0,0 % Zinsen – die verdrängte Finanzkrise kommt zurück

von Prof. Eberhard Hamer

Beim Schwarzer-Peter-Spiel kommt es darauf an, nicht zum Schluss den Schwarzen Peter zu haben – beim grossen Währungs­poker kommt es nun darauf an, beim Zusammenbruch des Euro-Währungssystems nicht auf entwertetem Geld sitzenzubleiben.
Niemand betrügt zurzeit die Märkte mehr als die Italo-Clique um den Goldman-Sachs-Zocker Draghi: Nach der Satzung der EZB hat der Vorstand die Solidität der Euro-Währung zu garantieren, das heisst, die Währung nicht stärker auszudehnen als die Produktivität, also Geldwert und Güterwert in der Waage zu halten. Die EZB macht genau das Gegenteil:

  • Sie hat die Geldmenge hemmungslos ausgedehnt und gegenüber der Gütermenge multipliziert, also ein ungeheures Inflationspotential geschaffen, welches zurzeit nur künstlich gestaut wird.
  • Die EZB darf eigentlich weder die wachsenden Schulden der Staaten finanzieren noch die Zockerbanken – beides macht die Draghi-Clique seit einem Jahr mit 60 und jetzt künftig 80 Milliarden Euro monatlich mit wachsender Verschuldung, aber ohne konjunkturellen Erfolg. 1,74 Billionen Euro sind als Hilfen verteilt, als Schulden geblieben und ohne Wirkung durch den Ofen geschossen worden.
  • Dabei hat die EZB durch Nullzins die Sparer und Kapitalsammelstellen um jährlich mehr als 34 Milliarden Euro entreichert, betrogen und in Existenzschwierigkeiten gebracht, statt ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen, den Zins als Marktpreis für solides Geld zu pflegen.

Jetzt rächt sich, dass bei der Euro-Krise nach 2008 nicht die Krisengründe – hemmungslose Verschuldung und Spekulation – bekämpft worden sind, sondern mit Hilfe von Merkels Gesamtbürgschaft für alle Staaten Europas (ESM) der Irrweg wachsender Verschuldung der Pleitestaaten und Zockerbanken auf deutsche Kosten fortgesetzt werden konnte, die Probleme durch hemmungslose Geldmengenvermehrung eben in gleichem Masse nur verstärkt, statt begrenzt worden sind, wir also jetzt vor einem viel stärkeren Korrekturbedarf als 2008 stehen.
Wie beim Zauberlehrling kann die EZB nun aber nicht mehr ohne Währungsknall zurück. Die Zinsen kann sie nicht einmal um 1 % erhöhen, ohne dass damit überschuldete südeuropäische Länder illiquide würden – Staatsbankrott –, weil sie ihren Schuldenturm dann zu höheren Zinsen bedienen und teurere Schulden aufnehmen müssten, was sie nicht mehr können.
Die dem US-Finanzsyndikat untertane Draghi-Truppe darf aber nicht einmal ohne FED-Genehmigung die Zinsen in Europa erhöhen, weil dann die Euro-Währung für die Spekulanten eine höhere Rentabilität als der Dollar bekäme, massive Dollarabflüsse nach Europa einsetzen würden und damit das ebenfalls marode und überschuldete US-Dollar-Imperium zahlungsunfähig würde.
Normalerweise drückt sich eine durch hemmungslose Geldvermehrung geschaffene Überliquidität in Inflation aus. Dies jedoch verhindern die Bankenspekulanten auf Weisung der EZB, weil sie das mit Nullzins von der EZB aufgenommene Geld nicht in die Realwirtschaft, in Investition, in mehr Produktivität und in Arbeitsplätze lenken, sondern damit nahezu ausschliesslich den Schuldenhunger der Pleitestaaten wie zum Beispiel Griechenland bedienen, was wiederum für die Banken risikolos ist, weil nicht die Pleitestaaten allein, sondern durch den ESM auch Deutschland für alle diese Schulden die Haftung übernommen haben.
Seit die EZB monatlich 60, jetzt 80 Milliarden Euro in die Staatsverschuldung pumpt, wird damit nicht mehr Wirtschaftswachstum erzeugt, sondern nur mehr unproduktive mit Schulden finanzierte Umverteilung:

  • Mit Bürgschaftshilfe der soliden Staaten können sich die unsoliden europäischen Südländer weiterhin mit EZB-Euro aufgeblähte Staatsapparate und Sozialsysteme erlauben.
  • Die Zockerbanken brauchen sich nicht zu konsolidieren, sondern können mit kostenlosem EZB-Geld Börsen und Spekulationen weiter befeuern.
  • Selbst ehemals sparsame Länder haben nun Geld genug, die Armen der Welt als Dauersozialgäste einzuladen und sich Soziallastenansprüche auf Dauer aufzuladen, die nach Ende der EZB-Geldflut niemand mehr bezahlen kann.

Welche Alternativen hat die EZB jetzt noch?

Die EZB kann die Zinsen aus oben genannten Gründen nicht erhöhen, ohne Staats- und Bankenkonkurse zu riskieren.
Aber auch die Geldflutung kann sie nicht beenden, ohne wegen fehlender Staats-Anschlussfinanzierung Staatsinsolvenzen vor allem in den südeuropäischen Pleiteländern herbeizuführen.
Würde die EZB Negativzinsen einführen, würde sie nur das Staatsschuldenspiel und Bankenspekulationen weiter befeuern.
Die EZB hat den Point of no return überschritten, hat praktisch keinen Rückweg mehr, ohne einen Euro-Crash herbeizuführen.

Was wäre sonst möglich?

Die FED hat in gleicher Weise wie die EZB die Dollarvermehrung hemmungslos betrieben und damit nicht nur den US-Staat schuldenfinanziert, sondern auch Finanzblasen bei Immobilien, Derivaten und anderen. Platzt eine dieser Blasen, platzt der Dollar und damit auch der Euro, platzt das ganze westliche Währungskartenhaus. Dann haben wir eine Weltwirtschaftskrise, viel stärker als in den 30er Jahren.
Es könnte aber auch sein, dass die Draghi-Clique selbst eine Währungskorrektur vorbereitet: Das Drängen auf Abschaffung des Bargeldes könnte Vorbereitung einer Euro-Währungsreform sein. Wäre nämlich Bargeld abgeschafft und gäbe es dann nur noch Digitalwährung in den Computern der Banken, Firmen und Privatkonten, so wäre eine Abwertung oder eine totale Währungsreform allein durch Mausklick möglich, ohne neues Bargeld zu drucken oder münzen zu müssen, könnte also die Währungsreform in Sekundenschnelle durchgeführt werden.
Dies wäre zwar ebenfalls eine neue Umverteilung, weil die Geldwerte vernichtet und die Sachwerte noch vorhanden wären; die Staaten werden aber dann statt drakonischer eigener Staatsschrumpfung versuchen, die Sachwerte ihrer Bürger zu greifen, angeblich aus Gerechtigkeitsgründen, in Wirklichkeit aber nur, weil sie eigene drakonische Sparmassnahmen politisch nicht aushalten würden.
Wir sollten also die Nullzinsen der EZB als letzten Schuss eines untergehenden Kriegsschiffs verstehen und als Anzeichen, dass es höchste Zeit für uns zu handeln ist (aus Geld in Sachwerte).    •