Einführung des Lehrplans 21 – in vielen Kantonen immer fraglicher

zf. Inzwischen wurden in 13 von 21 Kantonen Volksinitiativen gegen die geplante Einführung des Lehrplans 21 gestartet. Deutlich wird, dass dieser Widerstand keinem politischen Lager zuzuordnen ist, sondern über alle Parteien und Verbände hinweg zustande kommt. Eingereicht wurden Initiativen gegen den Lehrplan bereits im Aargau, in Schwyz, im Thurgau und in Zürich (vgl. untenstehende Medienmitteilungen). Im Kanton Basel-Land findet ohnehin eine Volksabstimmung auf Grund eines Kantonsratsentscheids statt. In St. Gallen muss zuerst über einen Austritt aus dem Harmos-Konkordat abgestimmt werden, bevor über den Lehrplan 21 bestimmt werden kann. In Schwyz wurde die Initiative für ungültig erklärt, da sie «gegen übergeordnetes Recht» verstosse. Doch das Schwyzer Initiativkomitee wird weitermachen (vgl. unten «Das Initiativkomitee macht weiter»).

Sonntagszeitung: «Diese Rechnung geht nicht auf»

Am 29. November berichtete die Sonntagszeitung ausführlich über eine Initiative von 20 namhaften Erziehungswissenschaftlern, Publizisten und Ärzten, die gegen den Lehrplan 21 Einspruch erheben. Zu dem rund 20 köpfigen Autorenteam der Broschüre «Einspruch!» gehören unter anderem neben dem Bieler Lehrer Alain Pichard auch die Basler Ständerätin Anita Fetz, die Erziehungswissenschaftler Walter Herzog und Roland Reichenbach, aber auch der Publizist Beat Kappler oder der Kinderarzt Remo Largo. Angestossen werden soll mit der Broschüre eine breitere Diskussion über den Lehrplan auch im linken Lager, unter anderem soll auch in bezug auf die mit dem Lehrplan einhergehende Benachteiligung von schwachen Schülern hingewiesen werden.

Fundierte Kritik

Die Kritik am Lehrplan ist inzwischen breit fundiert und lässt seine praktische Umsetzung mehr und mehr fraglich erscheinen. Sowohl von wissenschaftlicher Seite als auch von der praktischen Seite wurde wiederholt auf die gravierenden Defizite hingewiesen. Die geplante Einführung eines «Kompetenz»-orientierten Unterrichts bei gleichzeitiger Auflösung des Klassenunterrichts lässt einen weiteren Niveauverlust an den Schweizer Volksschulen bei gleichzeitigen Mehrausgaben auf Kantons- und Gemeindeebene wahrscheinlicher werden. (Zeit-Fragen hat immer wieder die Kritik am Lehrplan und die politischen Hintergründe thematisiert.)
Ein Lehrplan, der darauf baut, dass Eltern die Aufgaben der Schule zu Hause übernehmen – wie es heute schon zunehmend der Fall ist und mit dem Lehrplan 21 sein wird – benachteiligt eindeutig sozial schwache Familien, die ihren Kindern keine teuren Nachhilfestunden ermöglichen können oder akademisch nicht ausreichend vorgebildet sind. Besonders zu denken ist an berufstätige Eltern, besonders an Eltern, die Schichtarbeit leisten, Alleinerziehende oder Migranten. Der Lehrplan 21 lässt die soziale Seite von Schule aussen vor. Dieser Lehrplan ist meilenweit von einer «Volksschule» entfernt.
Mit bereits gescheiterten amerikanischen Bildungskonzepten (Kompetenzen) eine Schweizer Schule von morgen zu gestalten ist zum Scheitern verurteilt.    •

Die Broschüre «Einspruch!» ist zu beziehen bei ­E-Mail: arkadi(at)bluemail.ch