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Ethik und Kultur – Leo Tolstoi, Ilja Repin und die «Wandermaler»

zf. Vom 13. bis zum 27. September 2015 ist  auf dem Areal der Alten Zementfabrik in Brunnen die Jubiläumsausstellung «10 Jahre Kunst Schwyz» zu sehen. Die seit 2005 jährlich stattfindende Ausstellung «Kunst Schwyz» bildet jeweils den Höhepunkt der gleichnamigen Vereinigung von Innerschweizer Künstlern. Der Verein entstand 1992 als Gegenposition zu jener Kunstszene, die sich im Rahmen der Weltausstellung von 1991 der zerstörerischen Schweizschelte «700 Jahre sind genug» anschloss und zu profilieren suchte. Urs Knoblauch hat sich dieser Gegenbewegung spontan angeschlossen und wurde Gründungsmitglied der Künstlervereinigung im Kanton Schwyz.

Im Rahmen der diesjährigen Ausstellung präsentiert er eine  künstlerische Hommage an Leo Tolstoi sowie Ilja Repin und die russischen Wandermaler. In der vorliegenden Kunstarbeit (Installation) von Urs Knoblauch wird die wichtige Thematik von sozialer Gerechtigkeit, der Landwirtschaft und der Ernährungssicherheit am Beispiel der beiden grossen russischen Künstlerpersönlichkeiten Leo Tolstoi (1828–1910) und Ilja Repin (1844–1930) dargestellt. Die grossformatige Acrylmalerei von 2011 (215 x 195 cm, auf Leinwand, aufrollbar im Sinne von Landkarten- und Schulbildern) greift das Bildmotiv «Tolstoi beim Pflügen» (1887) und seine bekannte Novelle «Wieviel Erde braucht der Mensch?» auf. Verschiedene Alltagsgegenstände, Objekte, Studien und eine Foto-Textarbeit zu Tschingis Aitmatow (1928–2008) von 2009 ergänzen die Thematik.
Damit wird auch an die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs Kultur aus dem lateinischen «agricultura» erinnert. «Man hat vergessen, dass die Nahrung aus Getreide, Gemüse und Früchten, angebaut mit eigner Hände Arbeit in der Erde, die angenehmste, gesündeste, einfachste und natürlichste Nahrung ist, und dass die Arbeit unter Einbezug von Muskelkraft eine Lebensnotwendigkeit ist.» (Leo Tolstoi, «Was ist Kunst?»)
Im 19. Jahrhundert wurde die Demokratisierung gestärkt, gute Kultur sollte allen Menschen zugänglich gemacht werden. Der Realismus wurde zu einer allgemeinverständlichen Bildersprache. Vierzehn junge russische Künstler haben sich 1863 von der Petersburger Akademie abgewandt. Sie suchten die Motive im Alltag, im direkten Kontakt mit der Bevölkerung und besonders mit der unterdrückten Bauernschaft.

Sie gründeten 1870 die «Genossenschaft der Wanderausstellungen», beschäftigten sich intensiv mit der ethisch-moralischen Aufgabe von Kunst und Kultur. Die «Peredwishnikis» (Wandermaler) schufen aufklärerische Werke, zogen mit den «Wanderausstellungen» aus den Städten in entlegene, ländliche Regionen und würdigten dort die Menschen und ihre landwirtschaftliche Arbeit. Der Genossenschaft traten zahlreiche bedeutende Maler des russischen Realismus bei. Eine zentrale Persönlichkeit war llja Repin, der mit Leo Tolstoi befreundet war. Die «Wandermaler» hatten über Jahrzehnte eine grosse Ausstrahlung. Gesellschaftliche Veränderungen, Beliebigkeit und Formalismus führten 1922 zur Auflösung der «Peredwishniki».Die Kunstarbeit soll zum Nachdenken anregen, wie Machtpolitik, Profitgier, Kriege, Kolonialismus und soziales Elend überwunden werden können. Die ganze Weltgemeinschaft braucht mehr Ethik, soziale Verbundenheit und gewaltfreie Konfliktlösungen. Europa muss sich wieder auf seine humanistische Kultursubstanz besinnen, um zu einem friedfertigen und gerechten Zusammenleben aller Menschen beizutragen. Alle, gerade auch die Künstler, sind aufgefordert, dazu beizutragen. Die Schweiz hat dazu 2014 mit der Herausgabe einer Gemeinschaftsausgabe von zwei Briefmarken unter dem Motto «Partnerschaft 200 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Russland und der Schweiz» einen wertvollen Beitrag geleistet.    •

Urs Knoblauch: www.kultur-und-frieden.ch  

Öffnungszeiten der Ausstellung:Urs Knoblauchs Installation «Ethik und Kultur – Leo Tolstoi, Ilja Repin und die Wandermaler» ist in der Jubiläumsausstellung «10 Jahre Kunst Schwyz» im Areal der Alten Zementfabrik, Industriestasse 15, 6440 Brunnen vom 13. bis 27. September 2015 zu sehen. Die Ausstellung ist mittwochs bis freitags jeweils von 15.00–20.00 Uhr geöffnet, samstags und sonntags jeweils von 10.00–18.00 Uhr.

Vernissage mit Jubiläumsfest: Samstag, 12. September, 19 Uhr