«Beleuchtend sind auch die Worte von Boniface Musavuli von der Gruppierung ‹Freunde des Kongo und der USA›: ‹Im Februar 2013 hat Johnnie Carson, Unterstaatssekretär bei der Afrika-Abteilung, erklärt, ‹die USA würden der Demokratischen Republik Kongo behilflich sein, wie sie es auch in den Fällen Ex-Jogoslawien und im Sudan getan hätten›. Damit ist angedeutet, dass der Kongo für die Amerikaner aufgeteilt werden muss wie der Sudan und Ex-Jugoslawien, in diesem Fall zugunsten von Ruanda und Uganda.›11»

Die Demokratische Republik Kongo – mitten im ostafrikanischen Sturm

von Prof. Stanislas Bucyalimwe Mararo, Antwerpen

pk. Die hier veröffentlichte Analyse über den Dauerbrennpunkt Ostkongo ist aufwühlend und überraschend. Aufwühlend ist die Sachlichkeit, mit der Stanislas Bucyalimwe, Historiker in der Tradition der afrikanischen Geschichtswissenschaft, einmal mehr Unerhörtes berichtet: Heute regierende und vom Westen anerkannte und unterstützte Staatsmänner haben schon im Vorfeld ihres Sprunges an die Macht das Blut unschuldiger Menschen vergossen – Staatsmänner, denen wir im Westen den roten Teppich ausrollen, wie das gerade jüngst wieder der Fall war, als der ruandische Alleinherrscher Paul Kagamé, von einer Wirtschaftshochschule mit Glanz und Gloria empfangen und seine schönfärberischen Botschaften ohne jede kritische Anmerkung durch alle grossen Medien verbreitet wurden. Gegen dieses Sich-Gewöhnen ans Unerträgliche wendet Stanislas Bucyalimwe seit Jahren ein ganz einfaches Mittel an: Er bleibt bei der historischen Wahrheit, die er, fleissig und unbeirrt, Schicht für Schicht freilegt, bis sich denn auch in der Staatengemeinschaft wieder ein Richter findet, der Mut genug hat, der grassierenden Verwischung und Staatspropaganda die Beweislast der Wirklichkeit entgegenzustellen. Stanislas Bucyalimwe bleibt bei seiner Aufrechnung der jüngsten Vergangenheit im Gebiet der Grossen afrikanischen Seen streng den Fakten und den verwendeten Dokumenten verpflichtet, die er auch in diesem Beitrag, exklusiv für «Zeit-Fragen» verfasst und mit minutiösen Quellenverweisen nachweist.
Der Beitrag wurde schon vor einiger Zeit verfasst. Die jüngsten Ereignisse im Ostkongo, der seit mehr als 20 Jahren Szenario für die unvorstellbarsten Greueltaten geblieben ist, haben seine Analyse bestätigt. Das Schicksal des kongolesischen Riesenlandes entscheidet sich im Osten. Entscheidend sind nicht nur die dort von den «neuen afrikanischen Führern» à la Museveni, Joseph Kabila und Paul Kagamé aufgebauten mafiösen Organismen zur Ausbeutung der dort liegenden Rohstoffe zu Dumpingpreisen, was einem Dauerdiebstahl am kongolesischen Volksvermögen gleichkommt, entscheidend ist auch die Lage des Ostkongo im strategischen Raum, den der Autor zu Recht und mit Verweis auf die neue amerikanische Afrika-Strategie als «Das Grosse Horn» Afrikas bezeichnet. Zu diesem Gebiet gehören nicht nur Somalia und Djibouti, Eritrea und Äthiopien, auch Teile Kenias, Uganda, der Ostkongo und die von den Amerikanern nach den Völkermorden von 1994 unter ihrer Protektion aufgebauten Zwergstaaten Ruanda und Burundi gehören zu diesem strategisch bedeutenden Grossraum. Ruandas zwanzigjährige Politik der Aufspaltung seines mächtig-ohnmächtigen Nachbars Kongo finden hier ihre strategische Erklärung so gut wie die seit Monaten wieder aufgestachelten Emotionen in Ruandas Zwilling Burundi, die das Land einmal mehr an den Rand des Bürgerkriegs führen. Bucyalimwes Analyse macht nicht nur klar, wer die wirklichen Drahtzieher sind, er zeigt auch auf, dass sie, zumindest was den Ostkongo, Ruanda und Burundi betrifft, aus alten politischen Seilschaften stammen, welche nur eine Logik anerkennen: die eigene Vormachtstellung um jeden Preis zu erhalten.

«Die Region der Grossen afrikanischen Seen birgt grosse Mengen von Naturschätzen und besitzt damit ein starkes Potential, das von einer tragischen geschichtlichen Vergangenheit verdeckt wird, welche ihre gegenwärtige Lage immer noch beeinflusst. […] Der Zweite Kongo-Krieg (1998–2003) war einer der blutigsten Konflikte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er schuf die Grundlagen für die heute herrschende Unsicherheit, welche die ganze Region heimsucht. Dieser Krieg hat nicht nur fünf Millionen Menschen das Leben gekostet, er hat auch Gemeinschaften entwurzelt, Wirtschaften zerstört, massenhaft Waffen und Munition in Umlauf gebracht und ganze Völkerschaften traumatisiert. In der Demokratischen Republik Kongo ist immer noch die grösste Friedensmission der Vereinten Nationen im Gange mit dem Auftrag, das Leben von Zivilisten zu schützen und den Frieden zu konsolidieren. Obwohl sich die bewaffneten Konflikte in der Region der Grossen afrikanischen Seen etwas beruhigt haben, bedroht die generelle Instabilität immer noch die schwachen staatlichen Institutionen. Die vom internationalen organisierten Verbrechen aufgezogenen Aktivitäten halten diese Instabilität, die Straflosigkeit der in der Region begangenen Verbrechen und die Gewalt in markanter Weise am Leben, dies besonders im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Im Osten des Kongo zählt man immer noch zwischen 6500 und 13 000 aktive Kämpfer von bewaffneten Gruppen, welche von diesen kriminellen Machenschaften profitieren.» (Bericht der Vereinten Nationen, 2011)1

Amerikas Politik in Zentralafrika

Ohne jeden Zweifel entscheidet sich das Schicksal der Demokratischen Republik Kongo, deren Staatsbildung 1885–1910/11 von Westen nach Osten erfolgte und die heute an allen Fronten der Destabilisierung ausgesetzt ist2, im Osten.
Im Osten haben wir es zu tun mit den Gebietsansprüchen Burundis, Ruandas und Ugandas, welche den Süd-Kivu, den Nord-Kivu und die Ostprovinz (Province orientale) betreffen. Nicht nur, dass Ruanda und Uganda einen grossen Teil dieses Gebietes besetzt halten (es ist zum Territorium des Kampfes gegen den Terrorismus erklärt worden und zum Operationsgebiet der Africom (US-amerikanische Kommando-Zentrale für Afrika) und der Eastern Congo Initiative – ECI –, von welcher Cindy Hensley McCain, die Ehefrau von John McCain, ein Gründungsmitglied ist3), auch Burundi ist als Folge des Militärabkommens mit den USA vom 25. Januar 2014 in eine Freizone verwandelt worden.

Militärabkommen Burundi–USA

«Die Parteien, Burundi und die USA, sind übereingekommen, dass Angehörige der amerikanischen Armee, Zivilbeamte des amerikanischen Verteidigungsdepartements und amerikanische Bevollmächtigte in Burundi Aktivitäten ausüben, welche der Ausbildung, der Kampferprobung oder humanitären Zwecken dienen (Art. 2). Sie geniessen dazu die gleichen Vorrechte, Ausnahmeregelungen und Immunitäten, wie sie dem diplomatischen Personal gewährt werden (Art. 3). Sie können das Staatsgebiet von Burundi mit ausschliesslich von den amerikanischen Behörden ausgestellten Papieren jederzeit betreten und verlassen. Ihre Führerscheine werden anerkannt. Sie sind berechtigt, ihre Waffen und Uniformen zu tragen (Art. 3,4,5 und 6) und unterliegen in Strafsachen dem amerikanischen Gesetz, das in Burundi zur Anwendung gelangt (Art. 7).»4

Was sich nun im Osten der Demokratischen Republik Kongo ereignet, ist Teil einer angloamerikanischen versteckten Agenda.5 Washington setzt zu ihrer Realisierung seit dem Fall der Berliner Mauer von 1989 sein berühmtes Konzept der «neuen afrikanischen Führer» (New African Leadership) ein. Es zeichnet sich durch «programmierte Beseitigung» menschlicher Leben und Infrastrukturen aus.
Mit andern Worten: Es ist unmöglich zu verstehen, was sich in der Region der Grossen afrikanischen Seen sowie in der Demokratischen Republik Kongo heute abspielt, ohne vorher zu erklären, worum es geostrategisch nach diesem Ereignis geht oder worin die Neue Weltordnung genau besteht, welche der amerikanische Präsident George Bush (der Ältere) bei der Invasion des Irak unter dem Namen «Desert Storm» 1991 ankündigte. Bei diesen Ereignissen zeigt sich die neue Rolle der Vereinigten Staaten, aber 1991 ist auch ein entscheidendes Jahr für das Grosse Horn von Afrika sowie für ganz Ostafrika. Denn das Horn von Afrika oder genauer: das Grosse Horn von Afrika wurde zur Schlüsselzone für die Konsolidierung von deren Hegemonie in Afrika und im Persischen Golf. Sami Makki drückt es so aus: «[…] elle est sous haute surveillance internationale» (Es befindet sich unter strenger internationaler Bewachung.)6 Was es bisher nicht gehindert hat, im Chaos zu versinken.

Die Greater-Horn-of Africa-Initiative (GHAI) und ihre Folgen

Eines der Anzeichen für die US-amerikanische imperialistische Offensive ist die sogenannte GHAI (Greater Horn of Africa Initiative), die von der Clinton-Administration im Dezember 1994 ins Leben gerufen worden ist, kurz nachdem der FPR (Front Patriotique Rwandais) die Macht in Ruanda erobert hat. Deshalb ist ihre Realisierung mit so viel blutigen Umstürzen im zentralen und östlichen Afrika einhergegangen. Denn die GHAI ist ein Projekt, das nicht nur die vier Kernländer des afrikanischen Horns betrifft, Somalia, Djibouti, Äthiopien und Eritrea, sondern auch Tansania, Kenia, den Sudan, Uganda sowie Ruanda und Burundi miteinbezieht (vgl. Karte der GHAI-Länder).
Das nach aussen kommunizierte Ziel ist humanitär: Die Auswirkungen der Katastrophen bekämpfen, die durch die Menschen in dieser ausgedehnten Region bewirkt worden sind. Die geistigen Väter der Initiative fügen aber sofort hinzu, es handle sich dabei um kein Allheilmittel, sondern ganz einfach um ein Laboratorium.
Das wirkliche Ziel der Initiative ist geheim und gehört in den politischen und strategischen Bereich.7 Es ist Bestandteil des Kampfes gegen den Islamismus und den Terrorismus. Die amerikanische Unterstützung der Unabhängigkeitsbestrebungen des Südsudans (Juli 2011), der separatistischen Bewegungen im Westen (Darfur) und Osten des Sudans illustrieren das sehr gut.  
Als Schaltstellen funktionieren: Tansania, Südafrika, Uganda, Burundi, Äthiopien, Eritrea und Ruanda. Unter solchen Schaltstellen-Staaten muss man nach Brzezinski Staaten verstehen, «welche von einer massiven militärischen Unterstützung durch die Vereinigten Staaten profitieren, welche es ihnen erlaubt, ihre Interessen zu verfolgen» (Schutz amerikanischer Unternehmen oder solcher, welche dem militärisch-industriellen Komplex angehören). Nach der Formulierung von Pierre Hillard8 lässt sich die Brzezinski-Doktrin auf einen einfachen Satz reduzieren: «Die islamistische Waffe ist das geostrategische amerikanische Instrument.»
Die Umwandlung der Ostgebiete der Demokratischen Republik Kongo in einen Stützpunkt im Krieg gegen den internationalen Terrorismus und zum Landeplatz verschiedener amerikanischer Organisationen und Unternehmungen (wie zum Beispiel ECI, USAID, CARPE, Wildlife Direct, Africa Conservation Fund usw.) steht in diesem Zusammenhang. In die gleiche Richtung geht auch die Vielzahl multinationaler Unternehmen (amerikanischer, englischer, kanadischer, israelischer, französischer, chinesischer und noch anderer Provenienz), die sich hier seit 1999 drängen, wie zum Beispiel die AMFI, die AFRIMEX, Soco International, Barrick Gold, Banro Resource Corporation, Héritage Oil, Tullow Oil, Total, CNOOC, SOMIGL, Anglo Gold Ashanti Kilo/AGK, usw.). Deren Präsenz erfolgt gleichzeitig mit «der Militarisierung des Minen-Sektors». Das Buch von Pierre Barcyetse mit dem Titel «L’enjeu géopolitique des sociétés minières internationales en République Démocratique du Congo/ex-Zaïre (Dossier der Gruppe «SOS Ruanda-Burundi», Buzet/Belgique, Dezember 1999, vgl. Karte), dasjenige von Delphine Abadié, Alain Deneault und William Sacher mit dem Titel «Noir Canada: pillage, corruption et criminalité en Afrique» (Montréal, Éditions Écosociété, 2008) sowie dasjenige von Patrick Mbeko: «Le Canada dans les guerres en Afrique centrale: génocides et pillages des ressources minières du Congo par le Rwanda interposé» (Le Nègre Editeur, Janvier 2012) sind nur einige entsprechende Referenzstudien, deren Lektüre in diesem Zusammenhang empfohlen sei.
Ebenfalls wichtig sind der Einfluss der Neokonservativen9 und der protestantisch-anglikanisch amerikanischen Pressure group «Breakfast Prayer»10. Um es deutlich zu sagen: Die Demokratische Republik Kongo wird vom «neokonservativen Virus» mit voller Wucht heimgesucht. Unter ihnen findet man die Urheber von Texten wie beispielsweise «Der Kivu ist Teil von Ruanda» (Herman Cohen) oder «Der Kongo muss seine Landreserven und seine Reichtümer mit Ruanda teilen» (Nicolas Sarkozy). Erhellend sind auch die Worte von Boniface Musavuli von der Gruppierung «Freunde des Kongo und der USA»:
«Im Februar 2013 hat Johnnie Carson, Unterstaatssekretär bei der Afrika-Abteilung, erklärt, ‹die USA würden der Demokratischen Republik Kongo behilflich sein, wie sie es auch in den Fällen Ex-Jogoslawien und im Sudan getan hätten›. Damit ist angedeutet, dass der Kongo für die Amerikaner aufgeteilt werden muss wie der Sudan und Ex-Jugoslawien, in diesem Fall zugunsten von Ruanda und Uganda.»11

Washington, die Politik der Peitsche und die Diktaturen ethnischer Minderheiten

Während des Kalten Krieges (1960–1990) haben sich die USA und ihre Verbündeten des langjährigen kongolesischen Diktators Mobutu bedient, um ihn nachher zugunsten des ugandischen Alleinherrschers Museveni fallenzulassen. Es war Museveni, der die Reihe der sogenannten neuen afrikanischen Leader anführte. Seitdem er 1986 die Macht an sich gerissen hat, unterstützen die Vereinigten Staaten die Kriege, die dieser ugandische Diktator führt (Ruanda, Sudan und DRK), militärisch, politisch und diplomatisch.12
Das ugandische Modell, die Machtergreifung über eine Rebellion, hat sich auf Ruanda, Burundi und die DRK ausgeweitet. Deshalb haben die Männer an der Spitze der vier Staaten auch zwei Züge gemeinsam: Sie sind alle Chefs von Rebellenformationen, und sie gehören der gleichen Ethnie an. Gleichzeitig spielt Ruanda die Rolle des amerikanischen Protektorats in der Region und ist Schachfigur gegen die französische Präsenz.13
Zur Erreichung dieses Zieles haben die Vereinigten Staaten, um Paul Kagamé an die Staatsspitze Ruandas und Joseph Kabila an diejenige der DRK zu bringen, vier Staatschefs umbringen lassen, zwei in Burundi und einen in Ruanda und einen im Kongo: Hierbei handelte es sich um den gewählten Präsidenten Melchior Ndadaye, Hutu, der am 21. Oktober 1993, drei Monate nach seiner Amtseinsetzung, durch die Tutsi-Armee getötet wurde, sodann um dessen designierten Nachfolger, Cyprien Ntaryamira, Hutu. Ntaryamira befand sich am Abend des 6. April 1994 mit seinem Armeechef, General Déogratias Nsabimana, und weiteren burundischen Spitzenoffizieren in dem Flugzeug, das ihn zusammen mit dem ruandischen Präsidenten, Juvénal Habyarimana, und dessen General­stabschef und ihrem Stab von einer Konferenz in Arusha nach Kigali zurückbringen sollte. Kurz vor ihrer Landung auf dem Flugplatz Kanombe14 wurde das Flugzeug von einer Boden-Luft-Rakete getroffen und stürzte ab. Beim kongolesischen Auftragsmord handelte es sich um Präsident Laurent-Désiré Kabila, welcher der Ethnie der katangischen Luba angehört, und der am 16. Januar 2001 angeblich von einem seiner eigenen Sicherheitskräfte erschossen wurde15. Alle genannten terroristischen Morde sind bis heute ungeklärt, die obigen Ausführungen werfen ein Licht auf die Gründe.
Was die Demokratische Republik Kongo betrifft, so wurden die Erwartungen seiner Bevölkerung abermals erstickt, wie schon 1960. Denn das während der kongolesischen Nationalen Souveränen Konferenz ausgehandelte demokratische Schema, das noch von der Troika Belgien, Frankreich und Vereinigte Staaten überwacht worden war, wurde zugunsten des militärischen Schemas fallengelassen, das durch Drittstaaten vorangetrieben wurde, insbesondere durch die Konstellation der oben genannten Schlüsselstaaten. Diese Allianz wurde zum ersten Mal während der Invasion der DRK im September/Oktober 1996 erprobt.
Dabei haben die USA und Verbündete der Invasion der DRK nicht nur die schwere Bewaffnung zur Verfügung gestellt16, sie haben nach dem Blutbad der Ermordung des Präsidenten Laurent-Désiré Kabila auch Joseph Kabila durchgesetzt, so wie sie auch die Friedensabkommen orchestrierten, welche das Land unter internationale Vormundschaft stellten. Nichts deutet darauf hin, dass sich an diesem Schema seit der Unterzeichnung des Abkommens von Lusaka am 10. Juli 1999 bis zur Erklärung von Nairobi vom 12. Oktober 201317 etwas grundlegend geändert hätte.
Paul Kagamé war Angehöriger der ugandischen Armee, Joseph Kabila der ruandischen. Zahlreiche ugandische Staatsangehörige mischen in den Institutionen des «neuen» Ruanda mit (Jack Nziza, General Patrick Karegeya und andere), und ebenso zahlreich sind Ruander in den Institutionen der DRK (Der Fall Jean-Bosco Ntaganda ist nur ein Beispiel unter vielen). Inzwischen ist die Aussage, das Schicksal der DRK sei fest in den Händen der Männer des Regimes von Paul Kagamé, zu einem offenen Geheimnis geworden: Sie sind allesamt ehemalige Waffengefährten, im Rahmen der militärischen Formationen, welche den Feldzug von 1996/97 durchführten wie des FPR (Front Populaire Rwandais), der AFDL (Alliance des Forces Démocratiques pour la Libération du Congo) und des RCD (Rassemblement Congolais pour la Démocratie), die aus der gleichen ruandischen Brutstätte hervorgingen wie die bis in die jüngste Zeit anhaltenden «Rebellionen» unter wechselnden Namen (CNDP, M 23, M 2718). Paul Kagamé sagt es übrigens selbst, jedesmal, wenn er betont, dass «in Kinshasa niemand, bis in die höchsten Staatsspitzen hinauf, auch nur andeuten kann, er handle nicht in enger Absprache mit Ruanda». Daraus kann man getrost schliessen, dass die Gefolgsleute und Protagonisten der destabilisierenden Politik Kigalis gegenüber der DRK sich im Machtzentrum von Kinshasa selbst befinden.19
Es sind Yoweri Museveni und Paul Kagamé, welche den grössten Teil der «Rebellionen» und bewaffneten Gruppen sponsoren, welche den Kivu und die Ostprovinz seit 1996 heimsuchen. Im übrigen hat Museveni in einer Ansprache vom 7. April 2014 anlässlich der Gedenktage zum Genozid vor 20 Jahren klar die Region der Grossen afrikanischen Seen als Zentrum ihrer Strategie umschrieben, die, man konnte es zwischen den Zeilen erkennen, zum Bollwerk eines neuen Reiches20 werden sollte: Ruanda, Burundi, Uganda, West-Kenia, Nordwest-Tansania und der Osten der DRK.21 Das heisst nichts anderes, als dass es neben dem Run auf die Bodenschätze der DRK noch einen zweiten Hauptgrund für die permanente Instabilität dieser Region gibt: den Hegemonieanspruch der Hima-Tutsi-Völker.22
Die Fördermengen der grenzübergreifenden Bergbauunternehmen sind in mafiösen Netzen organisiert, welche von den militärischen und politischen Eliten Ugandas, Ruandas und ihrer westlichen Paten und afrikanischen Verbündeten getragen werden. Sie erwirtschaften märchenhafte Dividenden und erhalten so einen lebenswichtigen Wirtschaftszweig, welche die Profiteure um jeden Preis am Leben erhalten wollen. Die Abteilung für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung der Vereinten Nationen sagt es im zu Beginn dieses Textes zitierten Ausschnitt:
«Die Aktivitäten, die das internationale organisierte Verbrechen in der Region entfaltet und die Geldmengen, die es dadurch generiert, scheinen ein Hauptgrund für die dort herrschende andauernde Instabilität, die Straflosigkeit und die Gewalt zu sein, insbesondere im Osten der DRK. Man schätzt, dass es im Ostkongo zwischen 6500 und 13 000 Mitglieder aktiver bewaffneter Gruppen gibt, welche von den kriminellen Aktivitäten profitieren.»
Ohne jeden Zweifel sind Operationen gegen die LRA23, ADF/NALU und FDLR wichtig. Sie haben sich bis jetzt aber als Augenwischerei herausgestellt. Wie soll man es sich erklären, dass bewaffnete Gruppen, die, so halten verschiedene Berichte fest, geschwächt sind, den im Ostkongo herumschwärmenden Armeeeinheiten (amerikanische Africom-Einheiten, ugandische und ruandische Armeeeinheiten, Monusco-Uno-Truppen sowie kongolesische, süd-sudanesische und zentralafrikanischen Einheiten) so lang trotzen können?
Wenn es Washington gefiele, würden die Expansionsgelüste eines Yoweri Kaguta Museveni oder eines Paul Kagamé oder jedes anderen Regionalsatrapen, der sich für Gott auf Erden hält, schnell zurückgebunden und es könnte wieder Frieden und Stabilität eintreten. Angesichts der weltweit betriebenen «Realpolitik» gehört das leider wohl noch für lange in den Bereich frommer Wünsche.    •
(Übersetzung Peter Küpfer)

1    Organisiertes Verbrechen und Instabilität in Zentralafrika. Evaluation der Bedrohungslage. Wien (Büro der Vereinten Nationen gegen Drogen und Kriminalität) 2011, S. 7
2    Die genannten Ereignisse erfolgen zu einem Zeitpunkt, wo die innenpolitische Lage sehr schlecht ist, und zwar wegen folgender Fakten: (1) umstrittene Wahlen, Machtkonflikt; (2) Frontstellung zwischen Vertretern der Zentralisierung versus Dezentralisierung; (3) zunehmende Repression gegen Oppositionelle und Menschenrechtsverteidiger; systematische Eliminierung von Offizieren innerhalb der kongolesischen Armee, welche dem Land ergeben sind, wie zum Beispiel Oberst Mamadou Ndala, General Alphonse Bikweto, General Jean-Julien Bahuma u. a.; (4) Verschlechterung der Lebenssituation und in der Folge davon zunehmende Frustration; (5) Erstarken des Stammesdenkens mit entsprechenden Spannungen an verschiedenen Orten (Ndoole, P., Masisi/Nord-Kivu. La milice Raia Mutomboki dévaste des villages entiers, in Syfia Grands Lacs/RD Congo, 27 octobre 2013; Kungu, K., Insécurité à Mutarule/Sud-Kivu. Massacre de six membres de famille, in L’Observateur, 16 août 2014); (6) Rücktritte, Verantwortungslosigkeiten und Leichtfertigkeit in den Führungsschichten und Eliten des Kongo (Mutinga, M., La République des Inconscients, éd. Le Potentiel, 2010); (7) konfessionelle Rivalitäten zwischen den grossen Kirchen (Katholische Kirche und verschiedene Exponenten des Protestantismus), zwischen ihnen und den zahlreichen Erweckungs-Kirchen («trojanische Pferde Amerikas» im Kongo und überall auf der Welt) und zwischen ihnen und den nationalen Kirchen (zum Beispiel den Kimbangisten und anderen)
3    http://www.easterncongo.org/about
4    «Un projet d’accord avec les USA menace la Souveraineté nationale du Burundi», in Arib-Info, 23. Januar 2014 ; «Le Burundi signe un accord militaire avec les Etats-Unis», in Xinhua, 25. Januar 2014
5    Die Ereignisse im Osten bilden den Sprengkopf im Prozess der Zerstückelung des Landes. Es gibt eine ganze Reihe von ernsthaften Studien, welche diese Frage behandeln, u. a.: Kankwenda, M. J;, et Mukoka, N.F. (sous la direction de), La RDC face au complot de la balkanisation et d’implosion. Kinshasa/Washington/Montréal, ICREDES, 29 janvier 2014
6    Sami Makki, «La Corne de l’Afrique, un espace régional sous haute surveillance internationale», in Revue Humanitaire (el. Version), 22. Juli 2009, ins Netz gestellt am 13. Oktober 2009, abgerufen am 23. Juni 2014. URL: http://humanitaire.revues.org/399
7    Die finanzielle Unterstützung der Separatistenbewegungen in einem Mitgliedsland, dem Sudan, dem mit Unterstützung der Vereinigten Staaten im Juli 2011 sein Südteil amputiert worden ist, ist dafür ein Beispiel. Vgl. dazu: «U.S. Played Key Role in Southern Sudan’s Long Journey to Independence. Twenty years of U.S. involvement contributed to today’s secession of Southern Sudan – but peace is yet to come» (The Atlantic, July 2011; Jacobs, J., «South Sudan and the US National Interest. History suggests that US support for South Sudanese independence has less to do with democracy and justice than oil reserves», in Think Africa Press, 13 March 2012. La sponsorisation des mouvements séparatistes dans l’un des pays membres, le Soudan qui a été amputé de sa partie sud en juillet 2011 avec l’appui des Etats-Unis est un cas d’espèces.
8    Er ist auch Verfasser des Buches «La montée irrésistible du nouvel ordre mondial» (Editions François-Xavier de Guibert, 2010).
9    William Perry, Richard Perle, Robert Kagan, William Kristol, John Bolton, Harry Johnson, Paul Wolfowitz, Roger Winter, Madeleine Albright, George Moose, Dick Cheney, Donald Henry Rumsfeld, Prudence Bushnell, John Bolton, William Swing, Richard Armitage, Stephen Solarz, Bernard Kouchner usw. Die Unterzeichner haben ihre Unterschrift auch unter folgendes Dokument gesetzt: «Project for the New American Century/PNAC, dat, Frühjahr 1997, eine Art Katechismus zur Eroberung der Weltherrschaft. Die folgenden Quellen bestätigen die Tatsache, dass es tatsächlich der Schatten des Neokonservativen ist, der über den polititisch-militärisch-wirtschaftlichen Nebeln der DRK kreist: «Un des plus gros trafiquants d’armes dans le monde (Victor Bout) arrêté en Thaïlande», in Le Monde, 6. März 2008; «L’Occident a la reconquête de l’Afrique», in Échos d’Afrique, 6. Mai 2013; Musavuli, B., «RD Congo: il faut mourir pour l’Amérique, sinon on est mort…», in Agora Vox, 21. Septembre 2013; Le Bec, C., «Pétrole: Dan Gertler décroche le gros lot en RD Congo», in www.jeuneafrique.com, 8. August 2014). Christophe Le Bec definiert den Platz des Genannten im mafiösen ökonomischen Netz und präzisiert dazu: Umstrittene Aquisitionen. Die Gruppe «Fleurette» von Dan Gertler hält via «Foxhelp» und «Caprikat», zwei Gesellschaften, welche ihren Sitz im britischen Steuerparadies der Jungfraueninseln haben, die Gruppe «Oil of DR Congo» fest in ihrer Hand. Wie die genannten Gesellschaften zu ihren Abbaurechten gekommen sind, bleibt noch im Dunkeln. Es ist aber klar, dass der betreffende Geschäftsmann weder über die finanziellen Mittel noch über die technische Erfahrung verfügt, ein Projekt dieser Dimension auf die Beine zu stellen. Sein Ruf könnte ihm die Aufgabe erschweren, die unabdingbaren Partner zu finden, die ihm seine Reserven in klingende Münze umwandeln. Tatsächlich steht er Joseph Kabila nahe und wird von ONGs wie Global Witness und vom Think-tank «Afrika Progress Panel» von Kofi Annan verdächtigt, mehrmals ausgiebige Ölfelder zu Spottpreisen aquiriert zu haben, weil er dem Machtzentrum in Kinshasa nahesteht. Was ihm erlaubt haben soll, 1,4 Milliarden Dollar an unversteuerten Geldern zu generieren. Fleurette bestreitet diese Vorwürfe vehement und macht geltend, in die kongolesische Wirtschaft «7 Milliarden Dollar investiert» zu haben.
10    Investissements de 7 milliards de dollars «dans l'économie congolaise».  Indongo I., «Le voyage euro-américain du Président J. Kabila, ‹Breakfast Prayer› et la presse», (http://www.congonline.com/Forum2001/Fevrier/Indongo_Imbanda02.htm). Gewisse kongolesische Politiker haben daran Gefallen gefunden. Die Organisation Apareco bezeichnet diese als «pharisäische Politiker mit Schauspielertalent», vgl. Candide Okeke, «Déjeuner de prière au Grand Hôtel de Kin­shasa. Ruberwa, Kengo et Matata Mponyo autoproclamés ‹leaders chrétiens intègres›! L’œil du Patriote, Paris, le 13 novembre 2012 (http://www.apareco-rdc.com/index.php/a-la-une/loeil-du-patriote/968-ruberwa-kengo-et-matata-mponyo-autoproclames-leaders-chretiens-integres.html)
11    Boniface Musavuli, «RD Congo: Il faut mourir pour l’Amérique, sinon on est mort», Agora Vox, 21. September 2013
12    Remigius Kintu, Terror incognito: the U.S. conspiracy behind Museveni's wars. Baltimore (Maryland), 19. April 1997
13    Michel Chossudovsky, «The US was behind the Rwandan Genocide: Installing a US Protectorate in Central Africa», in Global Research. Montreal, 2003
14    Für Details vgl.: Philpot, R., Rwanda and the New Scramble for Africa : From Tragedy to Useful Imperial Fiction. Baraka Books, 20. Dezember 2013; Onana, C., La France dans la terreur rwandaise. Paris, Editions Duboiris, 31. März 2014 ; Ndanyuzwe, N., La guerre mondiale africaine: la conspiration anglo-américaine pour un génocide au Rwanda. Enquête dans les archives secrètes de l'armée nationale ougandaise. Editions Sources du Nil, 2014
15    Nashi, E., Pourquoi ont-ils tué Laurent-Désiré Kabila? Paris, Editions L’Harmattan, Januar 2007. Der amerikansiche Botschafter, der zum Zeitpunkt der Ermordung der beiden Präsidenten, Habyarimana und Ntaryamira, noch in Kigali war, der Neokonservative William Lacy Swing, wurde zum Zeitpunkt der Ermordung Laurent-Désiré Kabilas nach Kinshasa versetzt. Er war es, der Joseph Kabila an die Staatsspitze hievte und seine Macht zwischen Januar 2001 und Dezember 2007 konsolidierte.
16    Péan, P., Carnages. Les guerres secrètes des grandes puissances en Afrique. Paris, Fayard, 10. Dezember 2010
17    Kibangula, T., «RDC: les pourparlers entre Kinshasa et le M 23 s’achèvent par la ‹déclaration de Nairobi›», in www.jeuneafrique.com, 12. Dezember 2013
18    «Une nouvelle rébellion, M 27, en gestation dans le territoire de Masisi et piétinement de la traque des ADF au Nord-Kivu. Pourquoi la paix traine-t-elle à vernir? 18 août 2014» (http://paixgrandslacsafricains.blogspot.be/2014/08/une-nouvelle-rebellion-m27-en-gestation.html#!/2014/08/une-nouvelle-rebellion-m27-en-gestation.html)
19    Mienze, M.M., «Le PPRD répond à Ruberwa: Les Tutsi plus représentés que toutes les tribus du Kivu réunies», in La Prospérité, 23. Oktober 2007 (http://www.congoplanete.com/article.jsp?id=45261053). Wenn man sich die Zahl der Tutsi vergegenwärtigt, welche in den kongolesischen nationalen Institutionen Schlüsselpositionen einnehmen, gibt es keinen Zweifel, dass es sich hier um die strikte Anwendung der ruandischen Politik handelt, welche Emmanuel Ndahiro, Chef des ruandischen Geheimdienstes, 1997 wie folgt umschrieb: «Als wir uns am 3. bis 5. Juni in Kisoro (Uganda) versammelten, gerade nach unserem Sieg, der zum Sturz des Diktators Mobutu geführt hatte, haben wir betont, dass wir unser gegebenes Versprechen noch verstärken müssen, indem wir unsere besten Humanressourcen (ressources humaines) in jene Organisationen stecken müssen, welche die Sicherheit, die Wirtschaft, die Finanzen und die politische Administration garantieren, insbesondere in den Provinzen Nord- und Südkivu, die integrierender Bestandteil unseres Vaterlandes sind. Diese Strategie wird unserer Kontrolle über die Demokratische Republik Kongo verstärken.» in: Péan, P., Carnages […], op. cit., p. 386
20    «Discours de Museveni ou Acte de naissance «officiel» de l’Empire Hima-Tutsi?», in Emmanuel Neretse, «Que cachent les discours de Paul Kagame et Yoweri Museveni le 7 avril 2014 à Kigali? Analyse. Bruxelles, 8. April 2014 (http://www.musabyimana.net/lire/article/que-cache-les-discours-incendiaires-de-p-kagame-et-y-museveni-le-07042014-a-kigali-analyse/index.html)
21    «Discours de S.E. Yoweri Museveni, Président de la République de l'Ouganda, lors de la 20e commémoration du génocide rwandais à Kigali – Rwanda, 7 Avril 2014» (http://unenouvelleafriquevoitjour.blogspot.be/2014/04/discours-de-se-yoweri-museveni.html#!/2014/04/discours-de-se-yoweri-museveni.html)
22    Jean-Charles Murego, Instabilité de la région des Grands Lacs africains. Causes et solutions Bruxelles, August 2010 (http://www.musabyimana.net/fileadmin/user_upload/documents/2010/Instabilite_de_la_region_des_grands_lacs.pdf)
23    Nach Nile Bowie und Michel Chossudovsky stellt der Kampf gegen die LRA einen amerikanischen Vorwand dar, um Afrika zu militarisieren. Vgl. dazu: Bowie, N., «Merchandising and Branding Support for US Military Intervention in Central Africa», in Global Research, 14. März 2012 ; Chossudovsky, M., «Joseph Kony, America’s pretext to invade Africa: US Marines dispatched to five African countries», in Global Research, 19. März 2012)

Abkürzungen

Ausdrücke, die im Text nicht erklärt werden

AMFI: American Minerals Fields Inc. gegründet 1995. Internationales Konsortium unter US-Führung zum Abbau von wichtigen Rohstoffen, insbesondere in Afrika und dem Kongo.
ADF/NALU: Allied Democratic Forces. Ugandische Widerstandsbewegung. Wie Ruanda nimmt auch Uganda das Operieren dieser Bewegung vom Nordkivu aus zum Vorwand, dort militärisch zu intervenieren.
AFRIMEX: Britisches Bergbaukonsortium, das sich nach Aussagen der britischen Regierung in der Wirren des Bürgerkriegs im Ostkongo bereichert.
CNOOC: China National Offshore Oil Corporation. Nationales chinesisches Erdölkonglomerat.
FDLR: Forces Démocratiques de la Libération du Rwanda. Hutu-dominierte Widerstandsgruppe, die vom Ostkongo aus die Regierung Kagamé (Tutsi) in Ruanda bekämpft. Sie bildet das Hauptargument für die Präsenz ruandisch ausgerüsteter Kampfverbände im Ostkongo wie etwa der M 23 oder vorher der CNPD.
LRA: Lord’s Resistance Army. Ugandische Widerstandsbewegung gegen Museveni.
SOMIGL: Sociéte Minière des Grands Lacs. Wirtschaftliche Hauptfinanzquelle der von Uganda gestützten ostkongolesischen Rebellenbewegung RCD, welche den westlichen Konzernen, unter anderem auch Bayer, das begehrte Koltan lieferte, ohne das kein Handy, keine Rakete und keine Drohne funktioniert.

pk. Stanislas Bucyalimwe Mararo legt in zwei kürzlich erschienen Bänden eine historische Gesamtdarstellung des Konflikts im Ostkongo vor, die bald zu den Standardwerken der schmerzvollen Geschichte dieser Region zählen wird. In einer zweibändigen Studie klärt der Forscher von der Universität Antwerpen die Genese des Konflikts, seine dramatischen Zuspitzungen und die jetzige Situation. Dabei hat der Autor nicht nur einen geschärften Blick für die geostrategische Bedeutung dieser neuerlichen «Kongo-Wirren», er durchdringt sie auch bis ins Detail und zeigt, welche Interessenlagen es bis zum heutigen Tag verhinderten, dass die schwer verheerte Region endlich das findet, was ihre Bevölkerungen ersehnen: Friede und Normalität. Zahlreiche Quellen, Diagramme und Dokumente belegen sowohl politische wie persönliche Verantwortlichkeiten der Akteure.
Bucyalimwe Mararo, Stanislas: Maneuvering for ethnic hegemony. A thorny issue in the North Kivu Peace Process (DR Congo)
Vol. I: The 1959–1997 History of North Kivu (355 p.)
Vol. II: The 1996/1997 Invasion of the «Tutsi Without Borders» and the Remote ­Reconcil­iation in North Kivu (335 p.)
Bruxelles, éditions Scribe, 2014;
ISBN: 978-2-930765-04-4