Leserbriefe

 

De-Industrialisierung Europas

Es ist verständlich, dass sich die Fachphysiker zur Fukushima-Atomkatastrophe (Zeit-Fragen Nr. 20 vom 16. Mai) nicht äussern:

1.    Die Sicherheitslage der Atomkraftwerke war nach Fukushima exakt dieselbe wie vorher. Dazu stand alles Gesagte, Erforschte und Beschlossene fest. Von seiten der Physik gab es dazu absolut nichts Neues.
2.    Für Fachphysiker hätte nur eine Fachdiskussion einen Sinn, und die ist nach 1. überflüssig und wäre an die Öffentlichkeit sowieso kaum vermittelbar.
3.    Die Polit-Euphorie wollten die Physiker offensichtlich nicht mitmachen, bei der es von vornherein um Heuchelei geht, deren Wahrheit der De-Industrialisierung Europas, vor allem Deutschlands (siehe den US-Plan zur Verwandlung Deutschlands in einen reinen Agrarstaat!), die man auch durch Energieverknappung erreichen könnte, derzeit als politisch-unkorrekt ohnehin nicht realitätsbezogen diskutieren kann.

Dr. Hans Berger,
Chemiker und Molekularbiologe, Birsfelden

 

zf. Für die ehrliche und aufschlussreiche Stellungnahme von Dr. Berger möchten wir ihm herzlich danken.

Zu 1.:    Wenn die Sicherheitslage der AKWs schon vor Fukushima so prekär war, dass sie vom Netz genommen werden müssen, warum sind die Bürger unserer demokratischen Länder dann nicht vorher schon sachlich und ehrlich informiert worden?

Zu 2.:    Wenn das Fach Physik an Gymnasien, Fachhochschulen und Universitäten unterrichtet werden kann (immerhin ein naturwissenschaftliches Fach, das Substanz hat und nicht von Meinungen und Zeitgeist lebt wie Lyrik-Interpretationen bei den Phil-I-ern), dann müssen die wichtigsten Sachverhalte auch für die mündigen Bürger vermittelbar sein. Wir hätten heute ja auch die technischen Möglichkeiten, unsere Fernsehanstalten in Volkshochschulen mit Fernstudium umzuwandeln …

Zu 3.:    Vieles deutet auf Pläne in Richtung De-Industrialisierung, wie es von den Amerikanern nach dem 2. Weltkrieg intendiert war. In die gleiche Richtung arbeiten auch die Tiefenökologen (eine Gruppe, die Anfang der 60er Jahre als verdeckte US-Operation installiert wurde). Zur Gründer-Crew gehörten Arne Naess, Martin Heidegger mit seinem Kontaktnetz aus der Hitler-Zeit und das Haganah-Mitglied Hans Jonas. Eine kleine Einführung in diese Malthusianer-Gruppierung gibt Jean-Christophe Rufin im Nachwort zu «100 Stunden». Dass nun zusätzlich noch Kirchenvertreter mit einer Art «Nuklear-Theologie» aufwarten, macht die Sache nicht rationaler. Wenn Pläne bestehen, hinter die Auffassungen der Aufklärung zurückzugehen, dann hat der Bürger der Demokratie erst recht das Recht auf eine offene und ehrliche Debatte. Und dann darf die Fakultät der Physiker ebenso wie alle anderen Naturwissenschaften bei dieser «Ausmarchung» sich nicht absentieren.
    Jeder von uns muss in seinem Berufsfeld ganze Arbeit leisten und zuverlässig sein. Warum sollte uns das im politischen Bereich nicht auch gelingen?