Hände weg von Venezuela

Am 6. August wurde die Garnison Fuerte Paracamay der Bolivarianischen Armee angegriffen, in der Stadt Valencia im nördlichen Venezuela gelegen. Sich selbst bezeichneten die Angreifer als «militärisch-zivile» Gruppe; von der Regierung Maduro wurden sie als «paramilitärische Terroristengruppe»  eingeordnet. Der Vorgang gibt Aufschluss über die virulente Gefahr, dass verschiedene Teile der Opposition in dem südamerikanischen Land zu einem Putsch geführt werden. Man erinnere sich daran, wie zuvor Ende Juni in Caracas ein Helikopter gestohlen wurde von einem Deserteur der Polizei, der das Luftfahrzeug dazu verwendete, mit Granaten und Schüssen den Sitz des Höchsten Gerichts und des Innenministeriums anzugreifen, glücklicherweise ohne Opfer zu verursachen. Die Aktion vom 6. August in Valencia dagegen hinterliess eine Bilanz von zwei Toten unter den Angreifern und acht Festgenommenen, ebenso eine unbestimmte Zahl von Angreifern, denen die Flucht gelang.
Nach den aufregenden vorhergehenden Tagen, an denen die Regierung die Wahl einer verfassunggebenden Versammlung durchführte, den Dissidentenführer Leopoldo López ins Gefängnis zurückbrachte und nachher die Generalstaatsanwältin Luisa Ortega absetzte, scheint sich nun ein neuer und gefährlicher Weg aufzutun, der die Konfrontation zwischen der MUD (Mesa de Unidad Democrática, Bündnis der Oppositionsparteien) und der bolivarianischen Regierung entscheiden soll: Dazu gehören Versuche, die Streitkräfte zu spalten, die sich bisher loyal zu Maduro verhalten haben, und einen Teil von ihnen dazu zu bringen, einen Staatsstreich zu unternehmen. Das Bestreben, die politische Krise in Venezuela in eine derartige Richtung zu bringen, könnte jedoch in einen Bürgerkrieg münden und sogar zu einer Destabilisierung der Region in unvorhersehbarem Ausmass führen.
Man muss darauf hinweisen, dass die andauernde Einmischung von Washington und seinen Aliierten und die Bemühungen, die Regierung von Caracas schlechtzumachen und Partei für die Oppositionsgruppen zu ergreifen, weit davon  entfernt sind, zu einer friedlichen Lösung der scharfen ­Polarisierung beizutragen, die Venezuela erlebt. Sie fördern eine gewaltsame und nicht wünschenswerte Zukunft, in der das venezolanische Volk unendlich grösserem Leiden ausgesetzt wäre, als es heute schon erlebt.
Ebenso muss es erlaubt sein, an dieser Stelle daran zu erinnern, dass sich – bei allen Unterschieden – im Irak, in Libyen und teilweise in Syrien auf Grund der US-amerikanischen Besessenheit, von ihnen als feindlich betrachtete Regierungen zu zerstören, ein Machtvakuum und «Niemandsländer» gebildet haben, in denen sich schnell Barbarei, Chaos und Terrorismus ausbreiteten. Die Destabilisierung Venezuelas vom Ausland her könnte zu einem ähnlichen Szenario in Lateinamerika führen. Die Frage ist unvermeidlich, ob dies das Ziel der Regierungen – an erster Stelle derjenigen von Mexiko – ist, die das Weisse Haus in seinem Vorhaben begleiten, die bolivarianische Regierung zu isolieren, ihr die Legitimation abzusprechen und sie zu zerstören.
Folglich ist zu fordern, dass die auswärtigen staatlichen Akteure die Hände von dem drangsalierten südamerikanischen Land lassen, ihre Einmischungsirrwege aufgeben und sich an das Nicht-Einmischungsprinzip halten, denn sonst könnten die beteiligten Staaten der Region in nicht allzu ferner Zeit am eigenen Leib die unerwünschten Folgen eines sehr viel schwereren und  grösseren Konfliktes erleben, als ihn heute Venezuela erleidet. Für dessen Entstehung wären sie dann mitverantwortlich.    •

Quelle: http://www.jornada.unam.mx/2017/08/07/opinion/002a1edi  Editorial von «La Jornada», Mexiko vom 7.8.2017

(Übersetzung Zeit-Fragen)