«Es braucht einen Aufschrei der Menschlichkeit»

Breite Verurteilung der Sterbehilfe für 17jährigen

mb. Die aktive Sterbehilfe an einem 17jährigen Jugendlichen in Belgien ruft breiten Protest und Entsetzen hervor. Grundlage ist ein Gesetz, wonach Belgien – weltweit einzigartig – die Altersbegrenzung für die aktive Tötung vollkommen aufgehoben hat – dies gegen den erbitterten Widerstand von Kirchen und Patientenverbänden in Belgien.

Katholische Kirche: Ethischer Dammbruch

Anlässlich der Tötung des 17jährigen Jugendlichen spricht Radio Vatikan von einem «ethischen Dammbruch». Kurienkardinal Elio Sgreccia: «Diese Entscheidung wendet sich nicht nur gegen die Empfindungen aller Religionen, die sämtlich ihre Stimme in Belgien erhoben haben, sondern auch gegen den menschlichen Instinkt, denn vor allem verletzlichen Minderjährigen muss mit Medikamenten und mit moralischem, psychologischem und spirituellem Beistand geholfen werden». Der Pöltner Bischof Klaus Küng nimmt ähnlich Stellung: «Liebe und Barmherzigkeit zeigen sich nie im Töten eines anderen Menschen, sondern in Zuwendung, Nähe und Umsorgung.» Er zitiert Kardinal Franz König, Menschen sollten «an der Hand eines anderen sterben, nicht durch die Hand eines anderen». Bischof Küng stellt fest, dass der Zustand einer Gesellschaft sich darin zeige, wie sie mit ihren verletzlichsten Mitgliedern umgeht. «Jeder Mensch ist einmalig», das Leben sei ein Geschenk, das eine bejahende Gesellschaft erfordere, «in der Raum für die Würde jedes einzelnen von uns ist, und in der keiner die Angst haben muss, morgen nicht mehr gewollt zu sein».

Stiftung Patientenschutz fordert EU--Regelungen gegen Euthanasie an Kindern

Auch der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, protestiert: «Die Tötung auf Verlangen von Kindern hat nichts mit würdigem Sterben zu tun. Damit verlässt der Beneluxstaat die menschenrechtlichen Standards der EU.» Er fordert eine deutsche Initiative gegen Regelungen wie in Belgien, nach der bereits Minderjährige mit aktiver Sterbehilfe getötet werden dürfen.

«Es geht an den Kern von Menschlichkeit an sich»

Laut «Welt» kritisiert auch die Unionsfraktion im Deutschen Bundestag die belgische Praxis scharf. Michael Brand, CDU: «Eine Gesellschaft, die im Ergebnis das Töten sogar der eigenen Kinder legalisiert, hätte Bankrott erklärt und wäre auf der kippenden Bahn, weil messbar der Wert des Lebens heruntergeschraubt wird und an die Stelle von Ausdauer, Mitleiden und Hilfe die Kapitulation und der Tod treten.» Es ginge laut Brand «an den Kern von Menschlichkeit an sich», wenn «Menschen die Lösung zunehmend in der Kapitulation sähen und statt menschlicher Hilfe die technische Assistenz zum Suizid setzen». Brand resümiert: «Diese Debatte um die Abwertung des Lebens und die Aufwertung von Tötung, hier im Namen der Selbstbestimmung sogar kleiner, unter gewaltigem Druck stehender Kinder, lässt mich grausen in Erwartung der nächsten Schritte, die da kommen für Ältere zur Last fallende und schwer depressive Menschen.» Es brauche «einen Aufschrei der Menschlichkeit». Gerade Deutschland habe «eine ganz besondere Verantwortung, solch unverantwortlichen Entscheidungen entgegenzutreten».

Österreichischer Weg als Alternative

Bischof Küng schlägt den Weg Österreichs in bezug auf Sterbebegleitung als vorbildhaft für ganz Europa vor. Hier baue man die Hospiz- und Palliativversorgung auf und verbessere sie. Der aktuelle belgische Fall zeige, wie wichtig dies gerade im Kinder- und Jugendbereich sei. Küng fordert, dass jeder individuelle oder gesellschaftliche Druck auf Menschen, sei es durch Gesetzgebung oder Beeinflussung durch Dritte, ausgeschlossen bleiben müsse.

Die verabscheuungswürdige Tötung des 17jährigen Jugendlichen verurteilen

Hippokratische Gesellschaft Schweiz

Es handelt sich um einen gravierenden Angriff auf die Menschenrechte, die christlich-europäischen Grundwerte und den Schutz des Lebens im Rechtsstaat.

Die diversen Mitteilungen über den ersten Fall der Tötung eines Minderjährigen, eines 17jährigen Jugendlichen in Belgien, der als «aktive (Kinder-)Euthanasie» gesetzlich legitimiert sein soll, sind zu Recht auf heftige Kritik und Verurteilung gestossen. Diese Tat bedeutet eine weitere Eskalation der vor allem in den westlichen Staaten betriebenen Kampagne zur zunehmenden Missachtung der Grund- und Menschenrechte. Sie widerspricht jeglicher Vorstellung von Mitmenschlichkeit.

Wir verweisen darauf, dass auch die Schweiz aktuell einer propagandistischen Bearbeitung mittels manipulativer Film- und anderer medialer Beiträge ausgesetzt ist, die eine weitere Akzeptanz der Beihilfe zum Suizid in der Schweiz anstreben. Man will den Staat aus der Pflicht nehmen, das Leben zu schützen. Dazu gehören die laufenden Bestrebungen, auch gesunde, lebensmüde Menschen «in den Tod begleiten» zu wollen, anstatt sie für ein sinnvolles Mit- und Weiterleben zu gewinnen.

Wir erinnern daran, dass das Schweizer Parlament 2001 die Initiative Cavalli zur Einführung der aktiven Patiententötung in der Schweiz mit deutlichem Mehr abgelehnt hat. Das Recht auf Leben und der Schutz des Lebens sind die verfassungsmässige Grundlage eines demokratischen Rechtsstaates. Der Staat hat die Pflicht, das Leben seiner Bürger zu schützen! Tut er das nicht mehr, sind Tür und Tor geöffnet für die Barbarei!

Quelle: Pressemitteilung Hippokratische Gesellschaft Schweiz, hgs.ch(at)gmx.ch vom 20.9.2016