Individualisiertes Lernen – Anspruch und Wirklichkeit

von Rainer Werner

In Baden-Württemberg wird seit dem Machtantritt der grün-roten Landesregierung im Jahre 2011 das (bisher besonders erfolgreiche) Schulsystem grundlegend umgestaltet. Ziel ist eine «Schule für alle» – die Gemeinschaftsschule, in der Kinder aller Begabungen gemeinsam unterrichtet werden. Um die extreme Heterogenität, die in den Lerngruppen herrscht, pädagogisch handhaben zu können, setzen die Bildungsplaner auf das in Fachkreisen umstrittene Konzept des «individualisierten Lernens». Es wird auch als «selbstorganisiertes Lernen» bezeichnet. Jeder Schüler arbeitet für sich einen passgenauen Lernplan ab, wobei die Lehrkraft nur noch als «Lernbegleiter» fungiert.
Das didaktische Konzept des individualisierten Lernens ist zu jung, um schon von der Wissenschaft seriös bewertet werden zu können. In Internetforen findet man allerdings viele Stellungnahmen von Eltern, deren Kinder der Segnungen dieser Unterrichtsform teilhaftig geworden sind. Und diese Urteile sind alles andere als ermutigend.
Der «Arbeitskreis Schule und Bildung in Baden-Württemberg» hat ein Interview veröffentlicht (http://www.arbeitskreis-schule-und-bildung.de/resources/GMS-Eltern-Interview.pdf), das er mit vier Müttern geführt hat, deren Kinder eine Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg besuchen, und zwar eine Grundschule, die nach den didaktischen Prämissen der grün-roten Bildungspolitik verfährt.
In der Folge möchte ich die Aussagen der Mütter, die ich zu Themenfeldern zusammengefasst habe, einer pädagogischen Würdigung unterziehen:

«Mein Kind klagt vor allen Dingen über die Lautstärke in der Klasse. Weil es sehr unruhig ist. Sie haben in der Schule auch extra Kopfhörer angeschafft, damit die Kinder, die von der Unruhe gestört werden, die Kopfhörer aufsetzen können. Damit sie in Ruhe arbeiten können.»

«Wenn jedes Kind an irgendeiner anderen Aufgabe dran ist, grad in Mathematik, und die Lehrerin dann immer zu den einzelnen Kindern gehen muss, wenn es irgendeine Frage gibt, weil sie ja nicht vorne hin stehen und das für alle erklären kann, dann ist das ein Problem. Da sind die anderen Kinder, die so lange warten müssen, weil sie irgendwo nicht weiterkommen. Ja, was machen die? Die reden mit dem Nebensitzer. Und das gibt natürlich Unruhe.»

«Bei meinem Kind sind es dieselben Klagen. Es ist vor allem der Geräuschpegel während des Unterrichts. Durch die individualisierende Unterrichtsmethode ist der Lehrer permanent von Schüler zu Schüler unterwegs, um Fragen zu beantworten. Damit ist die Unruhe natürlich noch grösser.»

Kopfhörer im Unterricht, um den Geräuschpegel zu bannen? Keine Satire – sondern Realität in einer Grundschule, in der «individuell» gelernt wird. Jeder, der schon einmal unterrichtet hat, weiss, dass die Ruhe in der Klasse das A und O eines vernünftigen Unterrichts ist, ja, dass nachhaltiges Lernen der Schüler geradezu von einer ruhigen Lernatmosphäre abhängt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Konzentration und Aufmerksamkeit stark nachlassen, wenn der Lärm in einer Klasse einen bestimmten Pegel übersteigt.
Die Aussagen der Eltern zeigen, dass die Unruhe nicht daher rührt, dass die Lehrkraft nicht in der Lage wäre, für Ruhe zu sorgen. Nein, sie ist ein direktes Resultat der gewählten Lehr- und Lernmethode. Wenn Schüler minutenlang warten müssen, bis die Lehrkraft zu ihnen kommt, um eine Frage zum Stoff zu beantworten, wenn die Lehrkraft ständig durch die Klasse geht, um mit den Schülern offene Fragen zu klären, muss zwangsläufig Unruhe entstehen. Sie ist die unvermeidliche Begleiterscheinung der gewählten Lernmethode.

«Unsere Tochter erzählt uns immer nur, dass sie im Unterricht Blätter abarbeiten. Auf Nachfragen, ob auch Einführungen erfolgen, kommt immer nur eine Antwort von ihr: Nein. Wer ein Problem habe, müsse sich halt melden.»

«… weil halt einfach nur Blätter verteilt werden, und bei den anderen wird versucht, sie ruhigzustellen, weil sehr viele störende Kinder da sind, die den Unterricht, die Konzentration, alles stören, und das ist für die Kinder schwierig.»

«Aber unsere jüngste Tochter sagt oft, dass sie lieber zu Hause bleibt oder bleiben würde, weil sie da mehr lernt und ich ihr alles erkläre und sie wenigstens weiss, wie sie es umsetzen soll. Auch ich habe das Gefühl, dass zu Hause mehr bei ihr hängen bleibt als in der Schule mit dem Unterricht in Form von ständigen Blättern.»

«Sie beklagen sich auch über die lange Wartezeit, bis mal eine Frage beantwortet wird. Und warten dann eher oder fragen gar nicht mehr, weil sie wissen: Wenn ich zu Hause frage, erklärt man es mir besser. Man nimmt sich dort mehr Zeit. Dann frage ich doch lieber zu Hause. Mein Kind hat beim letzten Mal [gemeint ist die Wartezeit, bis eine Frage von der Lehrkraft beantwortet wurde] auf die Uhr gesehen. Es war etwa eine Viertelstunde.»

Ich unterstelle den Lehrkräften nicht, dass sie zu Beginn einer Unterrichtssequenz nicht erklären, welches Thema jetzt ansteht und wie die Schüler die dazugehörigen Aufgaben auf den Arbeitsbögen lösen sollen. Wenn aber mehrere Mütter davon berichten, dass die Kinder trotzdem nicht wissen, wie Fragen auf den Bögen zu bearbeiten sind, haben sie die «Einführungen» in den Lerngegenstand offensichtlich nicht verstanden. Auch dem konventionellen Unterricht ist dieses Phänomen nicht fremd. Erfahrene Lehrer lassen deshalb nach ihrer Einführung einen Schüler mit seinen Worten wiederholen, worauf es bei der Aufgabe ankommt. Mitunter muss man alles ein zweites Mal erklären.
Dass die Schüler nach der Einführung mit dem Lernstoff allein gelassen werden, wie es das Dogma vom «individualisierten Lernen» verlangt, ist eine grosse Schwäche dieser Methode. Jeder, der anderen schon einmal etwas vermittelt hat – ob Kindern oder Erwachsenen –, weiss: Auch das Denken will angeleitet sein. Das ist ja gerade der grosse Vorzug des vom Lehrer gelenkten Unterrichtsgesprächs, dass er in jeder Phase des gemeinsamen Lernprozesses die Impulse so setzen kann, dass die Schüler auf die richtige Fährte gelenkt werden. Die schöne Metapher, dass «jemandem ein Licht aufgeht», beschreibt diesen Erkenntnisprozess sehr anschaulich. Wie sollen solche Gedankenblitze entstehen, wenn ein Kind eine Viertelstunde darauf warten muss, bis die Lehrkraft sein Verständnisproblem löst?

«Kinder in diesem Alter brauchen jemanden, der sie führt und ihnen Sicherheit gibt. Ebenfalls brauchen sie Erfolgserlebnisse, bei denen sie selbst merken: Man hat mir etwas beigebracht, dann habe ich es geübt, und jetzt kann ich es!»

«Das einzige Pensum ist der Stoff des Schuljahres, aber das kann ein Kind in dem Alter nicht überblicken. Trotzdem muss das Kind entscheiden: Wieviel mach’ ich jeden Tag? Es weiss aber nicht, wo es im Verhältnis zum Schuljahr steht, wieviel Zeit es braucht, wie viele Bausteine noch zu erledigen sind. Das muss ich als Mutter machen, weil die Lehrer es nicht tun.»

«Auch ich finde das selbstgesteuerte Lernen sehr schwierig für das Kind. Es muss sich grösstenteils selbst durchkämpfen. Fragen zum Stoff werden nur sehr schleppend beantwortet, sofern für dieses Kind überhaupt Zeit übrig ist.»

Hier ist mit Händen zu greifen, dass die Kinder den Lehrer in seiner traditionellen Rolle vermissen: als Erklärer, Ratgeber, Helfer, Inspirator, Vorbild. Welche Lehrer haben im Unterricht den grössten Erfolg? Es sind diejenige, die für ihren Lernstoff «brennen», die ihn mit Leidenschaft vermitteln und durch ihr «Feuer» die Kinder dafür begeistern. Der Schriftsteller Klaus Mann sagte einmal, Lehrer müssten «Seelenfänger» sein. Wie soll dies möglich sein, wenn die Lehrkraft zum «Lernbegleiter» degradiert wird, der nur noch für Nachfragen der Schüler zur Verfügung steht? Es nimmt nicht wunder, dass eine Schülerin der schwäbischen Grundschule auf die Frage der Eltern, wer ihr Lieblingslehrer sei, antwortete: «die Dame im Ganztag». Sie meinte damit die Sozialpädagogin, die in den Pausen mit ihnen spielt – und die Zeit für sie hat.

«Mir kommt es so vor, dass die Eltern, wie wir jetzt auch schon vielfach gehört haben, die eigentlichen Lernbegleiter sind.»

«Und wenn man mich heute fragt, wie ist die Schule, dann sage ich: Ein guter Schüler kann man nur werden, wenn man starke Eltern hat. Starke Lehrkräfte sind de facto nicht mehr vorhanden. Das würde ich mir wieder wünschen, dass die Schule wieder die Bildung der Kinder übernimmt und nicht das Elternhaus dafür verantwortlich ist.»

«[Wir wünschen uns, dass] der Lehrer wieder wie früher herumgeht und schaut, wo welches Kind Probleme hat und wo der Lehrer unterstützen muss. Die Kinder dürfen nicht auf sich selbst gestellt sein. Es ist doch ein Unding, dass das Elternhaus die Lehrerrolle übernehmen muss, nachdem ein Kind schon vier Stunden in der Schule sass. Es ist schwierig, mit den Kindern am Mittag alles zu lernen, was in der Schule verpasst wurde, das kann man als Eltern gar nicht alles aufholen.»

Aus den Aussagen der Mütter wird deutlich, dass die Kinder bei dieser Lernmethode sehr stark auf die Hilfestellung ihrer Eltern angewiesen sind. Sie müssen zu Hause das erklären, was die Lehrkraft im Unterricht – vermutlich durch Überforderung angesichts vieler Nachfragen – nicht geschafft hat. Die Eltern fühlen sich in eine Rolle gedrängt, die nicht die ihre ist. Schlechtes Gewissen bei Misserfolgen des Kindes in der Schule und Konflikte zwischen Eltern und Kind müssen die Folge sein. Es entbehrt nicht der bitteren Ironie, dass eine Bildungspolitik, die den Lernerfolg der Kinder «vom Geldbeutel der Eltern» entkoppeln wollte, durch eine problematische Lernmethode genau diese Abhängigkeit wieder verfestigt. Den Kindern mit bildungsbürgerlichem Hintergrund wird zu Hause die Hilfe zuteil werden, auf die die Kinder aus der Unterschicht oder aus dem Migrantenmilieu verzichten müssen. Das gut Gemeinte ist eben oft das Gegenteil des gut Gemachten.

«Teamarbeit findet kaum noch statt, was ich sehr schade finde. [Was wir uns wünschen:] Es gibt Unterricht, in dem die Kinder alles gemeinsam machen und dabei auch in Gruppen arbeiten, in Teams arbeiten – lernen, Dinge gemeinsam zu erarbeiten. Sie sollen auch sehen, dass es Unterschiede gibt, dass es schlechtere und bessere Schüler gibt. Kinder, die in einem Fach eine Stärke haben und dafür in einem anderen vielleicht eine Schwäche, aber dass die Kinder nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern dass einfach die Vielfalt gesehen und akzeptiert wird. Ich denke, dass so die Inhalte auch besser vermittelt werden könnten.»

Das individualisierte Lernen macht Kinder zu Einzelkämpfern. Es geht vor allem das verloren, was ein Klassenverband für die Schüler immer auch bedeutet hat: Ort der Gemeinschaft, des Schutzes und der Kameradschaft zu sein. Bis heute hat die Klasse als gemeinsame Lerngruppe die Funktion, dass sich die Kinder aneinander messen können, dass sie sich gegenseitig anspornen, sich aber auch solidarisch helfen, wenn es nötig ist. Warum eine Politik, die Bildung gerne durch die «soziale Brille» betrachtet, ausgerechnet die soziale Funktion einer Schulklasse gering achtet, gehört zu den vielen Ungereimtheiten, mit denen diese Lernmethode behaftet ist. Das individualisierte Lernen erweist sich letztlich als isoliertes, un-soziales Lernen. «Irgendwie paradox: Auf Unterrichtsebene wird Vereinzelung propagiert, während man auf Schulstrukturebene ‹länger gemeinsam lernen› skandiert.» (Michael Felten)

«Das Kind fühlt sich eher in Konkurrenz zu den andern. Eine Aussage wie, X ist schon so weit, aber ich bin schneller als Y, fällt sehr oft. Die Kinder fühlen sich sehr unter Druck, finde ich.»

Da in heterogenen Lerngruppen Vorwissen und Begabung der Kinder sehr weit auseinander liegen, kann das Tempo, mit dem sie die Arbeitsbögen abarbeiten, nur unterschiedlich sein. Die überragenden Lerner schaffen das Pensum schon in wenigen Tagen, während langsame Lerner dazu Wochen brauchen. Die Lerntests werden deshalb zu unterschiedlichen Zeitpunkten geschrieben. So kann nicht ausbleiben, dass die Kinder sich danach «bewerten», wer der Schnellste ist und wer den Test als Erster schreiben durfte. Ich habe in Internetforen krasse Urteile von Eltern zum Klima in den Klassen gefunden. Sie reden von einer «neuen Stigmatisierung» und von «Selektion», die deshalb besonders «gemein» sei, weil sie unter dem Label des «gemeinsamen Lernens» stattfindet. Die klassische Gesamtschule, einst Lieblingsschule der SPD, ist diesem Konzept weit überlegen, weil hier die Schüler in Fachleistungskursen unterrichtet werden, deren Niveau ihrem Können angemessen ist. In diesen Kursen entwickelt sich in der Regel dieselbe Solidarität unter den Schülern, wie sie im herkömmlichen Klassenverband üblich war.

«[…] man übt im Elterngespräch Kritik, weil der Lernstand der Kinder schlecht und niedrig ist. Dann heisst es von der Schule: Wir machen das, und wir machen jenes. Und das sei alles ganz toll. Und wir kümmern uns eigentlich nur um die Kinder.»

Wenn Schüler über einen längeren Zeitraum hinweg im Unterricht wenig lernen, setzt ein schleichender Leistungsverfall ein, der über kurz oder lang die ganze Schule «herunterzieht». Diesen Prozess kann man an allen integrierten Schulformen besichtigen. Weil sie ständig mit disziplinarischen Problemen beschäftigt sind, muss der Fachunterricht verkümmern. Keine Schulleitung gibt gerne zu, dass das Leistungsniveau an der eigenen Schule zu wünschen übrig lässt. Allzuoft wird dann beschwichtigt, verleugnet und schöngeredet. Bis dann die Schulinspektion ins Haus steht und die fachlichen Mängel aufdeckt und im Gefolge davon die Anmeldezahlen der Schüler zurückgehen. Eine verantwortungsvolle Schulleitung würde die Schwachstellen im Unterricht aus eigenem Antrieb aufdecken und gemeinsam mit dem Kollegium Gegenstrategien entwickeln. Wenn dabei herauskäme, dass die gewählte (besser: die verordnete) Lernmethode für die schwachen Schülerleistungen verantwortlich ist, würde sie dies offen zugeben und eine Abkehr vom Untauglichen verlangen. Das Wohl der Kinder ist allemal wichtiger als das Dogma einer Lernmethode. Oder anders gesagt: Regierungen und Parteien kommen und gehen. Die Defizite, die Kinder in ihrer Schulzeit erleiden, belasten sie mitunter ihr ganzes Leben lang. Wer könnte das verantworten?

Zusammenfassung

Individualisiertes Lernen entspricht nicht dem Idealbild von Unterricht. Zu einem vernünftigen Lernprozess gehört der intellektuelle Austausch aller Schüler. Das gegenseitige Befruchten der unterschiedlichen Begabungen, das die Verteidiger des «längeren gemeinsamen Lernens» ja immer als pädagogischen Gewinn ins Feld führen, findet in der Gemeinschaftsschule so gut wie nicht mehr statt, weil dort die Klasse ihre herkömmliche Funktion als Lern- und Diskussionsgemeinschaft verloren hat. Für den grossen Germanisten Eberhard Lämmert ist das Gespräch die «menschenbildende und menschenbindende Wechselrede». Die beiden Adjektive kann man ruhig wörtlich nehmen: Ein klug geführtes Unterrichtsgespräch «bildet» und «(ver)bindet». Kognitives (Wissen) und Affektives (soziale Tugenden) gehen dabei Hand in Hand. Warum gibt man all dies um einer ideologischen Setzung willen preis?
Noch ein weiterer Aspekt wird von den Befürwortern des individualisierten Lernens gerne übersehen. Auch von dieser Lernform profitieren in erster Linie die leistungsstarken Schüler, weil sie sich selbst gut organisieren und disziplinieren können. Der Nestor der (west-)deutschen Didaktik Hermann Giesecke warnte schon vor Jahren vor der Illusion, lernschwache Kinder könnten von heterogenen Lerngruppen profitieren, wenn man nur das Lernen differenzierte: «Nahezu alles, was die moderne Schulpädagogik für fortschrittlich hält, benachteiligt die Kinder aus bildungsfernem Milieu. Gerade das sozial benachteiligte Kind bedarf, um sich aus diesem Status zu befreien, eines geradezu altmodischen, direkt angeleiteten, aber auch geduldigen und ermutigenden Unterrichts.» (zit. nach: Michael Felten: «Bildungsgerechtigkeit – Gespenst oder Gebot?», 2012) Und dieser «direkt angeleitete» Unterricht, das vom Lehrer gelenkte Gespräch, ist nur in relativ homogenen Lerngruppen zu leisten. Wer das eine – «gemeinsames» Lernen – will, muss das andere – das gegliederte Schulsystem mit seinen homogenen Klassen – verteidigen.
Allen Lehrerinnen und Lehrern dieser Republik lege ich die «gedruckte Erlaubnis» des Pädagogen Jochen Grell ans Herz: «Du darfst direkt unterrichten, auch die ganze Klasse auf einmal. Du brauchst dich nicht dafür zu schämen, dass du Schüler belehren willst. Die Schule ist ja erfunden worden, damit man nicht jedes Kind einzeln unterrichten muss.» •

Rainer Werner ist pensionierter Gymnasiallehrer für die Fächer Deutsch und Geschichte. Während seiner Unterrichts­tätigkeit an drei Berliner Schulen verfasste Rainer Werner zahlreiche Bücher, vor allem Unterrichtshilfen für Lehrer für das Fach Deutsch. Die Skala der Titel reicht von «Psychoanalyse und Literatur» über «Lyrik im Deutschunterricht» bis zu Schillers Drama «Die Räuber». Anliegen dieser Bücher ist es, den Lehrern didaktisch aufbereitetes Material für einen anspruchsvollen und kreativen Deutschunterricht zur Verfügung zu stellen. Mit Vorträgen und Workshops zu fachdidaktischen Themen spricht Rainer Werner vor allem junge Lehrer und Referendare an, um sie für einen modernen und schülerzugewandten Deutschunterricht zu begeistern. Rainer Werner mischte sich auch in pädagogische und schul­politische Debatten ein, die in der Öffentlichkeit geführt wurden. In der «Tageszeitung», der «Frankfurter Rundschau» und der «Welt» veröffentlichte er Essays und Kommentare zur Bildung und zur Schulpolitik. Auch an Streitgesprächen im Rundfunk wirkte er als Experte mit. Als Ausdruck seiner langen Unterrichtserfahrung und seines schulpolitischen Engagements entstand im Jahre 2011 das Buch «Auf den Lehrer kommt es an». Es soll den in der Schule beschäftigten Pädagogen, aber auch einer breiteren Öffentlichkeit zeigen, «wie Schule wirklich gelingen kann». 2014 erschien sein neuestes Buch: «Lehrer machen Schule. Warum gute Lehrer so wichtig sind». Seit seiner Pensionierung im Jahre 2011 engagiert sich Rainer Werner verstärkt in der «Inneren Schulreform», die die meisten Schulen inzwischen auf den Weg gebracht haben. In Fortbildungsveranstaltungen, Workshops und Vorträgen zeigt Rainer Werner, welche Schritte in der Unterrichtsgestaltung und in der Gestaltung des schulischen Lebens unternommen werden können, um die eigene Schule zu einer «guten Schule» zu machen. Rainer Werner betreibt die Internetseite: https://guteschuleblog.wordpress.com/