Japans Regierung fordert die Schliessung aller Geistes- und Sozialwissenschaftsabteilungen an den Universitäten

jpv. Ein Donnerschlag in Japan. Mindestens 26 Universitäten haben bereits eingewilligt, ihre Geistes- und Sozialwissenschaftsabteilungen zu schliessen oder zumindest drastisch herunterzufahren. 17 davon haben mitgeteilt, dass sie keine neuen Studenten in diesen Fächern aufnehmen werden.
Am 8. Juni hat der japanische Minister für nationale Bildung, Hakubun Shimomura, den Präsidenten der 86 Universitäten des Landes mitgeteilt, dass sie «ihre Geistes- und Sozialwissenschaftsabteilungen auflösen oder so verändern sollen, dass sie den Bedürfnissen der Gesellschaft besser entsprechen». Man müsse sich «auf die Studienbereiche konzentrieren, die für die Wirtschaft nützlich sind».
Die Opposition auf diese Massnahmen hat nicht lange auf sich warten lassen. Insbesondere der Wissenschaftsrat Japans hat im August seine «starke Besorgnis über eine solche Richtlinie für die Zukunft der Geistes- und Sozialwissenschaften» zum Ausdruck gebracht. Die prestigeträchtigsten Universitäten Japans, diejenigen von Tokio und Kyoto, haben erklärt, dass sie sich diesen staatlichen Direktiven nicht unterziehen werden.
Gewisse Beobachter in Japan befürchten jedoch, dass über finanziellen Druck die widerspenstigen Universitäten dazu gebracht werden könnten, sich dieser Politik zu unterziehen. Die Forderung des Bildungsministers entspricht der Sicht des Premierministers Shinzo Abe. Er ist der Meinung, dass «die Bildung sich den Bedürfnissen der Gesellschaft anpassen muss». In einem Vortrag bei der OECD 2014 hatte er erklärt, dass «wir anstelle der hochtheoretischen universitären Forschungen eher eine technische und professionelle Bildung fördern wollen, die auf die Bedürfnisse der Gesellschaft zugeschnitten ist».    •

Quelle: Zusammenfassung einer Meldung, erschienen in «Le Monde» vom 17.9.2015