Nach-US-Welt, geboren in Phnom Penh

Nach-US-Welt, geboren in Phnom Penh

von David P. Goldman

Es ist symptomatisch für den nationalen Zustand der Vereinigten Staaten, dass die schlimmste Demütigung, die sie je als Nation bzw. ein US-Präsident persönlich je erlitten haben und hat, letzte Woche ohne Kommentar vorüberging. Ich beziehe mich auf die Ankündigung vom 20. November in Phom Penh an einem Gipfeltreffen, wonach 14 asiatische Staaten, welche die Hälfte der Weltbevölkerung umfassen, eine umfassende regionale Wirtschaftspartnerschaft unter Ausschluss der Vereinigten Staaten bilden würden.
Präsident Obama nahm am Gipfel teil, um eine in den USA ansässige Trans-Pazifik-Partnerschaft (TPP) unter Ausschluss von China zu verkaufen. Das konnte er nicht. Die amerikanisch geführte Partnerschaft wurde zu einer Party, an der niemand teilnahm.
Statt dessen werden die Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) plus China, Indien, Japan, Süd-Korea, Australien und Neuseeland einen Verein bilden und die Vereinigten Staaten aussen vor lassen. In einer Zeit, in der 3 Milliarden Asiaten wohlhabend werden, schwindet das Interesse am zukünftigen Beitrag von 300 Millionen Amerikanern – insbesondere wenn diese Amerikaner es ablehnen, die Risiken neuer Technologien auf sich zu nehmen.
Amerikas grosse wirtschaftliche Stärke, namentlich seine Kapazität zur Innovation, existiert vier Jahre nach der Wirtschaftskrise von 2008 vorwiegend in der Erinnerung. In der Wahlkampagne war die Trans-Pazifik-
Partnerschaft ein unbedeutendes Thema, aber in Politikerkreisen war sie Gegenstand eines enormen Hype. Am 23. Oktober schwärmte salon.com:

«Das Abkommen ist das Herzstück der ‹Asien-Achse›, das die Aktivitäten von Think tanks und Politikern in Washington vereinnahmte, aber hinter Lametta und Konfetti der Wahl verborgen blieb. Aber mehr denn irgendeine andere Politik könnten die Trends, welche die TPP repräsentiert, die amerikanischen aussenpolitischen Beziehungen neu strukturieren und möglicherweise die Wirtschaft selber.»

Tatsächlich war diese grosse, bahnbrechende Vision nur für die traurigen, seltsamen Leute von Bedeutung, die sich im Innern der Administration Obama die Politik ausdenken. Die verhältnismässige Bedeutung Amerikas ist am Schwinden.
Um diese Dinge im Zusammenhang darzustellen:
Die Exporte der asiatischen Länder haben seit dem Spitzenwert vor der Wirtschaftskrise von 2008 um mehr als 20% zugenommen, während die Exporte Europas um mehr als 20% zurückgingen. Amerikanische Exporte haben im Vergleich zu ihrem Höchststand vor 2008 nur unwesentlich (um etwa 4%) zugenommen.
Die Exporte Chinas stiegen derweil um 50% über ihren Vorkrisen-Peak, während die Exporte in die Vereinigten Staaten um etwa 15% zunahmen. Mit 90 Milliarden US-Dollar entsprechen die Exporte Chinas nach Asien dem Dreifachen seiner Exporte in die Vereinigten Staaten.
Nach Monaten mit düsteren (und völlig falschen) Prognosen, wonach Chinas Wirtschaft eine harte Landung bevorstehe, ist offensichtlich, dass China keine harte Landung erleben wird, ja überhaupt keine Landung irgendeiner Art. Sowohl der Inlandkonsum als auch die Exporte nach Asien liegen nahezu 20% über dem Niveau des letzten Jahres und machen die Schwächen gewisser Exportmärkte und des Bausektors wieder wett. Die Exporte in die moribunde amerikanische Wirtschaft stagnieren.
Im Jahre 2002 importierte China fünfmal soviel aus Asien wie von den Vereinigten Staaten. Heute importiert es zehnmal soviel aus Asien wie aus den USA.
In Anlehnung an die Handelsstruktur wurde der Tausch der asiatischen Währungen mit dem Renminbi Chinas enger als mit dem US-Dollar. Arvind Subramanian und Martin Kessler schrieben in einer Studie für das Peterson Institute im Oktober 2012:

«Der Aufstieg eines Landes zu wirtschaftlicher Überlegenheit geht tendenziell damit einher, dass seine Währung zum Richtwert wird, dem andere Währungen implizit oder explizit folgen. Für eine Auswahl an Volkswirtschaften von Schwellenländern zeigen wir, dass in den letzten zwei Jahren der Renminbi (RMB/Yüan) zunehmend zu einer Referenzwährung geworden ist; eine solche definieren wir als eine, die ein hohes Mass an Mit-Bewegung anderer Währungen (Co-Movement CMC) aufweist.
In Ostasien besteht bereits ein Renminbi-Block, weil der RMB zur herrschenden Referenzwährung geworden ist, die den Dollar in den Hintergrund drängt – eine historische Entwicklung. In dieser Region folgen sieben von zehn Währungen enger den Bewegungen des Renminbi als jenen des Dollars, wobei der Durchschnittswert der koordinierten Bewegung (CMC) bezüglich des Renminbi 40% höher liegt als bezüglich des Dollars. Wir stellen fest, dass koordinierte Bewegungen (CMCs) mit Referenzwährungen, speziell dem Renminbi, einhergehen mit einer Integration des Handels.
Auf der Grundlage eines Vergleichs der Situation des Renminbi von heute mit derjenigen des japanischen Yen in den frühen 90er Jahren, haben wir einige Lehren gezogen, was die Aussichten des Renminbi-Blocks betrifft, sich über Asien hinaus zu entwickeln. Wäre der Handel die einzige Triebkraft, könnte ein umfassenderer Renminbi-Block bis Mitte der 2030er Jahre entstehen, aber sich gegenseitig ergänzende Reformen im Finanz- und Aussenwirtschaftssektor könnten den Prozess erheblich beschleunigen.»

All das ist wohlbekannt und erschöpfend diskutiert. Die Frage ist, was, wenn überhaupt, Amerika damit macht.
Wo haben die Vereinigten Staaten einen Wettbewerbsvorteil? Abgesehen von Verkehrsflugzeugen, Anlagen zur Energiegewinnung und Landwirtschaft, verfügt es über wenige Bereiche, in denen es wirklich industriell herausragend ist. Billiges Erdgas hilft Industrien mit geringer Wertschöpfung wie der Düngemittelherstellung, aber die USA hinken im industriellen Bereich hinterher.
Vor vier Jahren, als Francesco Sisci und ich ein chinesisch-amerikanisches Währungsabkommen als Ankerpunkt für die Handelsintegration vorschlugen, dominierten die USA noch immer die Industrie zur Herstellung von Atomkraftwerken. Mit dem Verkauf des Atomenergiegeschäfts von Westinghouse an Toshiba und Toshibas Joint Venture mit China zum Bau von Kernkraftwerken vor Ort, hat sich der Vorteil in Luft aufgelöst.
Das Problem ist, dass Amerika aufgehört hat, in die Art von Hightech-Industrie mit hoher Wertschöpfung zu investieren, welche die Erzeugnisse produziert, die Asien braucht. Wenn man die Inflation mitberücksichtigt, liegen die Bestellungen von Anlagegütern seitens der Produzenten 38% unter dem Höchststand von 1999. Und die Risikokapitalzuteilungen für Hightech-Produktion sind versiegt.
Ohne Innovation und Investitionen werden alle Handelsabkommen, die das politische Umfeld Washingtons ausarbeiten kann, nichts nützen. Hinzu kommt, dass eine Anpassung des Wechselkurses auch nicht hilft.

Was hat Washington den Asiaten zu bieten?

Es lässt sich sicher ergründen, was Präsident Obama im Sinn hatte, als er mit einer Trans-Pazifik-Partnerschaft nach Asien kam, mit der China  aussen vor gehalten werden sollte. Was hat Washington den Asiaten zu bieten?
•    Jährlich leiht es 600 Milliarden Dollar vom Rest der Welt, um eine Staatsverschuldung von 1,2 Billionen Dollar zu finanzieren, in erster Linie von Japan (China war im vergangenen Jahr ein Netto-Verkäufer von Schatzpapieren)
•    Es ist eher Kapitalempfänger als Kapitalgeber
•    Es ist ein wesentlicher Importmarkt, der aber rasch an relativer Bedeutung verliert, da der innerasiatische Handel viel schneller expandiert als der Handel mit den Vereinigten Staaten
•    Und Amerikas Stärke als Ort der Innovation und des Hervorbringens von Unternehmern ist seit der Krise von 2008  drastisch geschrumpft, was allerdings nicht der Regierung Obama zu verdanken ist, die mit ihrem Gesundheitsprogramm einen happigen Auftrag zur Neugründung von Firmen anordnete.

Washington sollte sich besser Richtung Asien wenden. In Phnom Penh allerdings haben die führenden Politiker Asiens Obama aufgefordert, sich um 360 Grad zu drehen und nach Hause zu gehen.    •

Quelle: Asia Times Online vom 27.11.2012
(Übersetzung Zeit-Fragen)

«Die Unabhängigkeit, Unverletzlichkeit und schöpferische Vielfalt der Kulturen sind zu wahren»

Aus der Verfassung der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco)

Die Regierungen der Vertragsstaaten dieser Verfassung erklären im Namen ihrer Völker:
Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.
Im Lauf der Geschichte der Menschheit hat wechselseitige Unkenntnis immer wieder Argwohn und Misstrauen zwischen den Völkern der Welt hervorgerufen, sodass Meinungsverschiedenheiten nur allzu oft zum Krieg geführt haben.
[…]
Deshalb sind die Vertragsstaaten dieser Verfassung in dem Glauben an das Recht auf ungeschmälerte und gleiche Bildungsmöglichkeiten für alle, auf uneingeschränktes Streben nach objektiver Wahrheit und auf den freien Meinungs- und Wissensaustausch einig und entschlossen, die Beziehungen zwischen ihren Völkern zu entwickeln und zu vertiefen, um sie als Mittel zur
Verständigung und zur Verbreitung möglichst vollkommener und wahrheitsgetreuer gegenseitiger Kenntnis ihrer Lebensweise zu nutzen.
Sie gründen deshalb hiermit die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), um durch die Zusammenarbeit der Völker der Erde auf diesen Gebieten den Weltfrieden und den allgemeinen Wohlstand der Menschheit zu fördern – Ziele, um derentwillen die Vereinten Nationen gegründet wurden und die in deren Charta verkündet sind.

Artikel I: Ziele und Aufgaben
1.    Ziel der Unesco ist es, durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung, Wissenschaft und Kultur zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit beizutragen, um in der ganzen Welt die Achtung vor Recht und Gerechtigkeit, vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten zu stärken, die den Völkern der Welt ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder Religion durch die Charta der Vereinten Nationen bestätigt worden sind.
[…]
3.    Die Unabhängigkeit, Unverletzlichkeit und schöpferische Vielfalt der Kulturen und Bildungssysteme der Mitgliedstaaten sind zu wahren. Die Unesco darf deshalb nicht in Angelegenheiten eingreifen, die im Wesentlichen in die innerstaatliche Zuständigkeit fallen.

*verabschiedet in London am 16. ­November 1945, zuletzt geändert von der 29. UNESCO-Generalkonferenz am 16. November 1999.

Umfassende regionale Wirtschaftspartnerschaft

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