Nachruf

Mit Hermann Suter (18. Dezember 1940 bis 3. Juli 2015) und Franz Betschon (29. November 1941 bis 27. August 2015) hat die Schweiz zwei Persönlichkeiten verloren, die sich mit ganzem Herzen für die Grundwerte des Landes eingesetzt haben. Beide waren Persönlichkeiten, die einem Abbau des Schweizer Militärs äusserst kritisch gegenüberstanden und versuchten, mit allen demokratischen Mitteln gegen diesen Kahlschlag anzukämpfen. Sie gründeten gemeinsam die Gruppe Giardino, ein Verband von ehemaligen und aktiven Militärs, die dem Treiben in der Politik nicht länger tatenlos zuschauen wollten. Ziel der Gruppe Giardino ist es, eine Armee zu fordern, die ihrem Namen gerecht wird und den Verfassungsauftrag, nämlich Schutz und Verteidigung von Land und Leuten zu gewährleisten, erfüllen kann. Dabei muss sich die Schweiz auf sich selbst verlassen und darf sich auf keinen Fall einem Bündnis anschliessen.

Bei ihrem Engagement machten sie sich nicht nur Freunde, und so waren es vor allem die Armeeabschaffer, die Hermann Suter und Franz Betschon auch mit unlauteren Methoden und Zeitgeist getränkten Argumenten zusetzten. Nichtsdestotrotz ist es auch dank ihrem Einsatz gelungen, die Waffeninitiative abzulehnen, die verlangt hätte, dass der Wehrmann oder die Wehrfrau ihre Waffe hätte im Zeughaus abgeben müssen. Durch den unermüdlichen Einsatz – nicht zuletzt auch durch die Gruppe Giardino – hat das Schweizer Stimmvolk dem Erhalt der Miliz­armee mit grosser Mehrheit zugestimmt. Damit waren in zwei wichtigen Armeefragen Mehrheiten in der Bevölkerung zustande gekommen, die eine Stärkung der Schweizer Verteidigungsfähigkeit bedeuteten.
Immer wieder machten beide Persönlichkeiten entweder in Büchern oder in Artikeln und Interviews auf die prekäre Lage der Schweizer Armee aufmerksam. Sie sahen im jahrelangen Abbau der Abwehrfähigkeit und der weltfremden Einstellung, dass ein Krieg in Europa gar nicht mehr möglich sei, eine der gröss­ten Gefahren für unser Land. Wo bleiben Neutralität und Souveränität der Schweiz, wenn wir nicht in der Lage sind, das Land gegen einen Aggressor zu verteidigen? Nach der allgemeinen Erkenntnis, dass ein Land immer eine Armee haben wird, entweder eine eigene oder eine fremde, war letzteres für sie unerträglich, weil sie als ehemalige Offiziere der Schweizer Armee genau wussten, was das für ein Land und die darin beheimateten Menschen bedeuten würde.

Sowohl Hermann Suter, promovierter Historiker, der sich als Rektor des Lehrerseminars in Luzern Jahrzehnte für eine gute und fundierte Schulbildung eingesetzt hatte, als auch Franz Betschon, promovierter ETH-Ingenieur, der in internationalen Firmen in vielen Teilen der Welt tätig war, waren echte Patrioten, die immer wieder auf die Gefahren der aktuellen geopolitischen Lage aufmerksam machten. Ihr grosses Anliegen war es, die jungen Leute für diese Problematik zu sensibilisieren, damit nachfolgende Generationen nicht für die Fehler von heute «bezahlen» müssen. Auf Podien oder in anderen Diskussionsrunden versuchten sie, die Menschen, auch die jungen, anzusprechen und an ihre Vernunft zu appellieren. Doch muss­ten sie feststellen, dass für die heutige Generation die Gefahr eines Krieges sehr weit weg liegt. Bis zuletzt unternahmen sie ihr Möglichstes, um nächsten Generationen ein böses Erwachen zu ersparen. Auch war die Miliz-Armee für sie eine der Grundfesten des Schweizer Staatsmodells, da sie letztlich auch identitätsstiftend ist und den Zusammenhalt des Landes über die Sprachgrenzen hinweg fördert.
Beide Persönlichkeiten sind viel zu früh gestorben und werden eine grosse Lücke hinterlassen. Es ist an uns, das Engagement für eine schlagkräftige Landesverteidigung weiterzuführen, damit die Schweiz wieder eine Armee besitzt, die der Forderung des Vorstehers des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, Ueli Maurer, gerecht wird: Die Schweizer Armee muss die beste Armee der Welt sein, die nur im äussersten Notfall zum Einsatz kommen wird, aber dann ihre Aufgabe wahrnehmen kann.

Thomas Kaiser