Duale Berufsbildung – Erfolgsfaktor für den Wirtschaftsstandort und für die Jugend

mw. Als «Erfolgsfaktor» bezeichnet Pierre-Gabriel Bieri im Artikel auf Seite 8 das duale Schweizer Berufsbildungssystem. Dies trifft zweifellos zu, nicht nur aus der Sicht des Unternehmers, sondern in bezug auf das gesamte gesellschaftliche Gefüge und ganz besonders für die Persönlichkeitsentwicklung der einzelnen Jugendlichen, die eine Lehre absolvieren und erfolgreich abschliessen. Damit ist die grosse Mehrheit der jungen Menschen – gerade auch aus Migrantenfamilien – in der schwierigen Zeit des Erwachsenwerdens sozial gut eingebunden und begleitet. Und nicht zuletzt ist es der dualen Berufsbildung zu verdanken, dass die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz so niedrig ist.
In den letzten Jahren bleiben allerdings trotz des guten und vielfältigen Angebots und trotz des grossen Engagements der Ausbildner in den Betrieben viele Lehrstellen unbesetzt. P.-G. Bieri nennt als einen Grund dafür die Tendenz vieler Eltern und Lehrer, eine akademische Ausbildung als «besseren» Weg ins Berufsleben anzusehen. Sicher können die Unternehmungen und Berufsverbände hier mit aktiverer Information ein Stück weit Gegensteuer geben, wie der Autor fordert. Aber ein weiteres Problem mit schwerwiegenden Folgen muss angegangen werden: Wie er ebenfalls feststellt, bringen viele Jugendliche aus der Volksschule die notwendigen schulischen Grundlagen und oft auch die verlangte Arbeitshaltung nicht mehr mit. Hier müssen wir ansetzen, bei der Volksschule, und zwar rasch und gründlich: Denn die beklagten Mängel werden mit dem Lehrplan 21, der in den Deutschschweizer Kantonen zurzeit eingeführt wird, noch um ein Vielfaches zunehmen. Ausser wir Bürger, und gerade auch die Unternehmer, setzen der unguten Schulentwicklung einen energischen Stopp.
Eine bedeutende Rolle im dualen Berufsbildungssystem kommt den Lehrbetrieben zu. Nicht nur in den KMU, sondern auch in den meisten Schweizer Grossbetrieben gehört die duale Berufslehre selbstverständlich zur Unternehmenskultur. So auch bei der Firma STIHL, einem international tätigen Grosskonzern, der in Wil und Bronschhofen (Kanton St. Gallen) Motorsägen und andere motorbetriebene Geräte, vor allem für die Land- und Forstwirtschaft, herstellt. Ein Gespräch mit der Gruppenleiterin Berufsbildung, Jaqueline Brunner, gibt einen guten Einblick in die wertvolle Arbeit der Lehrbetriebe.