Trump, Kandidat für den Frieden?

von Rainer Rupp

Die Anti-Trump-Kampagne kann kaum noch hysterischer werden. Cartoons rücken ihn in die Nähe von Hitler, ein General droht kaum verholen mit einem Putsch. Vernünftige Stimmen halten dagegen, zum Beispiel der bekannte US-Russland-Experte Stephen F. Cohen, Mitglied des einflussreichen US-Council on Foreign Relations, der in Trump einen Hoffnungsträger sieht, der den neuen Kalten Krieg in hochgefährlicher Situation beenden will. Zugleich bröckelt die öffentliche Unterstützung für die US-Kriege.

Donald Trump «ist ungeeignet dafür, Präsident zu sein», erklärte Präsident Obama am Dienstag dieser Woche auf einer Pressekonferenz im Weissen Haus nach einem Treffen mit Singapurs Premierminister Lee Hsien Loong. Die Republikaner im Kongress forderte er auf, ihren Präsidentschaftskandidaten zu desavouieren: «Sie [die Republikaner] müssen sich die Frage stellen, wenn man immer wieder in sehr starken Worten erklären muss, dass das, was er [Trump] gesagt hat, nicht akzeptabel ist, warum unterstützen sie ihn dann immer noch. Was sagt das über Ihre Partei aus, wenn Trump ihr Standartenträger ist?»
Tatsächlich nimmt die Hetzkampagne gegen Trump immer hysterischere Züge an. Die Anti-Trump-Kampagne der Medien ist an einem Punkt angelangt, dass selbst in Cartoon-Clips wie «The Simpsons» Propaganda für Hillary gemacht und Trump verteufelt wird. Da wird zum Beispiel Trump mit einem Buch mit dem Titel «Grosse Reden von A. Hitler» als Bettlektüre gezeigt. Derweil hat der reichste Mann der Welt und König des Klüngel-Kapitalismus Hillary versprochen, bis zum November alles zu tun, um ihr die Wähler an die Urnen zu treiben.
Geradezu atemberaubend ist auch die lange Liste der Kriegstreiber aus dem Establishment der Republikanischen Partei, darunter viele führende Neokonservative, die sich inzwischen öffentlich gegen den Kandidaten ihrer Partei, Donald Trump, gestellt und erklärt haben, dass sie ihre Stimme lieber Hillary Clinton geben werden.
Zugleich hat Ex-General John Allen der US-Marines, der ehemalige Oberkommandeur in Afghanistan, auch für die innere Stabilität der USA mit katastrophalen Zuständen gedroht, falls Trump zum Präsidenten gewählt würde. General Allen, dem vor einigen Jahren nur ein Skandal in letzter Minute die Beförderung zum Oberkommandeur Nato-Europa (SACEUR) verbaut hat, erklärte letzten Sonntag gegenüber dem US-Nachrichtensender ABC, dass die Wahl Trumps zum Präsidenten «eine zivil-militärische Krise auslösen würde, wie sie das Land bisher noch nicht gesehen hat».
Aber was bedeutet diese Warnung des passionierten Hillary-Unterstützers Allen wirklich, wenn er sagt, dass Trump als Präsident zum Zusammenbruch der Beziehungen zwischen der zivilen und militärischen Führung führen würde? Inzwischen hat sich sogar das US-Finanzportal «Zero Hedge» im Internet die berechtigte Frage gestellt, ob der US-General hier nicht mit einem Militärputsch gedroht hat?
Zum Glück gibt es unter den geo-strategischen US-Experten und auch unter den Politikern der republikanischen Partei nicht nur Kriegstreiber. So hat zum Beispiel ein ehemaliger Präsidentschaftskandidat der Republikaner, der libertäre Patrick Buchanan, am Dienstag in einem im Internet veröffentlichten Aufsatz Trump wegen seiner frischen Herangehensweise an die Rolle der Nato, die frei von ideologischen Vorstellungen aus dem Kalten Krieg ist, als Kandidat des Friedens gelobt.
Auch Stephen Cohen, der sowohl in den USA als auch international als Russland-Experte hoch angesehen ist, bezeichnet Trump als Garant des Friedens mit Russland und in Europa. Stephen F. Cohen, Professor emeritus für Russland-Studien an der NY-University und Princeton und zugleich Mitglied des einflussreichen US-Council on Foreign Relations, hatte letzten Samstag mit Smerconish von CNN über Donald Trump, Wladimir Putin und den neuen Kalten Krieg gesprochen.
Laut Cohen leisten die Medien dem amerikanischen Volk einen riesigen Bärendienst, indem sie die Substanz von Trumps Argumenten über die Nato und zu Russland einfach ignorieren und statt dessen die simplistische Schmutzkampagne Clintons verbreiten, dass Trump «ein russischer Agent» ist. Das müsse «unbedingt aufhören», so Cohen. «Wir nähern uns einem Punkt, der mit der kubanischen Raketenkrise und ihrer nuklearen Konfrontation mit Russland auf allen Ebenen vergleichbar ist. Und darüber gibt es in den amerikanischen Medien absolut keine Diskussion, keine Debatte.»
«Dann kommt ganz unerwartet Donald Trump vorbei», führt Cohen weiter aus: «Er sagt, dass er den neuen Kalten Krieg beenden und mit Russland auf verschiedenen Gebieten zusammenarbeiten will und – zum allgemeinen Erstaunen – sind die Medien voll mit Beschuldigungen, die man nur noch als neo-McCarthyistisch bezeichnen kann, dass er ein russischer Agent ist, dass er ein Manchurian Kandidat ist und dass er ein Geschäftskunde von Putin ist.» «Aktuell befinden wir uns in einem Jahr der Präsidentschaftswahl, wo eine Debatte stattfinden muss. Aber das bieten uns heute die Medien nicht.»
In bezug auf die angebliche «russische Bedrohung» in Osteuropa und dass Russland die Unabhängigkeit der baltischen Staaten beenden will, sagte Cohen: «Dafür gibt es keine Beweise. Absolut keine.» Weiter führt er aus: «Gehen wir zurück zu dem, was Trump über die Nato gesagt hat. Von Anfang an hat er gesagt, er wolle wissen, welche Mission die Nato – über 65 Jahre nach ihrer Gründung – heute noch hat. Hunderte von Politik-Experten haben in Washington seit dem Ende der Sowjetunion vor 25 Jahren die gleiche Frage gestellt. Ist die Nato eine Organisation auf der Suche nach einer Mission?»
«Das ist eine berechtigte Frage. Aber wir diskutieren sie nicht. Wir fragen nicht. Wir sagen nur, oh, Trump will die Nato verlassen.» Soweit Professor Cohen.
Aber wie haben die Wähler, das heisst das sogenannte «Mittelamerika», bisher auf den Vorwurf der Kriegstreiber in beiden Parteien reagiert, dass Trump die Sicherheitsarchitektur untergraben habe, welche in den letzten 65 Jahren den Frieden gesichert habe? Mittelamerika hat überhaupt nicht reagiert. Die Wähler sind weder entsetzt noch geschockt. Und was besagt das? Die öffentliche Unterstützung, das heisst das Fundament, auf dem Washington Dutzenden von Ländern in Europa, im Mittleren Osten und in Asien seit 1949 eine Kriegsgarantie gegeben hat, ist zusammengebrochen.    •

Quelle: https://deutsch.rt.com/meinung/39836-trump-kandidat-fur-frieden/ vom 5.8.2016