Vom Rhein bis an die Wolga – mit «Pleinair»-Malerei die russische Landschaft und Seele erfassen

von Gerda Reuter und Cornelia Jung, Bonn

Auf Einladung des russischen Lewitan-Museums trafen sich 6 deutsche und 8 russische Landschaftsmalerinnen und Maler an der Wolga zum gemeinsamen Malen im Rahmen des Projektes «Grünes Rauschen». Die Autorinnen vertraten das Kunststudio der Universität Bonn (G.R.) und die Volkshochschule Bonn (C.J.).
Es ist doch wunderbar, in der Natur zu sitzen und wie Macke, Cezanne oder Monet ein Motiv auf die Leinwand zu bringen. Aber das bei 8°C und Regen? Das kühle Wetter hielt jedoch 8 russische und 6 deutsche Landschaftsmaler nicht davon ab, in Pljos an der Wolga vom 16.–30. September 2016 «pleinair» zu malen. Das stolze Ergebnis von etwa 100 Bildern wurde bei einer Vernissage im professionell ausgestatteten Kulturzentrum Pljos dem russischen Publikum präsentiert. Dieses begrüsste die Maler mit Neugier und Begeisterung. In der anschliessenden Ausstellung im Museum für Landschaftsmalerei in Pljos war ein Teil der Werke bis zum 14. Oktober zu sehen.
Die Maler waren der Einladung des russischen Kulturministeriums, des Lewitan-Museums, des Oblast Iwanowo und der Internationalen Stiftung «Russische Provinz» gefolgt, um in dem malerischen Städtchen Pljos an der Wolga die alte Tradition der Landschaftsmalerei zu leben. Maler und Dolmetscher waren in einem guten Hotel an der Wolga untergebracht. Alle Kosten, ausser Flug und Visum, übernahmen die Organisatoren zusammen mit weiteren Sponsoren wie zum Beispiel Metro. Dafür schenkten die Maler dem Lewitan-Museum je 2 Werke. Es ging den Organisatoren nicht nur um die Malerei, sondern auch um den kulturellen Austausch zwischen Russland und Deutschland. In den vorherigen Jahren waren Italien, Estland und Frankreich Malpartner.
Das zunächst regnerische Wetter konnte der guten Stimmung nichts anhaben, denn die schmackhafte russische Küche, die öfter mal angeheizte Sauna und die abendlichen geselligen Runden, bei denen bis in die Nacht gemalt und geplaudert wurde, entschädigten die Maler. Ausserdem standen kulturelle Veranstaltungen wie ein Konzert, Besichtigungen in der Umgebung und eine Wolga-Rundfahrt auf dem Programm.
Das Vorbild für russische Landschaftsmalerei ist Isaak Lewitan, der von 1860–1900 vorwiegend in Moskau und Pljos wirkte. Die russischen professionellen Kollegen malen in diesem Stil des russischen Realismus, der in Russland weiterhin einen hohen Stellenwert besitzt. Die russischen Kollegen leben nicht schlecht von ihrer Malerei und haben ihre Kunden bis China. Von deutscher Seite wurden auch expressionistische Elemente eingebracht.
Die russischen Organisatoren und Maler sind sehr daran interessiert, den Austausch mit Deutschland fortzusetzen. Eine Einladung sollte von offizieller deutscher Stelle kommen.     •

Isaak Lewitan Denkmal in Pljos (Bild C.J.)
Kirche in Pljos (Bild C.J.)