Leserbrief 3

Panama

Wieder einmal mehr ist ein kleiner Blick in unser verabscheuungswürdiges Geldsystem ans Tageslicht gelangt.
Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Einige wenige Superreiche beherrschen und befehlen, wie’s auf dieser Welt zugehen soll. Ihnen gehören die Medien, und Politiker sind ihre Marionetten. Die Abfallberge werden immer grösser, die Natur wird immer mehr zurückgedrängt und zerstört. Die Meere sind an bestimmten Stellen schon Kloaken. Die Rüstungsindustrie explodiert. Und dies alles im Namen des Geldes, der Rendite, des Shareholdervalue, des uneingeschränkten Wirtschaftswachstums.
Wenn es in absehbarer Zeit nicht gelingt, ein menschenwürdiges Geldsystem zu installieren, dürften heute Geborene kaum eine Chance auf hundert Lebensjahre haben.
Es ist höchste Zeit, sich Leo Tolstois Erzählung «Wieviel Erde braucht der Mensch?» vorzunehmen und als Grundsatzdiskussion an erste Stelle zu setzen, ansonsten wird unsere Welt in nicht allzu ferner Zeit unbewohnbar sein, und wenn irgendein irrer Machthaber eine Atombombe zündet, dürfte es noch schneller gehen.
Diese Gedanken mögen allzu pessimistisch klingen. Wenn wir uns jedoch vergegenwärtigen, in welchem Masse sich unsere Welt in den letzten hundert Jahren und speziell seit dem Zweiten Weltkrieg verändert hat, und davon auszugehen ist, dass sie in Zukunft in noch schnellerem Tempo umgekrempelt wird, dann bleibt nicht mehr allzuviel Zeit, um unverzüglich auf die Bremse zu treten und eine Erde für Mensch, Tier, Natur und nicht fürs Goldene Kalb einzurichten.
Goethes «Zauberlehrling»: «Herr, die Not ist gross! Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.»

Oskar Meier, Bazenheid