Veranstaltungen der Genossenschaft Zeit-Fragen an der Leipziger Buchmesse

Zeit-Fragen ist auch in diesem Jahr an der Leipziger Buchmesse vertreten. Der Stand befindet sich in Halle 4, Stand A107. Ausserdem lädt Zeit-Fragen im Rahmen von «Leipzig liest» zu 3 Veranstaltungen an der Messe und 3 Abendvorträgen mit Diskussion ein.

Eine gute Schule für unsere Kinder – auf das Menschenbild kommt es an

Referenten: Karl-Jürgen Müller (D), Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Josef Nyari (D), Urs Knoblauch (CH)
Viele aktuelle «Bildungsreformen» bauen auf einem falschen Menschenbild auf. Es ist ökonomistisch und konstruktivistisch. Dem entsprechen aktuelle Bildungsreformen mit ihrer Betonung des selbstgesteuerten Lernens schon in der Grundschule. Der Lehrer soll seine Aufgabe darauf reduzieren, nur noch als di­stanzierter Instrukteur, als beratender «Lernbegleiter» und als «Coach» tätig zu werden. Gemeinsames Lernen in einer Klassengemeinschaft wird von einer Lernform verdrängt, die sich «individualisierend» nennt. Dem steht eine Erziehung und Bildung gegenüber, die an die Klassiker der europäischen Erziehungs- und Bil­dungslehre anknüpft, von einem personalen Men­schenbild ausgeht und den Menschen als soziales Wesen sieht. Bildung ist ein Zusammenwirken im Sinne einer Ethik der sittlichen Vernunft, der sozialen Verbundenheit und des Gemeinwohls. Kinder und Ju­gendliche benötigen hiernach Erzieher und Lehrer, die sie in Beziehung an die Realität heranführen. ln der Schule geht das am besten, wenn das Kind und der Jugendliche in einer Klassengemeinschaft sein Mit- und Gemeinschaftsgefühl weiterentwickeln und vertiefen kann sowie mit seinen Klassenkameraden gemeinsam lernt.

Donnerstag, 17. März 2016, 19.30–21.30 Uhr
Bibliothek Wiederitzsch, Zur Schule 10 a, 04158 Leipzig (Nord)

Diese Veranstaltung wird wiederholt am:
Samstag, 19. März 2016, 10.00–11.30
CCL Bankettraum 1 (Messegelände)


Tüchtig fürs Leben erziehen. Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in sozialen Brennpunkten

Referenten: Moritz Nestor, Psychologe (CH); Wolfgang van Biezen, Dipl.-Heilpädagoge (CH)

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingswelle und des sich zuspitzenden Kriegsgeschehens zwischen Hindukusch und Afrika sowie dem sich verschärfenden sozialen Elend stehen Pfarrer, Gemeindehelfer, Missio­nare, Sozialarbeiter und andere gerade in vielen sozia­len Brennpunkten in Städten wie Leipzig vor immer schwereren Aufgaben: zerbrechende Ehen und Familien, im Stich gelassene, überforderte, alleinerziehende Mütter, heimatlose Kinder auf den Strassen, oft im frühen Alter sexualisiert, zunehmende Vereinzelung und Entsolidarisierung. Wegbrechen der Kirchen als geistige Heimat und Ort der Hoffnung auf soziale Gerechtigkeit, die zunehmende soziale Not, Arbeitslosigkeit, schwindende Bildungschancen an den öffentlichen Schulen, zunehmende Resignation – aber auch Wut und steigende öffentliche Gewalt, auch unter immer jüngeren Kindern. Dies und vieles mehr fordert nur zu oft, das Herz zu härten für die bittere Realität, aber auch, es weich zu halten für die Menschen, die Kinder, die Mütter und Väter – und nicht zuletzt die ins Land geholten Flüchtlinge, die alle auch einmal Hoffnung auf ein besseres Leben hatten. Wie menschliche Gemeinschaften aufbauen helfen, wo Kinder aus prekären Elternhäusern ein Stück menschliche Wärme und Heimat finden? Wie lässt sich doch Bildung vermitteln, um den Kleinen doch ein Stück weit bessere Chancen zu ermöglichen und doch etwas Hoffnung in ihnen zu legen?

Donnerstag, 17. März 2016, 19.30–21.30 Uhr
Die Brücke – Begegnungshaus Leipzig, Zollikofer Strasse 21, 04315 Leipzig (am Volkmarsdorfer Markt)


Lesen – ein Königsweg zur Gemütsbildung

Referent: Dr. Peter Küpfer (CH)

Lesen ist nicht nur eine elementare Kulturtechnik. Lesen schult das Vorstellungs- und Einfühlungsvermögen wie sonst kein anderes Medium. Insbesondere das Lesen menschlich ansprechender, literarisch ausgestalteter Texte ist gerade heute elementar. Kinder und Jugendliche, welche solche Texte lesen, erleben ein Stück Welt mit den Augen eines anderen Menschen. Im Unterschied zum Film, zu Videos, auch zu Comics ist das Sich-Versenken in eine textlich gestaltete Geschichte ein unverzichtbares Hirn- und Seelentraining. Denn jedes vorkommende Bild, jedes Ereignis, jede Gemütsbewegung muss von der Leserin und dem Leser nachvollzogen, imaginiert, ausgemalt und mitvollzogen werden. Die daraus resultierende Reifung des Einfühlungsvermögens ist nicht nur eine intellektuelle, sie ist auch eine emotionale Leistung. Wo dieses Elementartraining der eigenen Gemütsbildung gepflegt und geschult wird, finden wirkliches Verständnis, echte Toleranz anderen Menschen gegenüber einen günstigen Boden. Die Schule, die Eltern, auch die Grosseltern (!) und unsere Kulturöffentlichkeit sind gefordert.

Freitag, 18. März 2016, 12.00–12.30 Uhr
Literaturcafe, Halle 4, B 600


Genossenschaftsprinzip – sozialethische Grundlagen

Referenten: Dietmar Berger (D), Dr. Eva-Maria Föllmer-Mülller (CH), Dr. phil. René Roca (CH)

Die Referenten des heutigen Abends sind Dietmar Berger, ehemaliger Verbandspräsident des Mitteldeutschen Genossenschaftsverbandes, die Psycho­login Dr. Eva-Maria Föllmer-Müller sowie der Historiker Dr. phil. René Roca (Forschungsinstitut direkte Demokratie). Aus der Geschichte der Genossenschaften können wir wertvolle Schlüsse für die Gegenwart ziehen. Es liegt in der Tradition der Genossenschaftsbewegung, auf aktuelle gesellschafts- und wirtschaftspolitische Herausforderungen einzugehen und konstruktive Lösungsansätze zu entwickeln respektive umzusetzen. Das Genossenschaftsprinzip zeichnet sich durch ein hohes Mass an Mitgestaltung und Mitbestimmung aus; deshalb ist die Genossenschaft anderen Unternehmensformen oft vorzuziehen. Das genossenschaftliche Prinzip beinhaltet Grundwerte des menschlichen Zusammenlebens in Gleichwertigkeit und Freiheit und orientiert sich am Gemeinwohl. Genossenschaftliches Zusammenwirken ist eine Form menschlicher Lebensgestaltung in Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung, die sich in unterschiedlichen Formen an vielen Orten der Welt entwickelt hat. In unserer modernen Zeit kann der genossenschaftliche Grundgedanke neue Lösungsansätze aufzeigen, vor allem, wenn es um die Bereiche der Grundversorgung geht. Eine intakte – auf die lokalen/regionalen Bedürfnisse ausgerichtete – Grundversorgung der Bevölkerung ist Voraussetzung für das Gemeinwohl und kann im Rahmen einer Genossenschaft sehr erfolgversprechend aufgebaut und unterhalten werden.

Freitag, 18. März 2016, 19.30 Uhr
Rechtsanwälte Viehweger Hartmann & Partner, Chopinstrasse 9, 04103 Leipzig (Zentrum)


Wenn die Volkssouveränität wirklich eine Wahrheit werden soll. Schweizerische direkte Demokratie in Theorie und Praxis

Referent: Dr. phil. René Roca (CH)

Im Rahmen von «Leipzig liest» lädt die Wochenzeitung Zeit-Fragen aus der Schweiz zu einer interessanten Buchpräsentation ein. Der Historiker Dr. phil. René Roca (Forschungsinstitut direkte Demokratie, Schweiz) wird dabei sein Buch vorstellen. Es trägt den Titel «Wenn die Volkssouveränität wirklich eine Wahrheit werden soll» und untersucht die schweizerische direkte Demokratie in Theorie und Praxis. Anhand des Beispiels des Kantons Luzern zeigt der Autor auf, wie die direkte Demokratie in einem schwierigen politischen Prozess Bestandteil der kantonalen Verfassung wurde. Auch in weiteren Kantonen wurde die direkte Demokratie eingeführt. Schliesslich gelang es, diese ebenso auf der Bundesebene durchzusetzen. Die direkte Demokratie in der Schweiz ist heute wie in keinem anderen Land ein zentraler Bestandteil der politischen Kultur. Die Kenntnis ihrer Geschichte ist für die Identität der Schweizer Bürgerinnen und Bürger wichtig und wirkt als Modell für andere, interessierte Länder.

Sonntag, 20. März 2016, 11.00–11.30 Uhr
Forum Sach- und Fachbuch, Halle 3, Stand H 200