Hunger in Afrika – Aufruf zur besonnenen Spende

rt. Schon seit Monaten warnen internationale Hilfsorganisationen wie das UNHCR, FAO, Caritas oder HEKS vor einer drohenden Hungerkatastrophe in grossen Teilen Afrikas. Ausbleibende Regenfälle sowie «Bürgerkriege» führen zu einem Mangel an Lebensmitteln, der sich schon lange abzeichnete. Noch seien es «erst» Tausende im Südsudan. Doch bald könne ihre Zahl auf Hunderttausende, ja auf mehrere Millionen ansteigen. Auch im Nordosten Nigerias, in Somalia und im Jemen ist die Bevölkerung vom Hungertod bedroht. Die Vereinten Nationen sprechen von 5,6 Milliarden Dollar, die für Hilfsmassnahmen nötig seien.
Die Welt würde die Augen vor der Hungerkrise in Somalia verschliessen, sagte der Uno-Generalsekretär Antonio Guterres bei seinem Besuch in der somalischen Hauptstadt Mogadischu am 7. März.
Die Uno schätzt, dass mehr als sechs Millionen Somalier – die Hälfte der Landesbevölkerung – vom Hunger bedroht sind. Eine Krise bedroht aber nicht nur Somalia.
Ähnlich dramatisch sieht die Lage im Südsudan, in Nordostnigeria oder im Jemen aus. Das Leben von 20 Millionen Menschen ist laut der Uno in diesen vier Ländern gefährdet (vgl. «Neue Zürcher Zeitung» vom 7. März).

  • Im Südsudan bekriegen sich Regierungstruppen und Rebellen, die Bevölkerung hungert. Die Erdölvorkommen im Südsudan sind zum Zankapfel der Grossmächte und Konzerne geworden. In dieser Region herrschen deshalb seit Jahrzehnten kriegsähnliche Zustände.
  • Wer in Nigeria die sogenannte Gruppe «Boko Haram» unterstützt und finanziert, die für die Hungerkatastrophe im Land verantwortlich ist, bleibt offen. Auch hier geht es um Macht und Einfluss in einer sehr erdölreichen Region, und auch hier spielen nicht die Nigerianer die federführende Rolle.
  • Im Jemen, einem uralten Kulturland (vgl. Zeit-Fragen Nr. 27/28 vom 27.10.2015 [http://www.zeit-fragen.ch/de/ausgaben/2015/nr-2728-27-oktober-2015/der-jemen.html]), führt eine von Saudi-Arabien geleitete Militärkoalition einen unerbittlichen Krieg gegen die Zivilbevölkerung. Hilfsgüter werden nicht ins Land gelassen. Häfen, Strassen und Brücken, die für den Transport der Lebensmittellieferungen gebraucht würden, werden bombardiert. Dies unter den Augen und mit Billigung der westlichen Staaten.

Bei differenzierter Betrachtung stellt man fest, dass in den Ländern, die unter Hungerkatastrophen leiden oder sich kurz davor befinden, Interventionen ausländischer Konzerne oder anderer Staaten vorausgegangen waren und zu mangelhafter Regierungsführung oder überhaupt zu Krieg oder Bürgerkrieg geführt hatten. Längerfristige Lösungsmöglichkeiten für jedes einzelne dieser vom Hunger bedrohten Länder liegen vor und wären problemlos zu verwirklichen.

Heute sind wir aufgefordert, Überlebenshilfe zu leisten. Eine Möglichkeit von vielen ist über das Schweizerisches Rotes Kreuz SRK:
Postkonto 30-9700-0, Vermerk «Südsudan», IBAN CH97 0900 0000 3000 9700 0, Schweizerisches Rotes Kreuz, 3001 Bern
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Einem Ertrinkenden zu helfen ist ein menschlicher Reflex – sogar unter Gefährdung des eigenen Lebens. Könnte man doch selbst auch in eine ähnliche Situation geraten … Doch wie ist es, wenn der Ertrinkende 100 Meter flussaufwärts immer wieder ausgeraubt und von Neuem ins Wasser gestossen würde? Immer wieder treibt er, kurz vor dem Ertrinken, an uns vorbei. Natürlich helfen wir. Und doch stellt sich uns die Frage, wer stösst den armen Menschen ständig wieder ins Wasser, und wie können wir diesen Zustand beenden?    •