«Ich werde nie auf der Seite der Mächtigen sein!»

«Ich werde nie auf der Seite der Mächtigen sein!»*

Der Strategie-Experte Albert A. Stahel wird 70 Jahre alt

Am 3. März 2013 ­feierte ­Albert A. ­Stahel, Strategie-Experte und Professor für ­Politische Wissenschaften und Strategische Studien an der Universität Zürich und ehemaliger hauptamtlicher Dozent für strategische Studien an der Militärischen Führungsschule Milak an der ETH Zürich, seinen siebzigsten Geburtstag. Als unabhängiger ­Strategie-Experte sind seine klaren, schnörkellosen und präzisen Analysen bis heute sehr gefragt. Albert Stahel kann dabei auch auf seine reiche und einmalige Erfahrung aus einem Brennpunkt der Geopolitik – ­Afghanistan – zurückgreifen. Wie kein anderer seines Faches kennt er Afghanistan. Dies nicht nur aus Studium von Literatur und Quellen, sondern auch aus zahlreichen Reisen und Gesprächen, in denen er viele wichtige Persönlichkeiten aus Afghanistan selbst kennengelernt hat, mit denen er jahrelang freundschaftlich verbunden blieb.
Bereits 1979 reiste er ins pakistanische Peshawar und lernte schon damals den heutigen Präsidenten Afghanistans, Hamid Karzai, kennen. Seit 1989 ist er immer wieder in das von Krieg schwer geplagte Afghanistan gereist, hat mit vielen Menschen gesprochen und sich vor Ort ein Bild von den tatsächlichen Verhältnissen gemacht. Zahlreiche Publikationen dokumentieren dieses Engagement auf eindrückliche Weise.
Albert Stahel wäre nicht Albert Stahel, wenn er dabei nicht immer auch nach Wegen gesucht hätte, um die Entwicklung des geschundenen Landes zum Besseren zu wenden: Er tat dies durch Teilnahme an Seminaren in Afghanistan, durch persönliche Beratung führender Politiker und Persönlichkeiten Afghanistans, durch seine Afghanistan-Seminare an der Universität Zürich – manchmal mit Teilnahme hochrangiger afghanischer Persönlichkeiten wie des 2011 ermordeten ehemaligen Präsidenten Burhanuddin Rabbani und des Parlamentsabgeordneten Amanullah Paiman und Pair Sayed Ishaq Gailani, mit dem er seit seinen ersten Reisen freundschaftlich verbunden ist; durch politische Beratung in Afghanistan, aber auch ganz praktisch durch seine tatkräftige Unterstützung und Beratung beim Aufbau des «House of Science» in Bamjyan, das seit seiner Eröffnung 2006 von der ETHZ betreut wird.
Auf Einladung der afghanischen Regierung und mit Unterstützung des EDA unternahm er schon 1995 zusammen mit Peter Arbenz und einer Expertengruppe eine Abklärungsmission in Afghanistan. Der erarbeitete Bericht mit Empfehlungen für den Wiederaufbau des kriegszerstörten Landes enthält Empfehlungen, die heute noch Gültigkeit haben – und dies nicht nur für Afghanistan: Dazu gehörte die Einsicht, dass die Lösung der politischen Probleme von den Afghanen ausgehen und von innen nach aussen geschehen muss, aber auch die Feststellung, dass eine zentralistische Staatsform unter Vorherrschaft einer Ethnie oder einer Partei im Vielvölkerstaat Afghanistan nicht tragfähig sein wird, viele Gruppierungen in Afghanistan unter Wahrung der staatlichen Einheit des Landes aber eine föderalistische Lösung anstreben möchten. Und vor allem: Die überwältigende Mehrheit des afghanischen Volkes wünscht sich nur eines: Frieden!
Albert Stahel hat dieses Ziel auch in der Schweiz immer vor Augen: Immer wieder regte er eine diplomatische Vertretung der Schweiz in Afghanistan an, denn unser Land geniesst dort dank seiner Neutralität und seiner föderalen Struktur, die ein Zusammenleben verschiedener Kulturen in Frieden ermöglicht, hohe Achtung. Es ist auch ein hohes Verdienst von Albert A. Stahel, dass es dank seines Einsatzes gelungen ist, diese Wertschätzung zu bewahren, indem er dafür gesorgt hat, dass unser Land sich aus der unseligen Nato-Mission in Afghanistan zurückgezogen hat. Dafür ist die Schweizer Bevölkerung ihm ganz besonders dankbar!
Wir wünschen Albert Stahel alles Gute.    •

Erika Vögeli

*    Albert Stahel anlässlich der Vernissage der Festschrift «Strategisches versus humanitäres Denken: das Beispiel Afghanistan.» Claudine Nick-Miller (Hrsg.), vdf Hochschulverlag Zürich, 2009.

Unsere Website verwendet Cookies, damit wir die Page fortlaufend verbessern und Ihnen ein optimiertes Besucher-Erlebnis ermöglichen können. Wenn Sie auf dieser Webseite weiterlesen, erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
Weitere Informationen zu Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
 

Wenn Sie das Setzen von Cookies z.B. durch Google Analytics unterbinden möchten, können Sie dies mithilfe dieses Browser Add-Ons einrichten.