China und der Euro

China und der Euro

Geht es um den US-Dollar, sind die Interessen der Volksrepublik China gespalten. Einerseits stellt der Dollar natürlich nach wie vor eine ihrer wichtigsten Reservewährungen dar. China ist – gemessen an den ausstehenden Schatzscheinen (Treasuries) – der ­grösste Gläubiger der USA und deshalb an einem Werterhalt des Dollars interessiert. Doch andererseits lässt Peking auch kaum etwas unversucht, um die «Währungshoheit» zu brechen, die der US-Dollar im internationalen Welthandel noch immer innehat. Das wiederum ist potentiell geeignet, den Wert des Dollars zu drücken.
Chinas diesbezügliche Finanzpolitik gleicht damit einer Quadratur des Kreises. Peking geht dabei, der chinesischen Mentalität folgend, überaus weitsichtig und nur in kleinen Schritten vor. Seine Abkehr vom Dollar ist ein geradezu schleichender Prozess, dessen einzelne Etappen kaum wahrnehmbar sind. Doch das Ergebnis wird «epochemachend» sein.
Vor einigen Tagen schloss China beispielsweise eine Vereinbarung mit Australien, laut der zukünftige Aussenhandelsgeschäfte nicht mehr über den «US-Dollar-Umweg», sondern direkt als «Australische Dollar gegen Renminbi (Yuan)» abgewickelt werden sollen. China ist dabei ein für Australien wichtiger Exportpartner, der Teile des chinesischen Rohstoffhungers beinahe perfekt bedienen kann. Inzwischen gehen ein Fünftel der aus­tralischen Exporte in das Reich der Mitte – und diese Geschäfte werden nun ausserhalb der US-Dollarsphäre abgewickelt!
Natürlich versuchten die USA, die neue Vereinbarung schon im Vorfeld zu torpedieren. Doch die US-amerikanischen Proteste wurden von Chinas Diplomaten so geschickt abgebogen, dass manche Beobachter jetzt nur noch auf weitere Abmachungen mit anderen Ländern warten. Dabei wird es nicht mehr alleine um Abrechnungsfragen beim internationalen Warenhandel gehen, sondern auch um gegenseitige Zusagen, einen Teil der Reserven in der jeweils anderen Währung zu halten. Mit Brasilien verständigte sich China z.B. bereits, einen Gegenwert von etwa 30 Mia. Dollar in der Währung des jeweils anderen Landes zu halten.
Aus in Hongkong ansässigen Bankenkreisen war jetzt zu erfahren, dass China neben dem US-Dollar jetzt auch den Euro ins Visier genommen habe. Peking möchte auf jeden Fall vermeiden, dass der Euro den US-Dollar als weltweite Reservewährung ablösen könnte, wobei ihm die gegenwärtige und systemimmanente Schwäche der europäischen Kunstwährung ganz klar zugute kommt. Tatsächlich sind die US-Dollar- und Eurobestände der Zentralbanken der meisten Schwellen- und Entwicklungsländer in den letzten Jahren deutlich gesunken. Gewinnen konnten z.B. der Chinesische Renminbi oder der Australische Dollar. Während vor zehn Jahren erst ein Prozent der internationalen Währungsreserven in diesen beiden Währungen gehalten wurden, sind es inzwischen bereits rund acht Prozent! (tb)    •

Quelle: Vertrauliche Mitteilungen vom 22.4.2013

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