Weltfrauentag – Nachtrag zum 8. März 1917

Weltfrauentag – Nachtrag zum 8. März 1917

von Rainer Schopf

Vor 100 Jahren, am 8. März 1917, demonstrierten in St. Petersburg Hunderttausende Frauen gegen den Hunger, die zaristische Regierung, den Krieg und für den Frieden. Sie forderten ihre Männer zurück aus dem mörderischen Ersten Weltkrieg. Nur eine Woche später musste Zar Nikolas II. zurücktreten. Der Druck der friedlichen Demonstranten war zu gross geworden, und die Generalität verweigerte dem Zaren, den Aufstand gewaltsam niederzuschlagen und auf die Demonstranten zu schiessen. Es war also eine bürgerliche Revolution, angeführt von Frauen, die bereits im März 1917 in Russland eine monarchische Demokratie erzwangen. Die Frauen haben Presse-, Religions- und Meinungsfreiheit auf friedliche Weise erstritten und durchgesetzt und erreicht, dass die Verbannung nach Sibirien verboten wurde.
Dieser grosse Erfolg konnte in den nächsten Monaten leider nicht in tragfähiges Regierungshandeln überführt werden. Marxisten, Bolschewiken, Sozialisten und andere setzten sich an die Spitze der Bewegung und lenkten die Massen in ihre Bahnen. Der Rest ist bekannt. In der Oktober-Revolution übernahm Lenin mit seinen Getreuen die Macht in St. Peterburg, liess die Zarenfamilie ermorden und errichtete eine Diktatur, in der später unter Stalin Millionen Russen ermordet wurden.
Der Weltfrauentag wurde 1910 von Klara Zetkin erstmals ohne festes Datum proklamiert und 1921, in Erinnerung an die MärzRevolution der Frauen von 1917, auf den 8. März festgelegt. Dieses Jahr hat sich der Aufstand der Frauen zum 100sten Mal gejährt, ohne dass vielen Menschen die Ereignisse von 1917 überhaupt bekannt sind. In der Geschichtsschreibung dominieren meist die Sieger, also Lenin vor den couragierten Frauen. Aber in den ehemaligen Ostblockländern findet man auch heute keinen leeren Tisch im Restaurant am 8. März, wenn man nicht rechtzeitig reserviert hat. Die Männer laden ihre Frauen zum Essen ein und überreichen ihnen Blumen als Anerkennung für ihren Einsatz für den Frieden. Eine wunderbare Tradition.    •

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