«Die Gesellschaft kann nicht das leisten, was eine Familie leistet»

«Die Gesellschaft kann nicht das leisten, was eine Familie leistet»

Interview mit Beatrix von Storch, Vorsitzende der Zivilen Koalition e. V.

In der vergangenen Woche haben wir den ersten Teil des Interviews mit der Vorsitzenden der Zivilen Koalition e.V., Beatrix von Storch, veröffentlicht.

Darin hatte sie über den ESM-Vertragsentwurf gesprochen und darüber, wie die Bürger u.a. mit Hilfe der Aufklärungsarbeit der Zivilen Koalition versuchen, dieses zu verhindern. Statt dessen fordert Frau von Storch die Rückkehr zu einer vernünftigen Wirtschaftsweise, zu echter Marktwirtschaft in einem demokratischen Staatswesen mit nationaler Souveränität.

Im zweiten Teil des Interviews, den wir im folgenden veröffentlichen, geht es ihr vor allem um die Bereiche Familie und Bildung, die für den Aufbau und den Erhalt einer wertefundierten Demokratie auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes unabdingbar sind. Beatrix von Storch legt dar, dass die normale Familie als Keimzelle des Staates Vorraussetzung für eine gut funktionierende Marktwirtschaft ist und welche Rolle dabei das (richtige) Menschenbild spielt. Sie spricht auch über den Zusammenhang von Bildungspolitik und Zukunftschancen für die junge Generation. Dabei geht es ihr nicht darum zu verurteilen, sondern darum, was ein staatliches Leitbild leisten muss.

Zeit-Fragen: Auf Ihrer Internetseite (www.zivilekoalition.de) sprechen Sie auch die Themen Familie und Erziehung an und die Frage der Bildung. Sie haben auch eine Kampagne gemacht, eine Initiative «Schutz vor staatlicher Sexualisierung der Kinder».

Beatrix von Storch: Es sind nicht nur die wirtschaftlichen Themen, die einen umtreiben. Die Volkswirtschaft im kleinen, die Gesellschaft im kleinen ist die Familie. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als ich sagen konnte: «In meinem persönlichen Umfeld kenne ich keine Arbeitslosen» – das hat sich längst geändert. Ich kenne inzwischen sehr viele Arbeitslose. Ich kannte auch nicht diese, wie man so sagt, «modernen» Verbindungen von Menschen. Das nimmt immer mehr zu.

Ich verurteile das nicht, es gibt Menschen, die leben anders als man selbst oder als man es gewohnt ist. Darum geht es nicht. Es geht um das staatliche Leitbild. Was gibt der Staat eigentlich vor? Ich bin der Meinung, dass die Gesellschaft auf der Familie aufbaut. Wenn die Gesellschaft im kleinen, also die Familie, kaputtgeht, geht die Gesellschaft im grossen auch kaputt. Die Folgen kann die Gesellschaft im Grossen nicht tragen. Ich kann nicht mit meinen Steuergeldern Lehrer bezahlen, die Zweijährigen das Sprechen beibringen, weil sie keine Familie mehr haben. Ich kann nicht zusätzlich zu den Lehrern an der Schule pro Klasse zwei Sozialarbeiter finanzieren, die den Kindern, die zu Hause nicht gelernt haben, 45 Minuten an einem Klassenunterricht teilzunehmen, erst einmal alles vermitteln müssen.

Die Forderung wird immer wieder gestellt: Wir brauchen Sozialarbeiter an den Schulen. Warum brauchen wir Sozialarbeiter an den Schulen? Weil die Kinder zu Hause nicht mehr das Minimum an Alltagsfähigkeiten lernen. Es beginnt damit, dass sie nicht lernen, morgens aufzustehen, etwas Anständiges zu frühstücken, in die Schule zu kommen (und zwar pünktlich, denn sonst funktioniert es nicht). Dort müssen sie 45 Minuten dem Unterricht folgen und mitmachen, dann müssen sie mittags nach Hause gehen und eigentlich wieder etwas zu essen bekommen. Oft ist es hilfreich, wenn Kinder eine Anleitung haben, um Schulaufgaben zu machen.

Aber was ist, wenn das alles nicht mehr funktioniert, weil zu Hause morgens nicht aufgestanden wird, es zum Frühstück Zigaretten gibt oder gar nichts, und die Kinder in die Schule gehen oder auch nicht? Dann muss ich einen Sozialarbeiter damit beauftragen, die Kinder abzuholen und in die Schule zu bringen; dann sind sie zwar in der Klasse, aber nicht imstande, einen vollständigen deutschen Satz zu bilden: einen Satz mit Subjekt, Prädikat, Objekt kriegen sie nicht hin. Ich muss also zuerst Sprachkompetenz beibringen, weil sie das zu Hause nicht mehr mitkriegen, weil dort alles durcheinanderläuft.

Das funktioniert aber alles nicht, weil die Gesellschaft nicht das leisten kann, was eine Familie leistet. Dass Kinder ruhig auf einem Stuhl sitzen können und mal zuhören können, das lernen sie nämlich nur, wenn sie sechs Jahre lang eine Bezugsperson, ein stabiles Umfeld haben, in dem sie einen regelmässigen Rhythmus haben, in dem sie sich verläss­lich auf regelmässige Mahlzeiten verlassen können. Das sind Grundbedürfnisse, die existentiell sind. Ein Säugling schreit, wenn er nichts zu essen kriegt, ein Kleinkind schreit, wenn es Hunger hat, weil es das als lebensbedrohlich empfindet.

Wenn sie sich darauf verlassen können, dass sie sechs Jahre lang ihre Bezugspersonen haben, die sich um sie kümmern, wenn sie in einem gesicherten Umfeld aufwachsen, dann ist das anders. Das hat nichts mit Reichtum zu tun. Ich kann auch in sehr einfachen, in einfachsten Verhältnissen diese stabile Beziehung haben. Es gibt ja auch die Wohlstandsverwahrlosten, da fehlt es nicht am Materiellen. Da fehlt es an der Zuverlässigkeit. Da fehlt es an den Bezugspersonen, da fehlen andere Dinge. Die haben zwar Geld in der Tasche, mit dem sie vielleicht mit 10 Jahren in teure Restaurants gehen, aber sie haben den Bezug nicht, die Verlässlichkeit nicht, die Orientierung nicht.

Wo verorten Sie Ihre Wert- und Moralvorstellungen?

Im christlichen Menschenbild. Auf diesem Boden stehen wir, und zwar sehr stabil. Es ist nicht nötig, das an die grosse Glocke zu hängen. Man kann es an den Auswüchsen sehen, was ein falsches Menschenbild ausmacht. Es zeigt sich insbesondere in den Bereichen Familie und Familienpolitik, man sieht die Auswüchse bei dem, was man heute Gender nennt, also beim ganzen Genderbereich. Die Vertreter dieser Ideologie wollen den neuen Menschen schaffen.

Wir hingegen sind der festen Ansicht, dass man keinen neuen Menschen schaffen kann. Der Mensch ist, wie er ist, und er kann auch nicht in ein anderes Wesen umerzogen werden. Wenn man auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes davon ausgeht, dass der Mensch an sich frei ist und nicht wie ein unbeschriebenes Blatt programmiert werden kann …

Das personale Menschenbild …

Ja, bestimmte Auswüchse scheiden dann einfach aus.

Das umfasst den gesamten Bereich der Wertvorstellungen …

Wir nehmen ein Beispiel, um zu zeigen, was verkehrt läuft. Die Genderpolitik läuft nämlich nicht nur für diejenigen verkehrt, die das christliche Menschenbild für sich anerkennen. Man muss für alle Menschen aufzeigen, was der Gedanke bedeutet, einen neuen Menschen erziehen zu wollen, der sich sein Geschlecht selbst aussucht, unabhängig von dem vorgegebenen Geschlecht.

Wir gehen davon aus: Der Mensch wird als Junge oder Mädchen geboren, und das Mädchen zum Beispiel hat nicht die Möglichkeit, sich zu entscheiden, ein Mann zu sein, nur weil es lieber ein Mann sein möchte. Es gibt zwar Menschen, da passt der physische Körper nicht mit dem Geschlechterwunsch zusammen. Aber das ist eben ein Problem, da ist etwas nicht in Ordnung. Von dem ausgehend zu sagen, jeder müsse auswählen können, welches Geschlecht er haben möchte, funktioniert nicht nur bei Christen nicht, sondern das funktioniert auch bei Muslimen nicht. Auch Muslime sagen: Wenn mein Kind geboren ist, sehe ich, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Und wenn das Kind sich irgendwann fühlt wie ein Mädchen, obwohl er ein Junge ist, dann ist das ein Problem. Aber das heisst dann nicht, dass man die gesamte Gesellschaft umstrukturieren muss, dass man jetzt die Väter und die Mütter abschaffen muss, nur weil es auch Mütter und Mütter und Väter und Väter gibt, die zusammenleben, oder alleinerziehend, oder zu dritt erziehend oder wie auch immer …

Unser Ausgangsbild ist das christliche Menschenbild. Wir fordern, dass der Staat ein Leitbild vorgibt, das anstrebenswert ist, ohne das andere zu verurteilen.

Was sind Ihre Auffassungen zur Frage der Bildung?

Über die Familienpolitik hinaus ist natürlich die Bildungspolitik massgeblich, denn die hat Einfluss darauf, wie sich unsere jungen Leute innerhalb unseres staatlichen Bildungssystemes bewegen und entwickeln können. Man weiss ja, dass die Zukunftschancen von Kindern damit zusammenhängen, wie das Bildungsangebot ist, das wir ihnen zur Verfügung stellen.

Ich erwähne diesen Punkt mit unmittelbarem Blick auf die zwangsweise Sexualerziehung von Klein- und Kleinstkindern an staatlichen Institutionen. Sie wissen, was in Berlin genauso wie in der Schweiz jetzt ganz aktiv gefördert wird. Die fächerübergreifende «Bildung» der Kinder ist nämlich keine Bildung mehr, sondern Indoktrination der Kinder mit dem Menschen- oder Wertebild einer Genderideologie, die in die Köpfe der Kinder gebracht werden soll. Also bitte nicht mehr lesen «der König und die Prinzessin», sondern «der König und der König». Und die bebilderte Geschichte von dem König, der seine Prinzessin nicht findet, dafür aber den Prinzen, den er dann heiratet. Alles gut verpackt. Die Rollenspiele, die gemacht werden sollen von Siebt­klässlern, wie oute ich mich zu Hause, wie plane ich – und diese Materialien gibt es tatsächlich – ein schwules Wochenende in Berlin, welche einschlägigen Szenekneipen gibt es, welche Aktivitäten gibt es, für Schwule und ich weiss nicht was …

Hier findet eine Zwangssexualisierung statt.

In Nordrhein-Westfalen gab es bei der Landtagswahl einigen Widerstand dagegen; von Eltern, die gesagt haben: Jetzt ist Schluss. Das greift in mein Erziehungsrecht ein. Aber dann stellte sich die staatliche Schule hin und sagte: «Nein, das ist unser Bildungsauftrag. Es gibt Schulzwang, und du hast dein Kind dahin zu schicken.» Die Eltern haben gesagt: Das mache ich aber nicht. Da hat die Schule Ordnungsgelder gegen die Eltern verhängt. Dann haben sie nicht bezahlt, und deshalb sind sie ins Gefängnis gekommen. Sie sind inhaftiert worden, in Deutschland. Das heisst in Nord­rhein-Westfalen gibt es zahlreiche Eltern, die inhaftiert worden sind, weil sie gesagt haben: Ich setze meine Kinder nicht dieser Zwangssexualisierung aus.

Das hat nichts mehr mit staatlichem Bildungsauftrag zu tun, sondern hier werden Kinder mit Inhalten indoktriniert, die die kindliche Seele verletzen. Da werden Inhalte vermittelt, von denen ich mein Kind fernhalten will. Ich bin der Meinung, dass dieses Thema für die Entwicklung der Kinder und für die Gesellschaft insgesamt zentral ist, dass man das Problembewusstsein dafür deutlich stärken muss. Damit der Gesellschaft bewusst wird, was da an den Schulen passiert, was unterrichtet wird. Warum müssen Schüler ein schwules Wochenende in Berlin organisieren mit bunt ausgemalter Bebilderung, was es an schwulen Aktivitäten und Angeboten gibt, welche Kneipen es gibt, was da in welcher Form mit Sex gemacht wird und was nicht? Ein schwules Wochenende heisst ja nicht, dass Schwule zum Fussballspielen oder ins Kino gehen, sondern es geht um das Thema Sexualität. Warum will man das jetzt in die Schule tragen? Es ist ja auch vorher nicht Unterrichtsinhalt gewesen, wie ich ein heterosexuelles Wochenende in Berlin verbringe.

Hier handelt es sich doch offensichtlich um eine Fokussierung auf eine ganz bestimmte sexuelle Ausrichtung. Bei Mathematikaufgaben wurde bislang gerechnet: Jonas kauft mit seinem Vater drei Äpfel und kommt nach Hause. Jonas Mutter hat schon zwei Äpfel. Wie viele Äpfel hat die Familie? Dann kommt eben fünf raus. Das wird jetzt als Indoktrination zur Zwangsheterosexualisierung gesehen. Deswegen lauten die Mathematikaufgaben jetzt: Jonas kauft mit seinem Vater drei Äpfel. Jonas anderer Vater Tom zu Hause hat schon fünf Äpfel. Wie viele Äpfel hat die Familie? Das soll nun fächerübergreifend unterrichtet werden.

Werden auch die Lehrbücher verändert?

Ja. Homosexuelle Paare werden in die Schulen eingeladen, um sich vor den Kindern zu küssen. Damit sie sehen, dass Männer sich gegenseitig küssen und Frauen sich gegenseitig küssen. Die Kinder sollen das sehen und sollen akzeptieren, dass das ganz normal sei. Deswegen werden jetzt bisherige Bücher vom Markt genommen. Bücher werden umgeschrieben. In Hamburg – das ist schon einige Zeit her – gab es einen riesigen Skandal, weil so ein kleines Pixibuch gedruckt worden ist, das auch an den Schulen und Kindergärten verteilt worden war. Das Pixibuch sollte neu aufgelegt werden. Als das ursprüngliche Buch präsentiert wurde, hat die Gender-Lobby aufgeschrien und gesagt, es sei völlig ausgeschlossen, dass dieses Buch so auf den Markt kommt. Warum? Es war so ein kleines buntes Büchlein. Es gab Abbildungen, da sass Lisa am Tisch, und da sass Lisas Vater, und da sass Lisas Mutter. Die Abbildung dieser klassischen Familie geht nach Auffassung der Gender-Lobby nun gar nicht: das Kind sei in der untergeordneten Rolle, weil es den Eltern frontal gegenübersitzt. Dann ein Vater und eine Mutter, das geht gar nicht. Also das Kind muss mindestens …, und dann heisst das Kind auch noch Lisa.

Normale Familien sollen nicht mehr abgebildet werden dürfen. Die Kinder sollen auch nicht mehr deutsche Namen haben dürfen. Es muss mindestens ein Schwarzer dabei sein, es muss mindestens ein Araber dabei sein, es muss mindestens ein schwules Paar, ein lesbisches Paar dabei, Patchwork dabei sein.

Da werden Kinderspiele vorbereitet. Familie. Was ist denn Familie? Ich und mein Hund. Meine Mutter und mein Vater und ich. Patchwork. Alles. Es gibt eine Schablone mit 16 verschiedenen Sachen, was alles Familie ist. Das wird jetzt unterrichtet. Das macht der Staat.

Ich bin der Meinung: Es gibt Ehen, die geschieden sind, dann heiratet die Mutter wieder, und die Kinder müssen sich damit zurechtfinden, dass sie einen neuenVater haben. Die Mutter hat einen neuen Mann. Das gibt es. Ich fälle überhaupt kein Urteil darüber. Die Frage ist nur, was wir als staatliches Leitbild vorgeben.

Frau von Storch, vielen Dank für das Gespräch.       •

 

«Zivile Koalition»

«Wir sind ein Zusammenschluss von Bürgern, die sich für mehr zivilgesellschaftliches Engagement in Deutschland einsetzen. Gemeinsam wollen wir für Reformen eintreten, die die Menschen in Deutschland wirklich wollen und brauchen.

Wir sind eine wirtschaftlich unabhängige, überparteiliche, nicht-staatliche Organisation, die den vielen engagierten Einzelnen aus der Zivilgesellschaft eine gemeinsame Stimme gibt.

Somit arbeiten wir als Interessenvertretung der Bürger, um unsere und ihre gemeinschaftlichen Anliegen gegenüber der Politik und den Medien zu vertreten.

Zusammen sind wir als ‹Zivile Koalition› eine starke Gemeinschaft, die von Medien, Institutionen und Politikern gehört – und als Gesprächs- und Verhandlungspartner ernst genommen wird.

Die ‹Zivile Koalition e.V.› bietet uns allen die Möglichkeit – als starke Pressure-group –, politische Konzepte und Standpunkte in der öffentlichen Meinung zu positionieren und die Interessen der Bürger in der Politik durchzusetzen.»

Quelle: www.zivilekoalition.de

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