Der zehnte «Apfelbaum-Botschafter» des Austausches zwischen der Schweiz und Russland

Der zehnte «Apfelbaum-Botschafter» des Austausches zwischen der Schweiz und Russland

von Elfy Roca

Unter dem Titel «27 Apfelbäume. Brüder und Botschafter für die kulturellen und freundschaftlichen Verbindungen der Schweiz mit Russland» berichtete «Zeit-Fragen» Nr. 53 vom 19. Dezember 2012 über die Renovation der schweizer Botschaft in Moskau, über die Freundschaft zwischen den beiden Ländern, die wertvolle und wichtige Zusammenarbeit der beiden Nationen und über das Kunstprojekt der Waadtländer Künstlerin Anne-Julie Raccoursier.

Am 23. April wurde nun in Elm im Kanton Glarus im Rahmen einer würdigen Zeremonie der zehnte Apfelbaum feierlich gepflanzt.

Ein kurzer Blick zurück

Seit mehr als 200 Jahren pflegen die Schweiz und Russland eine freundschaftliche Beziehung. Sowohl im humanitären als auch im wirtschaftlichen Bereich besteht damals wie heute eine intensive Zusammenarbeit. Der in den letzten Jahren immer umfangreichere Austausch der beiden Nationen hat unter anderem zur Folge, dass die Schweizer Botschaft in Moskau umgebaut und erweitert werden muss.
Wie Zeit-Fragen berichtete, hatte die Jury des Projektwettbewerbes für diesen Neubau das Projekt «Berner Rosen» der Architekten Brauen + Wälchli auserkoren – so genannt, weil im neu gestalteten Innenhof der Anlage ein Apfelbaum der Sorte Berner Rosen gepflanzt werden soll.
Die Waadtländer Künstlerin Anne-­Julie Raccoursier, welche den Wettbewerb «Kunst am Bau» für die künstlerische Bereicherung der Schweizer Botschaft gewonnen hat, knüpft mit dem von ihr vorgeschlagenen Werk «Bi-Location» an diesen Apfelbaum an: Ihre Idee war, nicht ein Werk zu schaffen, das einzig in der Botschaft steht, sondern den Gedanken der Botschaft aufzugreifen und dabei auch etwas Verbindendes zwischen den beiden Ländern zu schaffen, etwas das auch ausserhalb der Botschaft – in der Schweiz – existiert. Dazu wird in jedem der 26 Schweizer Kantone ein Apfelbaum gepflanzt – lauter Bäume, die durch Pfropfung vom selben Baum der Sorte «Berner Rosen» gezogen wurden wie derjenige, der 2015 zur Einweihung der neuen Botschaft in Moskau gepflanzt werden soll. Sie sollen «als Botschafter der Beziehungen der beiden Länder wachsen und diese Verbindung lebendig halten. Ein Foto jedes Baumes mit der mit ihm verknüpften Geschichte bzw. Verbindung zu Russland wird dann im Eingangsbereich des renovierten Botschaftsgebäudes hängen und jedem Besucher einen kleinen Einblick in die vielfältigen Beziehungen der Länder und Menschen geben.»1

Der zehnte Apfelbaum im Kanton Glarus

Am 23. April wurde nun der zehnte Apfelbaum in Elm im Kanton Glarus gepflanzt. In Elm steht das Suworow-Haus, das dem russischen General Suworow vom 5. auf den 6. Oktober 1799 Quartier bot, als dieser mit seinem Heer die Alpen überquerte. Dass dieses Haus noch steht, verdanken die Schweiz und Russland Herrn alt Stände- und Regierungsrat Kaspar Rhyner. Er rettete das Haus vor dem Abbruch und restaurierte es 1970/71. Danach liess er es unter den Schutz von Bund und Kanton stellen. Heute ist es aus dem Elmer Dorfbild nicht mehr wegzudenken.
Aber die Leistung von Kaspar Rhyner geht weit über das hinaus. Seit vielen Jahren setzt er sich für das Erbe früherer Generationen ein und lässt die schweizerisch-russische Vergangenheit immer wieder lebendig werden. Jeder, der sich für die Geschichte des Generals Suworow und dessen Alpenüberquerung interessiert, trifft bei ihm auf offene Türen. Aber auch für die Gemeinde Elm, das Glarnerland und die Schweiz, im speziellen das Schweizer Militär (in Elm befindet sich der Schiessplatz Wichlen) ist Kaspar Rhyner unermüdlich tätig. Unzählige Zeugen der Vergangenheit, so zum Beispiel das Schiefertafelmuseum in Elm, verdanken ihre Erhaltung dem Wirken von Kaspar Rhyner. Nicht nur in der Schweiz, auch mit dem Ausland, im speziellen mit Russ­land, pflegt Kaspar Rhyner freundschaftliche Beziehungen, und immer wieder sind russische Delegationen bei ihm zu Besuch. Für dieses Engagement wurde Kaspar Rhyner anlässlich eines Weihnachtsempfangs in der russischen Botschaft in Bern am 13. Dezember 2012 mit einer Medaille für «Freundschaft und Zusammenarbeit» ausgezeichnet, welche ihm der russische Botschafter Alexander Golowin im Namen der russischen Föderation höchstpersönlich überreichte.

Standort neben dem Suworow-Haus

Für den Standort des Apfelbaumes für den Kanton Glarus kam also nur ein Ort in Frage: Das Suworow-Haus in Elm. Die ursprüngliche Idee, den Baum hinter dem Haus zu pflanzen, musste bald fallengelassen werden, da der Baum mit dem Suworow-Haus zusammen ein Gesamtkunstwerk bilden soll. Nach einer Besichtigung durch die Künstlerin Anne-Julie Raccoursier vor Ort kam eigentlich nur ein Platz in Frage: Der Garten des Nachbarn, Dr. Martin Vosseler. Auch Herrn Vosseler verbindet so manches mit Russland: Schon sein Vater, Geographieprofessor in Basel, pflegte intensiven Austausch mit Russland, er war tief beeindruckt von der russischen Kultur und gab diese Begeisterung an seinen Sohn weiter. Herr Vosseler wurde Arzt und setzte sich im Zusammenhang mit seinem Engagement beim Verein «Internationale Ärzte und Ärztinnen für die Verhütung eines Atomkrieges» sehr für Russ­land ein. So durchwanderte er die Ukraine nach der Tschernobyl-Katastrophe mit dem Ziel der Völkerverständigung. Auch 2011, diesmal im Zusammenhang seines Engagements bei sun21, welche sich unter anderem für Energieeffizienz und die Erreichung einer 2000-Watt-Gesellschaft einsetzt, war er zu Fuss von Basel nach Sankt Petersburg unterwegs. Er spricht Russisch und war genauso wie Kaspar Rhyner von der Idee, den Apfelbaum in Elm zu pflanzen, begeistert.

Grossaufmarsch in Elm

Am 23. April, punkt 10 Uhr, war es soweit, die feierliche Zeremonie zur Pflanzung begann. Viele Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft des Kantons Glarus kamen ebenso nach Elm wie der erste Botschaftsrat von Russland, Vladimir Pashchenko, der extra aus Bern anreiste. Ein beflaggtes Suworow-Haus und drei Beresina Grenadiere boten dazu bei herrlichem Sonnenschein eine wunderbare Kulisse. Nach der Vorstellung aller Anwesenden durch Kaspar Rhyner erklärte die Künstlerin Anne-Julie Raccoursier ihre völkerverbindende Idee. Mit der Pflanzung von 26 Apfelbäumen, in jedem Kanton der Schweiz einen an einem Platz, der für die schweizerisch-russischen Beziehungen steht – würdigt sie nicht nur die Freundschaft der beiden Nationen, sondern auch den föderalistischen Aufbau der Schweiz.
Alphornklänge begleiteten daraufhin die Pflanzung der «Berner Rose», die von Anne-Julie Raccoursier, Kaspar Rhyner und Martin Vosseler gemeinsam vollbracht wurde.
Der erste Botschaftsrat von Russland, Vladimir Pashchenko, enthüllte daraufhin zusammen mit Martin Vosseler die von Kaspar Rhyner gespendete Schiefertafel mit folgender Aufschrift:

«Ich bin eine von den 27 «BERNER ROSEN» und schlage hier in Elm beim Suworowhaus auf dem historischen Suworowweg Airolo – Panix – Ilanz meine Wurzeln. Ich symbolisiere die kulturelle und künstlerische Verbindung zur Botschaft der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Moskau.

Elm, im April 2013,
Anne-Julie Raccoursier»

Martin Vosseler zeigte sich in fliessendem Russisch hocherfreut, dass der Baum in seinem Garten gepflanzt wurde und so seine Beziehung zu Russland, die ja in seiner Familie schon Tradition hat, gefestigt wird.
Der erste russische Botschaftsrat, Vladimir Pashchenko, gab in seiner Ansprache der Hoffnung Ausdruck, dass der Baum ebenso fruchtbaren Boden finden möge, wie die Beziehung zwischen der Schweiz und Russland. Er würdigte die Idee des Baumes und bezeichnete ihn als Symbol für seine Arbeit als Botschafter. Wie eine Pflanze seien die Beziehungen zwischen Ländern etwas Lebendiges, das gepflegt werden muss.
Der letzte Redner, Pfarrer Eckehard Raster, setzte die Pflanzung des Baumes beim Suworow-Haus nochmals in den geschichtlichen Zusammenhang. Der Marsch des Generalfeldmarschalls sei sowohl für Russland eine wichtige Begebenheit als auch für das Glarnerland ein einschneidendes Erlebnis gewesen. Aber aus der Geschichte könne auch gelernt werden, dass aus einer Krise immer wieder etwas Neues und Schönes entstehen könne.
Der zehnte Baum ist nun gepflanzt, weitere werden in der ganzen Schweiz folgen, bis dann im Jahr 2015 in Moskau selbst die 27. Berner Rose gepflanzt wird, von der die 26 Schweizer Bäume gepfropft wurden. Eine völkerverbindende, die Freundschaft der beiden Länder fördernde Kunstaktion wird dann vollendet sein.    •

1 Zeit-Fragen Nr. 53 vom 19. Dezember 2012

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