Denkfabriken – die unsichtbare Macht

William F. Engdahl – Autokratische Strukturen gefährden Demokratien

rt. Eine kompakte Zusammenfassung internationaler Netzwerke und ihrer «Denkfabriken», die in die Politik eingreifen, bietet die Darstellung von William F. Engdahl, «Die Denkfabriken. Wie eine unsichtbare Macht Politik und Mainstream-Medien manipuliert». Engdahl ist ein ausgewiesener Experte im Bereich geopolitischer Analysen. Er analysiert unabhängig vom Mainstream und greift immer wieder umstrittene Themen wie zum Beispiel Gentechnik oder Währungspolitik auf.

In historisch-systematischer Weise analysiert Engdahl verschiedene Denkfabriken und die dahinterstehenden Akteure, die seit Jahrzehnten Entscheidungen über Krieg und Frieden massgeblich beeinflussen. In den vergangenen 20 Jahren sind die Publikationen und Belege über die Mechanismen und Zusammenschlüsse, mit denen weltweit wichtige ­politische Entscheide ausserhalb jeder demokratischen Legitimation von einer kleinen Elite gefällt werden, so zahlreich und überzeugend, dass eine öffentliche Debatte ins Rollen gekommen ist. Treffen der «Bilderberger», der «Trilateralen Kommission» oder auch der «Atlantikbrücke» wurden sowohl fortlaufend dokumentiert wie auch in ihren Auswirkungen kritisch ausgewertet, so dass eine objektive Darstellung möglich geworden ist. Auch die historische Entwicklung dieser Einrichtungen konnte inzwischen nachgearbeitet werden.

William Engdahl kommt das Verdienst zu, die aktuellen Vereinigungen und Stiftungen in ihrer Geschichte darzustellen. Ausgehend von den anglo-amerikanischen Machteliten haben sich ihre Vernetzungen bis heute Einfluss auf die aktuelle Politikgestaltung bewahrt. Eingehend werden auch Stiftungen beschrieben, durch die direkt in die Politik eingegriffen wird. Dabei werden auch solche Stiftungen analysiert, die sich vordergründig dem Umweltschutz verschrieben haben, real aber machtpolitische Ziele verfolgen (Aspen Institute). Engdahl beschreibt ausführlich verschiedene Einrichtungen und ihre Geldgeber, wie zum Beispiel das European Council on Foreign Relations, Chatham House, Center for a New American Security, German Marshall Fund, Atlantic Council, PNAC, RAND-Cooperation. Auch einzelne Personen wie George Soros, David Rockefeller, Zbigniew Brzezinski, aber auch aktuelle Politiker – auch europäische – werden von Engdahl in ihren Verflechtungen beschrieben. Engdahls Veröffentlichung impliziert die Forderung nach Transparenz und Demokratisierung dieser Einrichtungen. Gerade in Zeiten eines möglichen atomaren Overkills können Entscheidungen aus kleinen Geheimzirkeln, die weltweite Auswirkungen haben, nicht mehr toleriert werden.     •

Engdahl, William. Die Denkfabriken. Wie eine unsichtbare Macht Politik und Mainstream-Medien manipuliert. Kopp-Verlag. Rottenburg 2015. ISBN 978 3 86445 216 1