«Nur durch Dialog kann auch Vertrauen wieder wachsen»

Aus den Begrüssungsansprachen der Aussenminister Sergej Lawrow und Sigmar Gabriel in Krasnodar

Aussenminister Sergej Lawrow:

«In der aktuellen Situation in Europa, wenn die Beziehungen zwischen unseren Ländern, offen gesagt, nicht gerade ihre besten Zeiten erleben, ist eine solche entpolitisierte Kooperation eine wichtige Hilfe für die Aufrechterhaltung einer vertrauens- und verständigungsvollen Atmosphäre  zwischen unseren Völkern und Ländern. […]
In letzter Zeit sind unsere Beziehungen konstruktiver und pragmatischer geworden. Der Dialog auf höchster Ebene wird vorangebracht. Am 2. Mai fanden in Sotschi die Verhandlungen des Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, und der Bundeskanzlerin Deutschlands, Angela Merkel, statt. Wir werden uns freuen, auch den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zu empfangen, dem die entsprechende Einladung überreicht worden ist. Auch  Kontakte auf dem parlamentarischen und ministerialen Niveau werden fortgesetzt, unter anderem zwischen unseren diplomatischen Diensten. Die  interministeriale hohe Arbeitsgruppe für Sicherheitsfragen nimmt ebenfalls ihre Aktivitäten in vollem Umfang wieder auf.
Wir begrüssen positive Trends im Handels- und Wirtschaftsbereich. Im ersten Vierteljahr hat unser Handelsumsatz um ein Drittel im Jahresvergleich zugelegt. Vom Interesse der deutschen Geschäftskreise am Ausbau ihrer Aktivitäten in Russ­land wurde schon während des jüngsten St. Petersburger internationalen Wirtschaftsforums viel gesprochen, an dem sich unsere deutschen Partner sehr aktiv beteiligten. Es werden weiterhin grosse gemeinsame Projekte umgesetzt, unsere gegenseitigen Investitionen werden immer grösser. Einen wichtigen Beitrag leistet dazu unsere interministeriale Arbeitsgruppe für strategische Kooperation im Wirtschafts- und Finanzbereich, deren nächste Sitzung bereits im Juli stattfindet.
Auch unser Zusammenwirken im kulturellen, humanitären, wissenschaftlich-technischen und historischen Bereich wird ausgebaut. Sehr akut sind und bleiben zivilgesellschaftliche Kontakte unter anderem im Rahmen solcher angesehenen Diskussionsforen wie dem Petersburger Dialog und der Potsdamer Begegnungen. Sehr erfolgreich ist das Kreuzjahr der Jugendaustausche verlaufen. […]
Im allgemeinen haben wir viele positive Beispiele für gemeinsame Aktivitäten. Auf ihrer Basis sollten wir wohl eine neue, einigende und zukunftsorientierte bilaterale Tagesordnung entwickeln, die von den Schwankungen der politischen Konjunktur unabhängig wäre; wir sollten wohl unsere Beziehungen so lenken, dass sie sich als strategische Partnerschaft zugunsten unserer Völker, Europas und der ganzen Welt entwickeln.»

Aussenminister Sigmar Gabriel:

«Es ist nicht das erste Mal, sondern es gibt schon eine gute Tradition, dass sich die Städte, die miteinander eine besondere Partnerschaft pflegen, treffen. Ich glaube, und darauf hat Sergej Lawrow gerade hingewiesen, dass wir gerade in solch schwierigen Zeiten solchen Austausch brauchen.Dass wir heute hier gemeinsam in Krasnodar diese Konferenz eröffnen und das deutsch-russische Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften einläuten, ist für mich aus zwei Gründen ein gutes Zeichen dafür, wie – trotz aller Schwierigkeiten, die es zwischen unseren Ländern und Europa und Russland gerade gibt – breit und belastbar die Beziehungen zwischen den Menschen, den Russen und Deutschen heute sind.[…] bei allen politischen Differenzen, die wir haben, ist es immer noch fast schon ein Wunder, dass trotz dem, was Deutsche in Ihrem Land getan haben, auch in Ihrer Stadt, die Russen immer wieder auf uns Deutsche zugegangen sind und freundschaftlich ihre Hand zu uns ausgestreckt haben. Im übrigen ist das nichts anderes als ein riesiger Vertrauensbeweis, denn man kann auch ganz anders reagieren, nach all dem, was Menschen in Russland erlebt haben. Deshalb glaube ich, dass wir die Besonderheit dieser Beziehungen, die gerade trotz dieser schlimmen Geschichte zwischen unseren Völkern möglich gewesen ist, dass wir die auch in besonderem Masse schätzen sollen. Sie ist in Wahrheit wirklich ein Schatz, den wir in den Händen halten, der uns übrigens von denjenigen übergeben wurde, die den Krieg noch selbst erlebt haben. Sie sind nämlich die ersten gewesen, die auf Deutschland zugegangen sind. Wir sind in meiner Generation schon eher die Erben dieses Schatzes. Um so mehr ist es unsere Verantwortung, diesen Schatz zu pflegen und nicht zu verspielen. […]Sergej Lawrow hat eben zu Recht darauf hingewiesen, dass trotz mancher Differenzen in der Politik und so gross sie auch sein mögen, wir gerade darauf, also [auf] den Kontakt der Zivilgesellschaften, nicht verzichten dürfen. Weil, je schwieriger es ist, auf der politischen Ebene voran zu kommen, desto wichtiger sind kommunale Beziehungen, Beziehungen zwischen Menschen auf beiden Seiten.Diese ‹Völkerverständigung von unten› wird sinnbildlich mit dem Treffen der Städte und Regionen hier in Krasnodar deutlich. […][N]ur durch Dialog kann auch Vertrauen wieder wachsen. Eines solchen Dialogs bedarf es auf vielen Ebenen: natürlich auf der Ebene der Staaten, der Regionen, der Kommunen, privater Organisationen und auch von Einzelpersonen. Diese Konferenz ermöglicht den Dialog insbesondere auf der regionalen und kommunalen Ebene.»    •

Quelle: www.mid.ru/de/foreign_policy/news/-/asset_publisher/cKNonkJE02Bw/content/id/2803570  vom 28.6.2017
www.deutsch-russisches-forum.de/portal/wp-content/uploads/2017/06/Rede-Sigmar-Gabriel.pdf 
vom 28.6.2017