Leserbrief

Gott bewahre – Medien manipulieren doch nicht?

Wieso berichten im ganzen Kanton Zürich fast sämtliche Zeitungen trotz besseren Wissens nichts, aber auch gar nichts darüber, dass jene kantonale Volksinitiative, die eine Volksabstimmung zur Einführung des Lehrplans 21 im Kanton Zürich verlangt, mit mehr als der doppelten Anzahl benötigter Unterschriften kürzlich (27. November 2015) offiziell eingereicht worden ist? Statt dessen aber findet sich ausgerechnet am nächsten Tag (welch ein Zufall!) medial breit gestreut im ganzen Kanton ein völlig unkritischer, ja lapidarer, aber ausführlicher Bericht darüber, wie die Zürcher Bildungsbehörden in den nächsten Jahren den Lehrplan 21 kantonsweit einzuführen gedenken – komplett ungerührt und gänzlich kommentarlos auch von redaktioneller Seite, so wie wenn dieses bildungspolitische Vorhaben total unbestritten, völlig klar und längst entschieden wäre! Damit offenbart sich einmal mehr eine ungute, aber offensichtlich tendenziöse Art des medialen Umgangs mit unliebsamen Tatsachen. Oder konkreter ausgedrückt: Der Medienlobby als vierter Macht im Staat scheint ganz einfach diese Initiative nicht zu passen! Wie aber soll denn der Stimmbürger, der nun in absehbarer Zeit über die Einführung des Lehrplans 21 im Kanton Zürich befinden können sollte, sich eine sachbezogene und ausgewogene eigene Meinung bilden können, wenn ihn die Medien nur punktuell und erst noch einseitig mit Informationen versorgen? Ist das einer sich als seriös betrachtenden Presse würdig?
Man braucht also kein Hellseher zu sein: Die Kritiker des Lehrplans 21 können sich einer sachbezogenen, fairen Berichterstattung sowie anständigen medialen Behandlung leider nicht sicher sein und werden sich im Hinblick auf den kommenden Abstimmungskampf wohl warm anziehen müssen – es sei denn, die führenden Medienverantwortlichen besinnen sich eines Besseren, hat sich doch ganz neu just zum Beginn der Adventszeit zum beabsichtigten Lehrplan 21 im Land nun schweizweit eine prominente und breit aufgestellte, klar linkspolitisch engagierte Gegnerschaft erstmals zu Worte gemeldet und sich mit ihren kritischen Sachargumenten jetzt deutlich an die Seite der bisher alleinig opponierenden sogenannten «rechtskonservativen» Kreise gestellt (siehe SonntagsZeitung vom 29. November 2015). Man darf also gespannt sein auf die bevorstehende weitere mediale Behandlung des Themas.

Kurt Scherrer