Auch in Deutschland wird Ackerland zum Spekulationsgut

ds. Die verfehlte EU-Landwirtschaftspolitik, die Förderung der Grossbetriebe – immer mehr Wachstum, Massenställe, Produktion für den Export – haben in ganz Europa dazu geführt, dass immer mehr Bauern ihre Höfe schliessen müssen. Selbst grosse Betriebe haben Schwierigkeiten zu überleben. Sie können dem Preisdruck, eine Folge der Überproduktion, nicht mehr standhalten.
Es wurden Hochleistungskühe gezüchtet, die in vollautomatischen Melkanlagen ständig mehr Milch abgeben sollen. Ohne Rücksicht auf das Wohl des Tieres. Und auf den Äckern wird in Überdosis Chemie eingesetzt – ohne Rücksicht auf die Natur. Die Folgen spüren auch die Verbraucher: Gülle, Abgase und Antibiotika schädigen Mensch und Umwelt.
Mit dem Verschwinden der bäuerlichen Landwirtschaft verwaisen viele Dörfer, sie sind in ihrer Existenz bedroht. Häuser stehen leer, Läden, Schulen und Arztpraxen schliessen. Ganze Landstriche werden entvölkert. Zugleich können die Städte die vielen Zuzügler nicht mehr aufnehmen. Wohnungsnot und überteuerte Mieten erwarten diejenigen, die in die Städte ziehen. Viele Dörfer sind bereits ausgestorben.

Und was geschieht mit dem Ackerland?

«Ackerland gehört schon lange nicht mehr nur den Bauern. Diese Flächen sind im Besitz von Finanzinvestoren, und die haben zur Landwirtschaft kaum eine Beziehung. Besonders im Osten Deutschlands haben nach der Wende Spekulanten und Konzerne riesige Flächen Ackerland als sichere Anlage und Spekulationsgut erkannt. Fast ein Drittel der Felder ist in Investorenhand. Die Besitzer lassen auf den grossen Flächen Monokultur betreiben, für den Export oder für Biogasanlagen, Lebensmittel nicht für den Teller, sondern als Energielieferant für den Tank oder Kraftwerke. Sogar chinesische Investoren haben sich in Deutschland schon eingekauft.
Dort entwickeln sich Strukturen, bei denen mitunter die Leute in einem Dorf gar nicht wissen, wer das Land bewirtschaftet. Da kommt zwei- bis dreimal im Jahr jemand, der mit Tiefladern die Maschinen bringt, die Arbeiten verrichtet und wieder wegfährt. Und der ganze Kulturbeitrag, den ja die bäuerliche Landwirtschaft auch zu bieten hat, findet nicht mehr statt.» (aus dem Film: Bis zur letzten Kuh. Warum viele Bauern aufgeben müssen. https://www.youtube.com/watch?v=45Mf8xy9hYM)    •