«Eine freie Presse gibt es im gegenwärtigen Zeitpunkt der
Weltgeschichte nicht»
John Swinton, der Altmeister des New Yorker Pressecorps, hielt anlässlich seiner Pensionierung die folgende Rede:
«Eine freie Presse gibt es nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Weltgeschichte. Sie wissen das, und ich weiss es. Nicht ein einziger unter Ihnen würde es wagen, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn Sie es täten, wüssten Sie im voraus, dass es nie im Druck erscheinen würde. Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, meine ehrlichen Auffassungen aus der Zeitung draussen zu halten, mit der ich verbunden bin. Andere von Ihnen erhalten ähnliche Saläre für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der so töricht wäre, ehrliche Überzeugungen zu schreiben, wäre auf der Strasse, um sich nach einem anderen Job umzusehen. Wenn ich zulassen würde, dass meine ehrlichen Meinungen in einer Ausgabe meiner Zeitungen erscheint, ginge es keine 24 Stunden und meine Berufstätigkeit wäre vorbei. Das Geschäft des Journalisten ist es, die Wahrheit zu zerstören, rundheraus zu lügen, zu verdrehen, zu verleumden, zu Füssen des Mammons zu kriechen und sein Land und sein Geschlecht für sein tägliches Brot zu verkaufen. Sie wissen es, und ich weiss es. Und was für eine Dummheit ist dieses Anstossen auf eine freie Presse? Wir sind die Hampelmänner, die tanzen, wenn sie an den Fäden ziehen. Unsere Fähigkeiten, unsere Möglichkeiten und unsere Leben sind alle das Eigentum anderer Leute. Wir sind intellektuelle Prostituierte.»
Ich verstehe, dass Sie essen müssen wie wir alle und deshalb Ihren Mund halten müssen. Sie sind Jude und ich auch. (Sephardisch.)
Der Wahrheit zuliebe biete ich Ihnen hier eine andere Seite der libyschen Geschichte. Stellen Sie sich ein Land vor, in dem es keine Elektrizitätsrechnung gibt, Elektrizität ist für alle seine Bürger kostenlos. Es gibt keinen Zins auf Darlehen, Banken sind in Staatsbesitz und Darlehen werden von Gesetzes wegen zu null Prozent Zins gewährt. Ein Zuhause zu haben wurde als Menschenrecht betrachtet. Alle Frischvermählten erhielten von der Regierung 50  000 US-Dollar, um sich ihre erste Wohnung zu kaufen und um ihnen zu helfen, eine Familie zu gründen. Bildung und medizinische Versorgung waren kostenlos. Vor Gaddafi konnten 25 Prozent der Bevölkerung lesen und schreiben. Heute liegt die Zahl bei 83 Prozent. Sollten Libyer mit Landwirtschaft beginnen wollen, würden sie Land, ein Bauernhaus, Geräte, Saatgut und Viehbestand erhalten, völlig unentgeltlich. Wenn Bürger die Bildungs- oder medizinischen Einrichtungen nicht finden könnten, die sie brauchten, würde ihnen die Regierung finanzieren, ins Ausland zu gehen, unentgeltlich, und sie würden etwa 2300 US-Dollar pro Monat für Unterkunft und Fahrzeugpauschale erhalten. Autos wären von der Regierung bis zur Höhe von 50 Prozent subventioniert. Der Benzinpreis betrüge 0,14 Dollar pro Liter. Das Land hätte keine Auslandsschulden und seine Reserven würden sich auf 170 Milliarden Dollar, nun weltweit eingefroren, und auf etwa 27 Tonnen Gold belaufen, die das neue Regime sicher aufbewahrt in der Nationalbank vorfand. Jeder, der einen Abschluss hätte, aber keine Arbeit finden könnte, würde das Durchschnittssalär für den Beruf erhalten, als wäre er oder sie angestellt, bis sich ein Arbeitsplatz fände. Ein Teil der Ölverkäufe würde einmal im Jahr auf das Bankkonto jedes Bürgers gutgeschrieben. Eine Mutter, die ein Kind geboren hatte, erhielt sofort etwa 5000 Dollar. Vierzig Laibe Brot kosteten 0,15 Dollar. 25 Prozent der Bürger besitzen einen Hochschulabschluss. Ein gewaltiges Projekt, das Wasser von den wasserführenden Schichten im Süden heranführt, machte es im ganzen Land verfügbar, gratis.
Das ist das, was der «Tyrann» Gaddafi seinem Volk brachte. Es gibt in Libyen etwa 150 Stämme, und es bedurfte einer starken Hand, um das Land zusammenzuhalten. Jeder Bürger besass eine militärische Waffe. Gaddafi hatte keine Angst vor seinem eigenen Volk. Die sogenannten Rebellen, welche die Macht übernahmen, wie man uns sagt, hätten sich nicht einmal ein paar Tage halten können ohne die Luftmacht der Nato, ohne die britischen und französischen Kommandos und Tausende von Söldnern. Das sind die Sieger.
Nun ist ein weiterer Karzai in Tripolis installiert worden, und das Land kann von den Siegern nach Lust und Laune geplündert werden. Für die Förderung libyschen Öls kostet der Aufwand einen Dollar pro Barrel, der heutige Verkaufspreis liegt bei über 100 Dollar. Das französische Unternehmen Total hat bereits 30 Prozent der staatlichen libyschen Ölgesellschaft an sich gerissen. BP beginnt mit der Erschliessung. Und natürlich werden gewaltige Verträge für den Wiederaufbau Libyens an europäische und US-Firmen vergeben werden. Vom Staatsvermögen von 170 Milliarden sind nur etwa 1,2 Milliarden herausgegeben worden. Angesichts des Zustandes der europäischen Wirtschaft zweifle ich sehr daran, dass Libyen den Rest in absehbarer Zukunft erhalten wird. Nun, wie Sie sagen, ist Libyen frei, aber wie Janis Joplin zu sagen pflegte … ist Freiheit einfach ein anderes Wort dafür, dass man nichts weiter zu verlieren hat [freedom’s just another word for nothing left to loose], wie Libyer feststellen, die vor den Türen ihrer Banken Schlange stehen, um Geldmittel zu bekommen. Gaddafi ist weg und die Vergünstigungen ebenfalls. Was bleiben wird, ist ein grausamer Bürgerkrieg. Der Preis der Demokratie!
«Es ist der fröhliche Wackeltanz, den Amerikaner aufführen – USA! USA! –, wenn ihre Regierung jemanden illegal niedermetzelt. Es ist primitiv, aber es ist absolut libysch.» Falsch. Es ist absolut amerikanisch! Ich sah gerade einen Film über die Ausbildung der US-Armee, bevor sie in den Irak ging. Soldaten, die herumrennen und dabei singen: «Tötet die Frauen. Tötet die Kinder!» Dann zeigt man uns die Folgen, wenn Zivilisten von diesen Tapferen niedergeschossen werden. Alles gefilmt. Wenn sie nach Hause zurückkommen und realisieren, was sie getan haben, begehen sie eben Selbstmord! Das sind die gewöhnlichen Sonntagssoldaten mit ihren Familien.
Wir können die Wahrheit mit Gefängnisstrafen wegstecken, aber die Wahrheit wird schliesslich zum Vorschein kommen; und zu unserem Pech können wir den Damm dann nicht noch länger stopfen.    •
Quelle: http://drnikisahak.blogspot.com/2011/12/man-who-came-to-dinner-or-fck-you.html 
(Übersetzung Zeit-Fragen)