Wider die Anti-Historiker

Wider die Anti-Historiker

Christian Favre, Verfasser des Buches «La Suisse avant et pendant la Seconde Guerre mondiale», stellt die Schweizer Geschichte vom Kopf wieder auf die Füsse

ts. Während die Kriegsrhetorik gegen Iran durch Israel immer schriller wird und die Obama-Administration droht, israelische Kampfjets durch saudische abschiessen zu lassen – offensichtlich stört der angedrohte Krieg die grössere Planung der verbliebenen Weltmacht und passt nicht in die Pläne des Imperiums –, währenddessen taumelt die EU von einer Krise in die andere, gebärdet sich dabei immer diktatorischer und tritt den Volkswillen mit Füssen. Nach der Rothschild-Rockefeller-Hochzeit sind überall Adlaten zu sichten, welche die Pläne der Hochfinanz zur gnadenlosen Schröpfung der Steuerzahler den Bürgern auch in Europa aufzwingen wollen. Die Bankentyrannei geht dabei soweit, dass nach dem Vorbild USA, wo Goldman Sachs staatliche Aufgaben wie das Führen von Gefängnissen, Gesundheitsvorsorge, Schule etc. übernommen hat, die Demokratien, oder das, was davon übriggeblieben ist, in erschreckender Geschwindigkeit Richtung Aktiengesellschaften inklusive Shareholder-Value-Mentalität transformiert werden sollen. Dass zu diesem Zwecke die Schutzvorkehrungen, welche sich die Bürger der verschiedenen Nationen in Europa seit dem Westfälischen Frieden 1648 und der Aufklärung erkämpft haben, nämlich der souveräne, unantastbare Nationalstaat, dass dieser Schutzwall gegen Ausbeutung durch die Gier oligarchischer Machteliten geschleift werden soll, ist tagtäglich und allüberall zu spüren. Sei es durch das Konzept der Metropolitanräume, der Naturparks, der sogenannten Förderung des ländlichen Raumes und grenzübergreifender sogenannter Euro-Regionen, der geplanten Entleerung ganzer Landstriche durch das heimliche Herankarren von Grossraubtieren wie Wolf und Bär, nicht zuletzt aber auch durch die Ökonomisierung der Schulen und des Bildungswesens – und: durch die Umschreibung der Geschichten der Länder zwecks Entfremdung der heranwachsenden Generation von der eigenen Geschichte, damit eine gesichtslose uniforme Masse von Untertanen mit rudimentärem «Basiswissen» den Moloch EU von Rothschild/Rockefellers-Gnaden nicht mehr zu hinterfragen wagt.
Als 5. Kolonne und nützliche Idioten finden sich immer im Geiste eines «economic hit man» à la John Perkins rekrutierte Ehrgeizlinge, die ihr Hirn an die Geld-Elite verkaufen und sich dafür mit Lehrstühlen für Geschichte belohnen lassen. Die wirklich seriösen Historiker haben das Nachsehen und bekommen noch nicht einmal ihre Habilitationsschriften entgegengenommen und gelesen, geschweige denn inhaltlich gewürdigt. In der Schweiz ist die Situation diesbezüglich besonders beschämend, denn hier hat eine Truppe von heimatmüden und gekauften Bergier-Historikern das Sagen, wer die akademischen Weihen an Junghistoriker verleihen darf: nur handverlesene imperiumshörige Swiss-Basher, also Ehrgeizlinge, welche willfährig die Geschichte der Schweiz in den Dreck ziehen, pardon, «dekonstruieren», werden auf die Lehrstühle gehievt und bekommen in den gekauften und gleichgeschalteten Medien und dem De-Weck-Fernsehen Raum und Zeit offeriert für ihr zersetzendes, schäbiges Gesalbadere.
Einer dieser unrühmlichen und mehr als peinlichen sogenannten Schweizer-Geschichts-Experten, dessen Buch zur Geschichte unseres Landes leider in aufdringlicher Manier zum Kaufe feilgeboten wird, ist der mit einer Professur in Heidelberg – armes Heidelberg! – ausstaffierte Thomas Maissen. Sein Machwerk kommt einer Keulung, oder soll man besser sagen, einer Abschlachtung all dessen gleich, was die Schweizer Geschichte eben gerade auszeichnet: Man mag die dümmlichen, jeder historischen Realität Hohn sprechenden, dem einzigen Ziele dienenden Ausführungen Maissens, die Schweiz sturmreif zu schiessen für die Eingliederung ins Imperium, man mag diese Verdrehungen und Unterstellungen, jüngst in der Zeitung «Le Temps» vom 31. Juli, fast nicht wiederholen. «Die Schweiz als künstliches Konstrukt» – als ob der kommunalistische Forschungsansatz nicht vorhanden wäre, das Entstehen staatlicher Strukturen in der Schweiz aus den Genossenschaften heraus nie erforscht worden wäre –, «Napoleon als grosser Retter» – als ob sein imperiales Wüten, Morden, Brandschatzen und Vergewaltigen nie stattgefunden, die Waisenkinder von Stans nicht existiert hätten, Anker und Pestalozzi Hirngespinsten aufgesessen wären – nur Zürich und Bern, damit also die urbane Schweiz, hätten im 14. Jahrhundert das Fortbestehen der Bündnisse der Eidgenossen gesichert – als ob nicht die einzigartige Verbindung von städtischen und ländlichen, genossenschaftlich organisierten Gemeinwesen die Grundsubstanz für die spätere direkte Demokratie geliefert hätten, was die ganze Welt weiss und schätzt und uns darum beneidet. Nein, Maissen passt auch der Föderalismus nicht, weswegen er ein Bild abdrucken lässt und kommentiert mit der Überschrift «Die alten Kantone unter dem Schutz des Imperiums», des Reichs. Eine klassische un­historische Instrumentalisierung eines vergangenen Kampfes der Kantone gegen den Kaiser, welche in den Schwabenkriegen de facto und dann im Westfälischen Frieden de jure die Unabhängigkeit vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation brachte. Aber wenigstens ist hier Maissen so plump, dass seine ganze Auftragsarbeit sich verrät: Die Schweiz soll auch heute wieder unter das Joch des Imperiums! Nicht jeder ist so, wie soll man dem sagen, offen, plump, unbedarft, abgefeimt, voller Chuzpe, sein ideologiegeleitetes Geschichtsbild gerade selber zu entlarven. Wohl ganz nach dem Motto von Leo Strauss, dem Urvater imperialer Winkelzüge: Da die Menschen zu blöde sind, brauchen sie Lügen, sie brauchen auch Ausbeutung, denn die Wahrheit würden sie nicht ertragen.
Es ist Christian Favre hoch anzurechnen, dass er immer wieder, nebst seinem hervorragend verfassten Buch über die wirkliche Schweizer Geschichte, in welcher er die Bergier-Lügen richtigstellt, antritt gegen die Gift und Galle speienden Anti-Historiker. Der nebenstehend abgedruckte Text von Favre ist eine Reaktion auf ein Interview von Catherine Cossy mit besagtem Thomas Maissen in der oben erwähnten Zeitung «Le Temps» vom 31. Juli, mithin also zum Nationalfeiertag – ein Unding an sich, man denke nur, andere Nationen würden zu ihrem Nationalfeiertag, z.B. die USA, Frankreich, Grossbritannien, Israel, Russland usw., die Spalten der Medien einigen ihr Land hassenden Fremdbezahlten öffnen. In den USA, welches sich seit 9/11 im selbstdefinierten Krieg befindet, wäre dies wohl mehr als Landesverrat.     •

Die ursprüngliche Geschichte der Schweiz von Christian Favre

Der letzte Artikel von Catherine Cossy in der Zeitung «Le Temps» vom 31. Juli hat mich zu einer Reaktion veranlasst. Seit einigen Jahren erleben wir in der Tat eine ständige Infragestellung der grundlegenden Geschichte der Schweiz, die nicht mehr auf die Kämpfe der Urkantone Bezug nehmen darf, sondern einzig auf den Willen der Städter, im besonderen auf denjenigen der aus der Französischen Revolution hervorgegangenen Revolutionäre, und natürlich auch auf den Willen Napoleons. Stimmt das? Glauben Sie ernsthaft, dass ohne diesen steten Kampf der Schwyzer und ihrer Nachbarn um ihre Freiheit, nicht nur gegen die Habsburger, sondern auch gegen die lokale, weltliche und kirchliche Lehensherrschaft, dass also die Städter – ohne diesen Kampf, ohne diese Beispiele – das gleiche gemacht hätten? Das ist aus einem einfachen und einzigen Grund völlig ausgeschlossen: Die Städter, beispielsweise die Berner, waren nicht geeint und waren von den Bauern abhängig, von den Bauern, die von diesen Städtern ständig bedroht wurden, was schliesslich zum Bauernkrieg führte. Wenn die Urkantone Erfolg hatten, dann war es genau, weil sie geeint waren und kaum charismatische Anführer hatten. Der Bundesbrief von 1291, der Rütlischwur oder auch Willhelm Tell sind dabei nicht entscheidend, was Tatsache ist, das sind die vielen Schlachten, die vielen gewonnenen Schlachten. Dies war ein erfolgreicher Befreiungskrieg, Punkt. Und dies ist der Grund, dass die Schweizer den 1. August feiern.
Ohne diese ursprünglichen Kämpfe gäbe es heute keine Schweiz. Das ist mein Standpunkt, aber es ist nicht derjenige der heutigen Historiker – wirklich von allen?
Kommen wir noch auf die Rolle Napoleons zu sprechen, den man heute uneingeschränkt glorifiziert. Napoleon war aber in erster Linie ein absolut imperialistischer Kriegsherr, bevor er sich den Schweizern gegenüber später auch rücksichtsvoll zeigte, die er zuvor jedoch unterworfen hatte. Ja, das Resultat grenzte fast an ein Wunder, das stimmt, aber zuvor – und das will man nicht wahrhaben – war die Schweiz*, vor allem der deutschsprachige Teil, völlig ausgeplündert worden und litt derart an Hunger, dass ihr von ausserhalb geholfen werden muss­te. Ja, Napoleon wollte autonome Kantone, aber weshalb wohl? Aus Altruismus? Wo denken Sie hin! In Wirklichkeit hatte er eine Heidenangst davor, dass sich die Schweizer – und er kannte sehr wohl ihren Kampfgeist – zusammentun könnten, um eine geeinte und starke Armee auf die Beine zu stellen. Das war es, was er vor allem befürchtete. Aber schliesslich hat er, ohne es selbst zu wollen, die beste Lösung gefunden, damit sich ein Land zusammen behaupten kann: es zu teilen. Deshalb entstanden in der Schweiz kein deutschsprachiger oder französischsprachiger Block, sondern kleine Einheiten, die sehr wohl fähig sind, sich in Friedenszeiten zu streiten und sich bei drohender Gefahr zu einen, wie dies während des Zweiten Weltkrieges der Fall war.
Schlussfolgerung: Die Geschichte muss diskutiert und darf niemals indoktriniert werden – dies gilt auch für meinen eigenen Standpunkt.

Quelle: Histoire militaire de la Suisse, Hefte 1 bis 4, verschiedene Historiker.
(Übersetzung Zeit-Fragen)

*    aktuelles Territorium/Gebiet der Schweiz

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