wettbewerb Nachteile beschert. Die Spiesse auf dem Markt sind ungleich lang geworden. Ausländische Produkte kommen somit billig auf den Schweizermarkt und konkurrieren unsere Binnenwirtschaft. Eine gute Antwort darauf ist die konsequente Ausrichtung auf die Qualität, ein hervorragender Service sowie die Hervorhebung der Schweizer Herkunft, zum Beispiel mit unserem Markenzeichen, der Armbrust.

Was für Kriterien muss ein Betrieb erfüllen, damit er das SWISS LABEL führen darf?

Es gibt Kriterien, welche die Herstellungskosten eines Produkts betreffen. Ein gewisser Prozentsatz muss in der Schweiz anfallen. Nach dem revidierten Markenschutzgesetz werden in Zukunft 60 Prozent bei Industrieprodukten verlangt, damit sie sich mit dem Schweizerkreuz vermarkten dürfen. Bei den Lebensmitteln müssen 80 % des Gewichts der Rohstoffe aus der Schweiz stammen. SWISS LABEL verlangt 10 % mehr, das heisst 70 Prozent bei Industrieprodukten und 90 % bei den Lebensmitteln. Dazu kommt noch, dass der Betrieb seinen Sitz in der Schweiz haben muss.

Wie ist das bei Dienstleistungen?

Auch Dienstleistungsbetriebe können bei uns Mitglied werden, wenn Geschäftssitz und Verwaltung in der Schweiz beheimatet sind und wenn die Dienstleistungen auch effektiv in der Schweiz erbracht werden.

Wenn man das so hört, sind die Prozentzahlen recht hoch.

Ja, wir sind uns bewusst, dass das eine hohe Messlatte ist. Aber wir haben bei den Mitgliedern eine Umfrage gemacht. Die Mehrheit der Mitglieder hat explizit hohe Anforderungen an die Schweizer Anteile gewünscht. Der Gesetzgeber soll ein vernünftiges Minimum festlegen und alles, was höher ist, kann nur freiwillig sein. In der Landwirtschaft werden bei den Swiss-Garantie-Produkten sogar 100 Prozent Schweizer Herkunft verlangt.

Aber das ist freiwillig?

Das darf und kann nur freiwillig sein. Die Mitgliedschaft bei SWISS LABEL passiert aus eigenem Antrieb, es ist ein absolut freiwilliger unternehmerischer Entscheid. Die Tatsache, dass wir seit Jahren einen starken Mitgliederzuwachs haben, zeigt deutlich auf, dass offenbar ein hohes Bedürfnis nach einer Auslobung von Schweizer Produkten und Dienstleistungen mit der Armbrust besteht.

Herr Nationalrat Lustenberger, vielen Dank für das Gespräch.    •

(Interview Thomas Kaiser)