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Nr.45/46 vom 18.11.2009 US-State Department plant «Twitter-Revolutionen»Wie Washington die Jugend und ihre Begeisterung für Elektronik nutzt, um Regime-Wechsel zu erzwingen, ohne dass man die Hand der CIA zu sehen bekommtvon Eva Golinger*Das US-State Department übernimmt die Schirmherrschaft über eine Veranstaltung zum Thema der Anwendung neuer Technologien für den Regimewechsel. Am 15. und 16. Oktober 2009 fand in Mexico City das zweite Gipfeltreffen der Allianz der Jugendbewegungen (AYM) statt. Unter der Schirmherrschaft des US-State Department kann der Anlass via Internet mit einer Rednerin de luxe rechnen – der Aussenministerin Hillary Clinton. Ausserdem wurden verschiedene «Delegierte» von der US-Diplomatie eingeladen, darunter Persönlichkeiten, die mit den Destabilisierungsbewegungen in Lateinamerika verbunden sind. Auf der Teilnehmerliste sind die Namen folgender Venezolaner zu finden: Yon Goicochea (von der Partei Primero Justicia), Rafael Delgado, Führer der Organisation Venezuela de Primera (eine Gruppe, die von Goicochea gegründet wurde), Geraldine Álvarez, ehemalige Studentenführerin. Sie ist jetzt Mitglied der Stiftung Futuro Presente, einer Organisation, die von Yon Goicochea mit finanzieller Unterstützung des US-amerikanischen Cato-Instituts gegründet wurde. Ebenfalls dabei sind Marc Wachtenheim von der Cuba Development Initiative (einem Projekt, das vom State Department und USAID über die Panamerikanische Entwicklungsstiftung PADF finanziert wird), Aryra Cedeño Proaño von der Vereinigung Jugendforum Guayaquil, einer ecuadorianischen Gruppierung, die von USAID finanziert wird, und Eduardo Ávila von Voces Bolivianas, einer Organisation, die von der US-Botschaft in Bolivien gefördert und über USAID finanziert wird. Insgesamt nahmen 43 Delegierte teil aus Ländern rund um den Globus, aus Sri Lanka, Indien, Kanada, Grossbritannien, Kolumbien, Peru, Brasilien, Libanon, Saudi-Arabien, Jamaika, Irland, der Türkei, Moldawien, Malaysia, den USA und Mexiko. Zentrum für «digitale Diplomatie»Nach ihrer Selbstdarstellung auf ihrer Homepage entstand die AYM im Jahr 2008, weil «auf der Weltbühne eine Reihe fast unbekannter, im allgemeinen junge Menschen [auftauchte], die die neuesten Technologien beherrschen und erstaunliche Dinge getan haben. Sie haben grosse Veränderungen auf der Welt bewirkt in Ländern wie Kolumbien, Iran und Moldawien, indem sie diese Technologien genutzt haben, um die Jugend in Bewegung zu setzen. Und das ist erst der Anfang gewesen.» Ihre Ziele? Oder Washingtons Ziele?Eine der ersten erfolgreichen Operationen der CIA in den 50er und 60er Jahren war die Gründung des Kongresses für kulturelle Freiheit in Europa, über den die Bereiche der Kunst, der Universitäten, der Intellektuellen und der sozialen Bewegungen imprägniert und dazu benutzt werden konnten, die Ausbreitung des Kommunismus zu verhindern. Dass die Kultur benutzt wurde, um die imperiale Agenda voranzutreiben, hörte nach dem Ende des kalten Krieges nicht auf. Während die Abhängigkeit von der Technologie wächst, wird dieser hochwirksame Mechanismus verfeinert und angewendet. Die Entwicklung neuer Technologien wie Facebook und Twitter wurde von CIA-Firmen wie In-Q-Tel, spezialisiert auf Datenschnüffeln, finanziert. Sie fungieren heute als Netzwerke zur Rekrutierung von «Agenten», die zur Verfügung stehen für die imperialen Interessen. Der potentielle Nutzen dieser Technologien für psychologische Operationen und Propaganda ist unbegrenzt. Ihre Stärke ist die Schnelligkeit der Verbreitung von Nachrichten und die weltweite Verbreitung. Obamas Wahlkampagne als Modell«Die Allianz der Jugendbewegungen (AYM) ist die Antwort auf dieses Bedürfnis. Es begann mit einem Gipfeltreffen im Dezember 2008, an dem das State Department zusammentraf mit MTV, Google, YouTube, Facebook, Howcast, AT&T, JetBlue, GenNext, Access360Media und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Columbia Universität, um die Bewegungen des 21. Jahrhunderts auszukundschaften und zu versammeln, um erstmals in der Geschichte mit ihnen einen Dialog über das Internet zu führen.» «Der Sprecher von Visible Technologies, Donald Tighe, gab bekannt, dass die CIA sie beauftragt habe, die sozialen Medien im Ausland zu überwachen und ein ‹Frühwarnsystem› zu installieren, um die CIA darüber zu informieren, ‹wie die Angelegenheiten, die von Interesse sind, international besprochen werden›.» Die Schöpfer der erfolgreichen «High-tech»-Kampagne von Obama vereinten sich mit den Washingtoner Agenturen, um eine perfekte Strategie zu entwerfen. Sie kombinierten zwei neuartige Kräfte in der Politik – die Jugend und die neuen Technologien. Heraus kam eine Kombination, die etwas ermöglichen sollte, was man der CIA jahrelang schwergemacht hatte: Regimewechsel in Ländern, die sich den Interessen der USA nicht untergeordnet hatten – ohne dass dabei Washingtons Hand im Spiel zu sehen war. *Eva Golinger ist venezolanische und amerikanische Rechtsanwältin und lebt in Caracas. Sie hat mehrere Bücher veröffentlicht. Auf Deutsch liegt vor: «Kreuzzug gegen Venezuela – Der Chávez-Code», 2006, ISBN 3-88975-132-6 Quelle: www.rebelion.org/noticia.php?id=93492 www.aporrea.org/ddhh/a88539.html Auch in der Schweiz möglich?gl. Auch in der Schweiz ist die kurzfristige Mobilisierung von Menschenansammlungen über Internet und Handy bereits mehrfach erprobt worden. Das «St. Galler Tagblatt» berichtete am 6. Oktober, dass am Nachmittag zuvor in der St. Galler Innenstadt 40 Menschen zusammentrafen, um Papierflieger in die Luft zu werfen. Diese Art von Ereignis nennt sich «Flashmob» und bezeichnet eine kurzfristig über Internet oder Handy organisierte «unterhaltsame» Aktion an einem öffentlichen Ort mit einer möglichst grossen Anzahl untereinander sich völlig fremder Menschen. CIA kauft Unternehmen, das Blogs, Twitter, YouTube und Amazon überwachtIn der Zeitschrift Wired ist nachzulesen, dass die CIA über ihre Investmentfirma In-Q-Tel die Firma Visible Technologies übernommen hat. Dieses Unternehmen überwacht täglich mehr als eine halbe Million Websites und überprüft mehr als eine Million Gespräche, Foren und Kommentare in verschiedenen Blogs, Online-Foren, Flickr, Youtube, Twitter und Amazon. Die Kunden von Visible Technologies erhalten in Echtzeit Informationen über das, was im Cyberspace gesagt und getan wird, auf der Basis von Schlüsselwörtern. Quellen: Eva Golinger in http://aporrea.org/tiburon/n144282.html und http://wired.com/dangerroom/2009/10/exclusive-us-spies-buy-stake-in-twitter-blog-monitoring-firm/ |