Selbst in Bayern können Schüler nicht mehr rechnen

Den Mathematiklehrern und -professoren, die den Brandbrief zum Mathematikunterricht und zur Kompetenzorientierung (Zeit-Fragen vom 9. Mai 2017 http://www.zeit-fragen.ch/de/ausgaben/2017/nr-11-9-mai-2017/mathematikunterricht-und-kompetenzorientierung-ein-offener-brief.html) verfasst haben, sei Dank. Endlich kommt auf den Tisch, was schon lange gärt!
Die Gründe, die in dem Brandbrief für die mangelhaften Mathematikkenntnisse der Studienanfänger angeführt werden, sind mangelnde Beherrschung von Rechentechniken, oberflächlich behandelter Stoff in der Mittelstufe des Gymnasiums und die Kompetenz­orientierung.
Einen Abbau der Mathematikkenntnisse kann man jedoch schon viel früher feststellen, nämlich in der Grundschule. Mit Einführung des Grundschullehrplans im Jahr 2000 in Bayern wurde der Zehnerübergang nicht mehr in geeigneter Weise vermittelt und geübt. Vielerorts durften die Schüler erst wochenlang selbst herausfinden, wie man zum Beispiel bei 6 + 6 über die 10 kommt, um dann schliesslich zu erfahren, dass nicht 6 + 3 + 3, sondern 6 + 4 + 2 die Lösung darstellt. Das kleine Einmaleins wurde nicht mehr auswendig gelernt, sondern abgeleitet: 5 x 5 ist 25, 6 x 5 ist 5 x 5 + 1 x 5. Wenn ein Schüler noch in der Mittelstufe mit solchen Rechenoperationen beschäftigt ist, muss er an Weitergehendem scheitern, da er nicht auf automatisierte Rechenoperationen zurückgreifen kann. Mit der Einführung des LehrplanPLUS in den Grundschulen (Herbst 2014) dürfte sich die Situation noch verschlechtert haben, weil die Kompetenzorientierung im Mittelpunkt steht und die Grundrechenarten dadurch noch weniger eingeübt und automatisiert werden.
Jetzt ist es an den Deutschlehrern und -professoren, einen ebensolchen Brandbrief zu verfassen, denn um die Deutschkenntnisse unserer Kinder und Jugendlichen ist es nicht besser bestellt!

Michaela Dittner-Nagel, Oberstudienrätin