DEZA – langfristige und nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit

Die humanitäre Hilfe der Schweiz ist für die Menschen von enormer Wichtigkeit

von Thomas Kaiser

Auf der Jahresmedienkonferenz der DEZA, die am 27. Januar in Bern stattfand, gaben der neue Direktor Botschafter Manuel Sager, die stellvertretende Direktorin und Leiterin Regionale Zusammenarbeit Botschafterin Maya Tissafi sowie der Leiter der Humanitären Hilfe Schweiz Botschafter Manuel Bessler einen Einblick in die umfassenden Aufgaben der Entwicklungszusammenarbeit und einen Ausblick auf das Jahr 2015. Neben den bekannten und in den Medien immer wieder präsenten internationalen Krisenherden wie der Ukraine, dem Nahen Osten und Nordafrika leistet die DEZA in anderen Regionen der Welt meist unbeachtet von der Presseöffentlichkeit eine immense Arbeit. Natürlich sind das Flüchtlingselend und der Krieg in Syrien sowie die betroffene Umgebung auch im Fokus der DEZA, aber besonderes Augenmerk legt man hier seit Jahrzehnten auf die langfristige und nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit, auch wenn man in den Krisengebieten im Moment einen grossen Einsatz leistet.

Neutrales Land ohne «hidden agenda»

Direktor Manuel Sager bekräftigte in seinem Referat, dass er an die bewährte Arbeit der DEZA anknüpft. Neben internationalen Konferenzen, die dieses Jahr abgehalten werden (vgl. Interview mit Manuel Sager) und an denen die Schweiz ebenfalls beteiligt sein wird, legt die DEZA weiterhin den Schwerpunkt auf die Armutsbekämpfung in fragilen Kontexten. Das ist ein Engagement in Ländern, deren staatliche Strukturen weitestgehend zusammengebrochen sind. Weltweit spricht man von 40 fragilen Staaten, in denen ungefähr 1,5 Milliarden Menschen leben. Laut Manuel Sager hat die Schweiz ihre Mittel in fragilen Ländern und Regionen um 20 Prozent erhöht. «Unsere Mittel werden für die Bekämpfung der Konfliktursachen, die Stärkung der Zivilgesellschaft, die Achtung der Menschenrechte und Förderung der verantwortungsvollen Regierungsführung sowie die humanitäre Hilfe eingesetzt.» Die Schweiz als neutrales Land ohne «hidden agenda» kann in Konfliktsituationen noch Hilfe leisten, wenn es anderen Staaten schon lange nicht mehr möglich ist.
Ein weiteres Wirkungsfeld der DEZA ist die Ost-Zusammenarbeit. Hierbei geht es um die Unterstützung der Staaten des Westbalkans und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten bei ihrer Entwicklung zu mehr Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, freier Marktwirtschaft und gerechter Verteilung des Wohlstandes. Nebenbei leistet die Schweiz in diesen Ländern einen wichtigen Beitrag zum Aufbau einer guten Wasserversorgung, aber auch im Bereich der Gesundheitsversorgung oder in der Gemeindeentwicklung konnte die DEZA Erfolge erzielen. «Aber», so Manuel Sager, «auch 25 Jahre nach der Öffnung der Mauer bleibt noch ein gutes Stück des Weges zurückzulegen.»

Erfolge der DEZA sind beachtlich

«Leider gibt es immer noch weltweit 600 Millionen Jugendliche», so die stellvertretende Direktorin der DEZA Maya Tissafi, «die über ungenügende Basiskenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen verfügen und sich deshalb kaum in Arbeitsprozesse eingeben können. Auch für sie ist Berufsbildung dringend nötig.» Mit diesen Worten machte sie auf ein Problem aufmerksam, das weltweit mehr Beachtung finden müsste. Über 200 Millionen Menschen sind laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeitslos, davon ein Drittel der jungen Erwachsenen zwischen 15 und 24 Jahren. Seit Jahrzehnten engagiert sich die DEZA im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit (vgl. Interview mit Maya Tissafi). In mehreren Ländern ist man daran, Berufsbildungsprojekte zu lancieren oder dort, wo sie auf Grund des Einsatzes der DEZA bereits bestehen, auszubauen und zu verbessern. Die Herausforderungen in diesem Bereich sind gross, und deren Bewältigung ist dringend geboten. Gerade die Schweiz, die mit ihrem dualen Bildungssystem, das Theorie und Praxis verbindet, zum einen eine niedrige Arbeitslosenrate unter den Jugendlichen erziele und zum andern der Jugend eine hervorragende Ausbildung bieten kann, ist prädestiniert, hier zu helfen und Unterstützung zu geben. Maya Tissafi macht darauf aufmerksam, dass bei allem Erfolg mit diesem System im eigenen Land es nie darum gehen kann, dieses den Zielländern einfach überzustülpen. «Das Konzept muss an den jeweiligen Kontext angepasst sein, weshalb eine enge Zusammenarbeit zwischen der DEZA, dem Partnerland, der Wirtschaft und den Jugendlichen zentral ist.» Die Erfolge der DEZA sind beachtlich. Zum Beispiel ist es in Nepal gelungen, mit dem 2007 gegründeten Employment Fund 90 000 junge Menschen auszubilden. Verschiedene Länder wie Albanien, Tunesien, Honduras, Bangladesch, Burkina Faso und weitere profitieren wie Nepal vom grossen Einsatz der DEZA. Insgesamt setzt die DEZA etwa 30 Berufsbildungsprojekte mit einem Gesamtbudget von 40 Millionen Franken um.

Humanitäre Hilfe dringender denn je

Die humanitäre Hilfe der Schweiz, ebenfalls eine starke Säule des humanitären Engagements, wird geleitet von Botschafter Manuel Bessler. Er zeichnete ein besorgniserregendes Bild über die Lage in den Krisenregionen. Katastrophen, sei es von Menschenhand oder natürlichen Ursprungs, haben in den letzten Jahren ständig zugenommen. Die Zahl der Flüchtlinge hat ein Ausmass erreicht, wie es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr der Fall gewesen ist.
Im Gegensatz zur Entwicklungszusammenarbeit ist die humanitäre Hilfe meistens etwas Kurzfristiges, wobei sich daraus auch ein langfristiges Engagement ergeben kann, wie das Beispiel von Haiti zeigt. «Besonders», so Botschafter Bessler, «beschäftigt die Humanitäre Hilfe Schweiz die menschliche Katastrophe in Syrien, die eine gigantische Dimension erreicht hat» (vgl. Interview mit Manuel Bessler). Die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht und der grösste Teil von ihr ist täglich auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Auswirkungen sind im gesamten Nahen Osten zu spüren. Syrien ist ein Staat, der zerfällt und von unterschiedlichen Mächten kontrolliert wird. «Es hat eine Region, die von der Regierung kontrolliert, eine Region, die von den Kurden kontrolliert, und eine grosse Region, die von der IS kontrolliert wird.» Die Realität, so wie sie Manuel Bessler zeichnete, ist verheerend, und dennoch ist er überzeugt, dass gerade in diesem totalen Desaster die humanitäre Hilfe für die Menschen von unersetzlicher Wichtigkeit ist. Aber man müsse auch sehen, dass es in solch einer Situation nicht möglich ist, mit humanitärer Anstrengung das politische Problem lösen zu wollen. Es bräuchte die humanitäre Hilfe dringender denn je, aber sie müsse begleitet werden von ernsthaften politischen Anstrengungen, die Krise lösen zu wollen. Daran besteht kein Zweifel. Die Menschen müssen an einer konstruktiven Lösung arbeiten, nur so kann weiteres Leid verhindert werden.     •