Romandie treibt Schweizer Aufschwung an

Romandie treibt Schweizer Aufschwung an

von Pierre-Gabriel Bieri, Centre Patronal, Lausanne

Die Romandie profitiert im schweizweiten Vergleich überdurchschnittlich vom wirtschaftlichen Aufschwung und bewegt sich damit unter den leistungsstärksten Regionen Westeuropas. Die Bundespolitik ist gefordert, dieser Entwicklung Rechnung zu tragen.
Die Westschweizer Kantone im allgemeinen und der «arc lémanique» im besonderen erleben derzeit sowohl in wirtschaftlicher als auch in demographischer Hinsicht ein einzigartiges Wachstum, was diese Region zu einem der Hauptantriebe der Schweizer Wirtschaft macht. Deutlich und von den Statistiken bestätigt wurde dies mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach der Krise von 2008. Die sechs Westschweizer Kantonalbanken haben, unterstützt von der Universität Lausanne, kürzlich neueste Zahlen und Prognosen zum regionalen Bruttoinlandprodukt der Romandie publiziert. Im Jahr 2010 betrug dieses mit 120 Milliarden Franken einen Viertel des gesamtschweizerischen, was einer Erhöhung um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach. Der Trend soll gemäss Prognosen anhalten, so dass für dieses Jahr mit einem Wachstum von 2,7 und nächstes Jahr von 2,5 Prozent gerechnet wird.
Die Romandie konnte damit nicht nur an ihr Niveau von vor der Krise anknüpfen, sondern hat dieses gar übertroffen. Damit weist die Westschweiz – zwar branchenabhängig unterschiedlich – seit einem Jahrzehnt ein tendenziell höheres Wachstum als die Deutschschweiz und auch als die Europäische Union auf.
Zwei Dinge sind dabei augenfällig: Erstens stieg während der letzten 15 Jahre das regionale Bruttoinlandprodukt der Romandie doppelt so stark an wie die Bevölkerungszahl, was einen generellen Anstieg des Wohlstands bedeutet. Zweitens geht wirtschaftliches demographischem Wachstum voraus und begünstigt dieses. Die Wirtschaft funktioniert demnach als Antrieb für das Bevölkerungswachstum, das zweifellos ihr eigenes Trägheitsmoment kennt: Einmal in die Gänge gekommen, steigt die Bevölkerungszahl auch unabhängig von wirtschaftlichen Schwankungen.
Diese rasche Entwicklung bedingt insbesondere einen Verkehrs- und Wohn­infrastrukturausbau. Allerdings wurden die nötigen Arbeiten nicht immer rechtzeitig an die Hand genommen, so dass der Eindruck entstehen könnte, die Romandie «ersticke». Das ändert nun und die Regierungen der betroffenen Kantone, wenn zum Teil auch mit einigem ideologischen Zögern, arbeiten heute aktiv mehrere wichtige Projekte, namentlich im Verkehrsbereich, aus. Denjenigen, die sich vor dem Einfluss des Bevölkerungswachstums auf die Raumplanung fürchten, sei entgegengehalten, dass sich diese Entwicklung nicht unendlich fortsetzt und irgendwann ihr Gleichgewicht findet. Bis dahin geht es darum, von diesem Fortschritt bestmöglich zu profitieren.
Die Westschweizer Kantone sind keine homogene Einheit. Sie weisen Besonderheiten auf, die die obgenannte Studie bekräftigt und die zeigen, dass sich die Schweiz glücklicherweise nicht einfach in Sprachblöcke aufteilen lässt. Dennoch zeigt ihre wirtschaftliche Entwicklung eine gewisse Kohärenz. Eine wichtige ihnen gemeinsame Herausforderung ist es, dass ihre Stimme in Bundesbern gehört wird. Der Schwerpunkt der Schweiz verlagert sich nach Westen, und es ist unabdingbar, dass die Bundespolitik dieser Entwicklung Rechnung trägt, insbesondere beim Setzen von Prioritäten und Investieren von Geld … entspringt letzteres doch auch zu einem nicht unwesentlichen Teil der wachstumsstarken Romandie. In diesem Sinne sind die von den Kantonalbanken veröffentlichten Zahlen auch eine politische Botschaft und zeigen, wo sich heute der Motor des wirtschaftlichen Aufschwungs der Schweiz befindet.

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