Solar-Energie: Sonnige Schweizer Pioniere

Solar-Energie: Sonnige Schweizer Pioniere

von Reto Wüthrich

Zwei Schweizer sorgen auf dem Solar-Weltmarkt für Furore: Der eine ist Markus Gisler. Als er 12 Jahre alt war, gründete er Megasol. Das war 1993. Heute zählt das Unternehmen zu den am schnellsten wachsenden in der Branche. Der andere ist Thomas Hinderling. Er war schon etwas älter, als er die Idee zu den Solar Islands hatte. Ein Pionier ist aber auch er.

Das Raunen, das durch die Energiebranche ging, war so laut, dass es auch in der breiteren Öffentlichkeit gut hörbar war: Megasol, ein Unternehmen aus dem oberaargauischen Aarwangen (BE), bot der BKW FMB AG einen spitzbübisch guten Deal an: Megasol werde im Auftrag des bernischen Energieunternehmens 16000 Hausdächer mit Solarpanels ausstatten. Damit könne dieses auf das geplante AKW Mühleberg II verzichten. Das Projekt sollte 13 Milliarden Franken kosten – etwa so viel hätten Bau, Betrieb und Abfallentsorgung eines AKW gekostet.

Mit Fukushima und dem bundesrätlichen Grundsatzentscheid, auf den Bau neuer AKW zu verzichten, ist der schlaue Plan von Megasol obsolet geworden. Geschickt war der Schachzug aber auf jeden Fall. Denn jetzt ist Megasol einer noch breiteren Bevölkerungsschicht als Anbieter von Solarsystemen bekannt. Fürs Geschäft ist das allemal gut.

Mit 12 gegründet

Dabei ist Megasol auch ohne diesen Coup bereits eine feste Grösse im Solarmarkt. Ganz im Gegenteil. Der Anbieter von Inselsystemen, Netzverbund-Solarmodulen, Industrielösungen und vielen anderen Solarprodukten vom Viehhüter über Strassenleuchten bis hin zu portablen Solar-Laternen gehört derzeit zu den am schnellsten wachsenden Solarunternehmen in der Schweiz. Mit ein Grund mag sein, dass es zu den absoluten Branchenpionieren zählt. Megasol wurde bereits 1993 gegründet. Der Clou: Firmengründer Markus Gisler war damals gerade mal 12 Jahre alt. «Ich war einfach überzeugt, dass Solarenergie die Energiequelle der Zukunft ist», sagt Gisler, der als Achtjähriger erstmals mit Photovoltaik-Anwendungen experimentierte und sofort ebenso fasziniert wie begeistert davon war.

Seine Eltern fanden es gut, was ihr Filius da tat, wollten aber gleichzeitig, dass er es mit seinem Elan nicht übertrieb. Und auch die Lehrer im Gymnasium zeigten sich nachsichtig: «Wegen meiner Geschäftstätigkeit war ich nicht immer im Unterricht, und wenn ich dort war, hatten meine Überlegungen nicht immer mit dem Unterricht zu tun», schmunzelt Gisler. Später studierte er Mikrotechnik an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne. Gearbeitet hat er aber immer nur für ein Unternehmen: Megasol.

Voller Tatendrang

Heute arbeiten rund 40 Leute für Megasol. Zu den bekannten Kunden gehören Ex-Bundesrat Moritz Leuenberger, der beim Aarwanger KMU eine Solar-Gartenleuchte einkaufte, oder Mama Sarah Obama, die Grossmutter des US-Präsidenten. Megasol liefert seine Produkte mittlerweile in 20 Länder. Die meisten und die wichtigsten sind Eigenentwicklungen. «Wir analysieren genau, was unsere Kundinnen und Kunden möchten, und entwickeln innovative Produkte, die diesen Wünschen entsprechen», erklärt Gisler den Erfolgsfaktor seiner Firma. Abgerundet wird das Sortiment durch Zubehör, das zugekauft wird. «Wir verkaufen aber in jedem Bereich nur das jeweils effizienteste und zuverlässigste Gerät», so Gisler.

Nebst dem Sitz in Aarwangen gibt es Zweigstellen in Italien, Deutschland, Frankreich, Hong Kong, Osteuropa und Südamerika. Der Chef selber ist heute 30 Jahre alt. Oder jung. Und voller Tatendrang: «Wir möchten besonders im Bereich Gebäudeintegration massiv expandieren», blickt er auf die nächsten fünf bis zehn Jahre voraus. «Für uns ist es selbstverständlich, dass Dächer nicht nur Regen abhalten und gut aussehen, sondern gleichzeitig auch Strom für den Haushalt und das Elektromobil produzieren.»

Reif für die Insel

Da hat Gisler etwas gemeinsam mit Thomas Hinderling. Dieser ist zwar bereits im Pensionsalter, jedoch genauso voller Tatendrang und Pioniergeist. An der Uni Zürich hatte Hinderling einst Kernphysik studiert, dann bei der US-Raumfahrtbehörde NASA im Bereich Computertomographie gearbeitet. Von 1997 bis 2009 war er Chef des Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique in Neuenburg. Und vor einigen Monaten hat er Nolaris gegründet. Ein Unternehmen, das die unter anderem mit dem Nachhaltigkeitspreis Prix Evenir gekrönten «Solar Islands» zum Marktdurchbruch führen soll.

Es ist ein Projekt, das der Solarenergie völlig neue Perspektiven eröffnet hat: Künstliche, auf dem Meer schwimmende Inseln werden grossflächig mit Sonnenkollektoren ausgerüstet. Diese Plattformen können einen Durchmesser von bis zu fünf Kilometern aufweisen und etwa gleich viel Energie produzieren, wie ein kleineres Kernkraftwerk. Das Prinzip klingt grossartig: Über einen Stahlring von mehreren Kilometern Durchmesser wird eine robuste Plastik-Membran gespannt. Sie ruht auf einem Luftkissen, das durch einen leichten Überdruck zustande kommt. An der Oberfläche der Membran sind hoch reflektierende Spiegel angebracht. Die gesamte Insel wird durch hydrodynamische Motoren bewegt und immer nach dem Sonnenstand ausgerichtet – genauso wie bei Sonnenblumen. Dadurch werden die Reflektionen der Spiegel auf ein über ihnen liegendes Rohr fokussiert. Die so optimal gebündelten Strahlen erhitzen die Rohre, in welchen Wasser fliesst. Die Hitze der Sonnenstrahlen lässt das Wasser verdampfen. Der Dampf wird auf Turbinen weitergeleitet, die an Land Stromgeneratoren antreiben und dadurch elektrische Energie produzieren.

«Dann erwarte ich eine Explosion!»

Der erste Prototyp einer Solarinsel steht in der Wüste von Ras al Khaimah in den Vereinigten Arabischen Emiraten und wurde im Sommer 2009 in Betrieb genommen. «Alles hat bestens funktioniert. Wir werden kleine Änderungen vornehmen das ist alles», sagt Thomas Hinderling, der mitten in Verhandlungen steckt, um neue Solarinseln zu realisieren. Vieles läuft vertraulich. Konkrete Pläne bestätigt Hinderling aber für Anlagen in der Schweiz und in Saudi Arabien. «Ich hoffe, dass Solarinseln später vor allem in Gross-Solaranlagen zwischen den Wendekreisen eingesetzt werden.»

Was braucht es noch, damit «Solar Islands» der grosse Durchbruch gelingen kann? Hinderling antwortet: «Zwei bis drei voll funktionsfähige Inseln – dann erwarte ich eine Explosion!» Er meint in geschäftlicher Hinsicht, selbstverständlich.         •

Quelle: Eco-Life, das Schweizer Magazin für Nachhaltigkeit, Nr. 3/11.
<link http: www.eco-life.ch fokus>www.eco-life.ch/Fokus/Energie.aspx

 

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