Leserbriefe

Schulen erleiden ein chronisches Reformfieber

Seit Jahren muss sich unser eigentlich gutes Schulwesen immer häufiger mit neuen Reformen auseinandersetzen, die zuweilen auf Ideologien verschiedenster Art beruhen. Im vorgesehenen Lehrplan 21 heisst das Zauberwort «Kompetenzorientierung». Neue Lernformen und eine neue Lernkultur sollen gefördert werden und Eingang finden. Dazu gehört unter anderem das «selbstgesteuerte» und «individuelle» Lernen, wobei jeder Schüler einen eigenen Lehrplan haben und vorwiegend auf sich allein gestützt arbeiten soll. Der Klassen- und Frontalunterricht soll verschwinden, und der Lehrer soll sich aus dem Lerngeschehen weitgehend zurückziehen und vor allem «Lernbegleiter» und «Coach» sein, der auch «Lernlandschaften» schafft. Es ist anzunehmen, dass es für den neuen «Lehrplan 21» – etwas beeinflusst von der «Genderideologie» – und seine «Kompetenzlawine» schwierig werden wird, die «schweizerische Schullandschaft» harmonisierend zu überrollen. Es scheint, dass unsere Schulen weiterhin ein chronisches Reformfieber zu erleiden haben, das auch global beeinflusst wird.

Karl Frey, Olten

Rechnen lernt man anders!

Neu werden die Kinder in der Schule angeleitet, betrügen zu lernen. Unser Sohn brachte von der Schule Arbeitsblätter von Vivian Mohr «Kriminell gut rechnen» nach Hause. «Kriminell gut rechnen» ist ein Lehrmittel, um mathematische Kompetenzen zu trainieren. Die Aufgabe bestand darin, die Geschichte einer coolen Jugendbande zu lesen, die ziemlich viel Blödsinn macht. Unter anderem betrügen sie ihre Mitschüler, was eine andere Kinderbande durch eigene Recherche herausfindet. Im Anschluss an die Geschichte lautete die Mathematikaufgabe: «Wie hätte die coole Jugendbande betrügen können, ohne dass die Krimibande es sofort gemerkt hätte?!»
Die Arbeitsblätter haben nichts mehr mit Mathematik zu tun. Keine der darin enthaltenen Aufgaben konnte rechnerisch gelöst werden. Mit Rechenkompetenzen sollen unsere Kinder betrügen lernen! Kompetenz­orientierter Unterricht, so wie es der Lehrplan 21 vorsieht, enthält keine Wert­orientierung. Da Kompetenzen nur funktional sind, sind sie ethisch neutral. Dazu der Bildungsexperte Prof. Dr. Jochen Krautz: «Kompetenz­orientierung vernachlässigt die Inhalte. Die Inhalte werden zweitrangig. Sie haben keinen Wert an sich, sondern dienen nur als Mittel zur Zielerreichung. Denn mit welchem Inhalt man eine Fähigkeit erreicht, ist grundsätzlich gleichgültig: Für das Trainieren von ‹Lesekompetenz› ist es unwesentlich, ob dazu ein Goethe-Gedicht oder die Bedienungsanleitung für ein Smartphone dient. Funktional für ‹Lesekompetenz› ist beides. Bildender Unterricht ist aber davon ausgegangen, dass man Lesen lernt, um bildende Gehalte der Literatur erschliessen zu können.» Wollen wir wirklich einen Unterricht an unseren Schulen, in der es nicht mehr um den Inhalt geht? Damit unsere Kinder zu kritisch selbstständig denkenden Menschen werden, brauchen sie eine umfassende Bildung, und da sind die Inhalte eben wesentlich.

Gabriella Hunziker, Mühlrüti

Scheinheiligkeit

Die heutige Migrationssituation im EU-Raum wurde just von jenen Kreisen bewirkt, die sich nun als «Retter» aufspielen.
Da ist zuerst die Nato, ein Angriffsbündnis, das in Afghanistan, im Irak, in Libyen und Syrien ein Chaos bewirkt hat, das die jetzige Überflutung mit Migranten auslöste.
Viele EU-Staaten sind also selber für die heutige Misere verantwortlich.
Die Grossindustrie freut sich über die so gewonnenen billigen Arbeitskräfte und wird über Dumping und Schwarzarbeit das heutige Arbeiterproletariat in der EU unterbieten und die Mittelklassen weiter schwächen, was erhebliche soziale Konflikte bewirken wird.
Die Steigerung der Attraktivität des EU-Raumes für Asylanten wird dabei von den Medien und den achso solidarischen Linksparteien derart gesteigert, dass immer mehr Asylanten den gefährlichen Weg übers Meer wagen und elendiglich ertrinken.
Was nützen da Tränen? Was nützt es, sich als Gutmensch in Szene zu setzen und die Fakten unter den Tisch zu wischen?
Mit Selbstgerechtigkeit und Gefühlsduselei lässt sich keine verantwortungsvolle ­Politik betreiben. Was es braucht, ist ein unerbittliches Vorgehen gegen die Schlepper, die Schaffung von EU-Auffangslagern in den Nachbargebieten der Konfliktherde und ein Ende des post-kolonialen Verhaltens der Nato und der Angelsachsen in Afrika und im Nahen Osten.

Nationalrat Oskar Freysinger, Savièse