Wem nützt der Lehrplan 21?

mw. Inzwischen hat vermutlich jeder wache Bürger verstanden, warum wir dafür sorgen müssen, unserer Jugend eine Schulzeit mit dem Lehrplan 21 zu ersparen. Alleingelassen vor ihrem Bildschirm, mit einem Flickwerk von «Kompetenzen» ohne Inhalt, mit Pröbeln und Rätseln ohne klare Resultate und mit Computertests, ohne den Stoff verstanden zu haben, ohne eine solide Wissensgrundlage und vor allem ohne den inneren Halt einer Beziehung zu ihrem Lehrer und zu ihrer Klassengemeinschaft müssten sich unsere Kinder nach der Volksschulzeit dem rauhen Widerspruch der Realität stellen. Viele von ihnen scheitern schon heute auf Grund der vielerorts bereits konstruktivistisch durchtränkten Schulführung bzw. Schul-Nichtführung, wenn es darum geht, in einer Berufslehre oder in einer weiterführenden Schule ihren Mann oder ihre Frau zu stellen – mit dem Lehrplan 21 würde die Zahl der Schiffbrüchigen zweifellos steigen.

Wer trägt den Schaden …

Wem der Lehrplan 21 schadet, ist also klar: Den Hauptschaden müssten unsere Kinder und Jugendlichen tragen. Den Schaden hätten aber auch die Eltern, die sich heute schon jeden Tag mit ihren Kindern an die Hausaufgaben setzen müssen und ihnen bestenfalls helfen können, das Knäuel im Kopf zu entwirren. Nicht zu vergessen die jungen Lehrer, die in ihrer Ausbildung nicht mehr dazu angeleitet werden, einen der schönsten und erfüllendsten Berufe zu lernen, sondern nur noch Lernmanager sein sollen. Den Schaden trägt schliesslich – gerade in der Schweiz – das Gemeinwesen, in dem immer weniger vom Wissen und der emotionalen Verbundenheit her demokratisch gebildete Mitspieler aufwachsen. Und nicht zu vergessen: Die demokratische Kontrolle der Volksschule durch die vom Volk gewählte Schulpflege würde in allen Kantonen (in einigen ist das bereits der Fall) ersetzt durch «professionelle», von oben eingesetzte Kontrolleure, was zu unserem direktdemokratischen Gemeinwesen passt wie die Faust aufs Auge.
Dazu Professor Walter Herzog: «Es waren Expertinnen und Experten, die den Lehrplan 21 in stiller Arbeit ausgearbeitet haben, und es werden Expertinnen und Experten sein, die dessen Umsetzung überwachen und kontrollieren werden. Die Idee eines öffentlichen Schulwesens, das von den Bürgerinnen und Bürgern gewollt ist und demokratisch kontrolliert wird, scheint uns genauso abhanden zu kommen wie das Bild eines Lehrerberufs, der nur professionell ausgeübt werden kann, wenn er nicht nach politischem Belieben an die Kandare genommen wird.» («Kompetenzorientierung – eine Kritik am Lehrplan 21», Referat vom 7.1.2014)

… und wer hat den Nutzen?

Wenn wir diese horrenden Schäden betrachten, stellt sich uns die dringende Frage: Wem nützt denn der Lehrplan 21?
Zunächst einmal den Heerscharen von «Fachleuten», die im Auftrag der EDK jahrelang im stillen Kämmerlein Kompetenz an Kompetenz gereiht haben, den «Experten», die jetzt die passenden Computertestserien fabrizieren, den Statistikern, die sich auf die Evaluation der Testerei vorbereiten. Das allein erklärt die Sache aber noch nicht. Viele von diesen Leuten haben ohnehin ihren Job in der Verwaltung von Bund oder Kantonen – ob sie nun diese Büez machen oder eine andere, ist Hans was Heiri. Ganz anders sieht es aus für die von ausserhalb der staatlichen Verwaltung beigezogenen Professoren und Beratungsfirmen: Ihre Honorare müssen zusätzlich aus den Steuerkassen der Kantone bezahlt werden.
Wem aber nützt der Lehrplan 21 so viel, dass er sich die Sache keinesfalls entgehen lassen will? Diese Frage ist in unserer Welt der milliardenschweren globalisierten Gross­konzerne leicht zu beantworten: «Der Lehrplan 21 nützt all denen, die die Schule stärker kontrollieren und vermessen möchten, denjenigen, die Tests entwickeln und durchführen wollen, weil sie damit Geld verdienen. Messbarkeit per se bringt nichts. Die Sau wird ja auch nicht fetter, bloss weil man sie wiegt.» (Professor Walter Herzog, in «Das regulierte Schulkind», Beobachter vom 20.2.2015)
Den Nutzen werden also die Bertelsmänner und Co. haben: Ein zahlungsfähiges Land wie die Schweiz mit vielen tausend Schulen, denen man jedes Jahr die neuesten, extra auf den Lehrplan 21 zugeschnittenen Lehrmittel, vor allem in Form von Software, liefern kann … Und dann die ganzen Testserien samt den dazugehörigen Übungsserien und den mitgelieferten Test-Fachleuten für Hunderttausende von Schülern … Ein Bombengeschäft, das sich die globalisierte Bildungswelt keinesfalls entgehen lassen wird. Jürg Brühlmann, Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle beim LCH (Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer), spinnt den Faden weiter: «Es kann gut sein, dass der Lehrplan 21 damit der Privatisierung der Schweizer Schulen Vorschub leistet, weil es internationalen Anbietern ermöglicht, diese Dienstleistung zu übernehmen.» (Beobachter vom 20.2.2015) Es wird auch langsam Zeit, dass in der LCH-Geschäftsleitung einer zu merken beginnt, wohin das Äpfelchen rollt. Für dieses Geschäft wird sich doch der LCH sicher nicht einspannen lassen?! Und die sozialdemokratische Basler Ständerätin Anita Fetz bemerkt: «Kommt hinzu: Die ganze Übung ist teuer. Sehr teuer. Und das Geld fliesst in Beton, nicht in Bildung! In Basel etwa verschlingen die Schulhausumbauten mit mehreren hundert Millionen Franken derart viel Geld, dass der Kanton nur knapp der Schuldenbremse entkommt, aber auf Jahre hinaus keine grösseren Investitionen mehr tätigen kann.» (Die Zeit vom 23.10.2014)
Aha, für uns, die wir noch gelernt haben, 2 und 2 zusammenzuzählen, passt da einiges zusammen. Das Riesenexperiment Lehrplan 21 würde auf dem Buckel von ganzen Schülergenerationen ein Milliarden-Geschäft für die Produzenten von Lehrmitteln und Test-Software bringen. Übrigens auch für die Hardware-Firmen: Denn das ganze «selbstgesteuerte Lernen» und erst recht die Tests finden mehrheitlich am Computer statt – jedem Schulkind (samt den Kindergärtlern!) sein eigener Laptop. Für die Bauwirtschaft und viele Trend-Architekten geben die Lernlandschaften einiges zu verdienen.

Und welche Schule wollen wir Bürger?

Nur damit das Geschäft läuft, sollen wir die Schulen aus der Hand geben? Sicher nicht! Wir überlassen unsere Jugend doch nicht der Privatwirtschaft, wir lassen doch nicht zu, dass Bildungskonzerne aus dem In- und Ausland direkt auf die Schüler zugreifen mit Coaching und Testing und der digitalen Steuerung des Ganzen. Die gute Schweizer Volksschule, eine der wichtigsten öffentlichrechtlichen Institutionen, die in den Gemeinden und Kantonen verwurzelt ist, darf kein privatisierter Spielball der Geschäftemacher werden. Hier muss der Bürger vor die Haustür treten und schauen, was es gibt. Die Schulpflege, die bereits im einen oder anderen Kanton abgeschafft wurde, muss ihre Stellung als urdemokratische Behörde, die in den Gemeinden vom Volk gewählt wird, zurückerobern. Da sitzt der Handwerker neben dem Arzt, die Hausfrau und Mutter neben dem Bauern und Vater. Aufgabe der Schulpflege war es seit jeher, die Lehrer zu begleiten und zu unterstützen, niemals aber hatte sie den gesetzlichen Auftrag, jene zu überwachen. Wir Bürger werden doch nicht zuschauen, wie unsere Schulpflegen durch eine zentralistische Kontrollinstanz ersetzt werden, die losgelöst vom demokratischen Gefüge testet, evaluiert und Statistiken verwaltet.
Nun erst recht: Über den Lehrplan der Volksschule muss in den Kantonen das Volk bestimmen – und es wird mit gesundem Menschenverstand und demokratischem Gespür schon richtig entscheiden.     •

Tablets im Unterricht: So geht‘s, liebe Lehrer

In einer neuen Weiterbildung können Lehrpersonen lernen, wie man Tablets im Unterricht einsetzt. Der Lehrgang wurde von der Pädagogischen Hochschule (PH) Zürich entwickelt und wird von Samsung Electronics Schweiz finanziert.
Für einen innovativen Unterricht, der Schüler aktiviert, böten Tablets ein grosses ­Potential, schrieb die PH am Dienstag in einer Mitteilung. Allerdings würden diese Möglichkeiten noch nicht von allen Schulen und Lehrpersonen genutzt. Die neue Weiterbildung ist für Schulteams oder einzelne Lehrer und Lehrerinnen kostenlos.
In einer fünfteiligen Reihe erhalten sie Impulse und konkrete Unterrichtsideen, die sich an den Kompetenzen des Lehrplans 21 orientieren. Die Lehrer können die Lektionen zwischen den einzelnen Kursen in ihrer Schule auf Leihgeräten erproben.
Die Kurse richten sich an Deutschschweizer Schulen vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe I. Samsung übernimmt die Kosten für die Weiterbildungen und richtet an der PH Zürich zwei Kursräume mit der entsprechenden Infrastruktur ein.
Den Nutzen von mobilen Geräten sehen Experten vor allem beim kooperativen Lernen, etwa bei Gruppenarbeiten, und bei fächerübergreifenden Arbeiten. In einigen Pilotprojekten kommen Tablets bereits in Schweizer Schulen zum Einsatz, zum Beispiel in den Kantonen Aargau, Zürich und Solothurn – in einem Fall sogar in einem Kindergarten.
sda/mim vom 24.2.2015 

Unterschriftensammlung gegen Lehrplan 21 in St. Gallen erfolgreich

Der überparteiliche Verein Starke Volksschule St. Gallen hat am 27. März die Unterschriftensammlung «Ja zum HarmoS-Austritt» eingereicht. Mit 7017 Unterschriften wurden über 75 % mehr gesammelt als nötig.
Mit dem sehr guten Ergebnis haben die Stimmbürger im Kanton St. Gallen ein klares Zeichen für einen Richtungswechsel in der Bildungspolitik gesetzt. Offensichtlich bereitet es der Bevölkerung zunehmend Sorge, dass mit dem Lehrplan 21, der Kompetenz­orientierung, dem selbstorgansierten Lernen und dem Fremdsprachenkonzept das Bildungssystem weiter Schaden nimmt.
Die Aneinanderreihung von Pseudo-Fähigkeiten und Halbwissen, wie es im Lehrplan 21 verlangt wird, ergibt keine solide Bildung. Offensichtlich haben «Bildungsexperten» aus dem einfachen Auftrag einer vernünftigen Bildungsharmonisierung eine umfassende Bildungssteuerung und Ideologisierung für die Volksschule gemacht, ohne dazu vom Schweizervolk wirklich legitimiert worden zu sein.

Aus der Presseerklärung: Verein Starke Volksschule St. Gallen