Was macht die Stärke eines Landes aus?

Aktuelle Überlegungen zu sozialpsychologischen Vorgängen

von Dr. Barbara Hug, Psychologin

Ein Maidan oder die farbigen Revolutionen wurden zu stehenden Begriffen für vorgebliche Volksaufstände, die zum Ziel hatten, die Regierung zu stürzen. Auch der arabische Frühling verlief nach dem Maidan-Drehbuch. Hintermänner und Drahtzieher stellten sich als schlecht kaschierte «Berater» aus den westlichen Geheimdiensten heraus. Dazu kamen die technologischen Ausrüstungen aus den Küchen jener Dienste. Die Story der Maidane hat noch kein Ende. Momentan wird er in Armenien versucht, Mazedonien ist noch unter Beschuss, einiges früher durfte die Türkei in den «Genuss» kommen, in Kirgistan wird ein Maidan erwartet, in Belarus und Russland schlug er fehl und so weiter. Die Liste ist lang, das Drehbuch erprobt, meist, aber nicht immer, führt es zum Erfolg, die Regierung muss gehen.
Inzwischen haben einige Länder gelernt, dass solche Unruhen weitgehend inszeniert sind, Russland hat ein gross angelegtes Antimaidan-Konzept entwickelt, das es zu studieren gilt.
Zu einem richtigen Maidan gehören auch die Heckenschützen oder Snipers. Sie tauchen aus dem Nichts auf, zielen auf beide Parteien des jeweiligen Chaos’, so zum Beispiel auf Ordnungskräfte wie auf Demonstranten. Der Einsatz der Snipers in der Ukraine ist zum Beispiel von Andrew Korybkov gut dokumentiert. Auch Nikolay Starikov, russischer Analyst und Historiker, widmet den Snipers in seinem Buch «Rouble Nationalization» ein ganzes Kapitel. Er warnt vor deren Unterschätzung, die durch ihr maskierte Rolle verursacht werde.
Welche Einschätzung bringt Starikov dem Leser nahe?
Er meint, inzwischen spielten die Snipers eine riesige Rolle: Sie wechseln die Regierungen aus, machen Revolutionen, verursachen Chaos und ökonomische Rückschläge. Können wir diese Dinge politische Katastrophen nennen? Nein, meint Starikov, das können wir nicht. Es sind Instrumente, mit denen Länder unter fremde Kontrolle gebracht werden. Wenn ein Land stark ist und keine gegenseitige Feindschaft in der Bevölkerung besteht, wie kann man dann diesem Land diktieren, was es zu tun hat? Dann gäbe es keinen Weg. Wenn man jedoch die Menschen in einem Land gegeneinander aufbringt, würde dieser Prozess leicht und «lustig» vor sich gehen. Ein geschwächtes und zerrissenes Land brauche externe Hilfe. Die externe Hilfe wird sich in externe Kontrolle verwandeln, bevor nur eine einzige Kugel aus dem Gewehr des Heckenschützen kommt. Und wenn sich die Menschen gegenseitig nicht töten wollen? Dann muss man sie mit Gewalt dazu bringen, dies zu tun. Als Beispiele für diese Vorgänge nennt Starikov Kirgistan 2010, Iran 2009, Thailand 2010, Rumänien 1989, Moskau 1993, weiter zurückliegend dann St. Petersburg 1917.
Ein Blick auf Frankreich zeigt, dass der Regierung de Gaulle die 1968er Unruhen genau dann «beschert» wurden, als er sich aus der Nato verabschiedet hatte und sich nicht mehr an das FED-System der Gelddruckmaschine halten wollte. Nach einem Jahr Druck auf de Gaulle durch die 68er – eigentliche Vorläufer des Maidan – musste er 1969 zurücktreten. Er starb 1970 an Herzversagen.
Anschläge, Tote, Unruhen, Chaos, Wut, Entsetzen, Spannungen, eine durch Medien aufgeheizte Bevölkerung – dies ergibt sozialpsychologische, emotionale Voraussetzungen, die es braucht, dass ein Land zunächst einmal unter Notstandsregime kommt.
Eine Frage sei erlaubt: Wird dies in Deutschland zurzeit herbeigeführt? Wer würde und wer wollte davon profitieren?    •