Saudi-Arabien und eine Welt, die wieder einmal am Abgrund steht

von Willy Wimmer, Staatssekretär im deutschen Verteidigungsministerium a. D.

Ob der Angriff wie behauptet stattgefunden haben kann, vermag man vor dem Hintergrund von Erklärungen nicht zu überblicken. Auch die möglichen Folgen sind umfassend. Ein Umstand ist allerdings völlig neu, und man kann das nur begreifen, wenn man die Umstände kennt, auf die ich in meinem Buch «Deutschland im Umbruch» hingewiesen und als die Beweggründe aufgeführt habe, die zur Aufstellung des Kandidaten Trump geführt haben sollen.
Es waren drei Elemente, über die in den Vereinigten Staaten bis heute heftig debattiert wird: der mögliche Zusammenbruch der Infrastruktur, der Aufschrei in den amerikanischen Klein- und Mittelstädten über die endlose Reihe von Zinksärgen sowie die explosionsartig ansteigende Zahl von antisemitischen Vorfällen.
Diese drei Elemente bestehen unverändert fort, und Präsident Trump ist sich vor dem Hintergrund seiner Erklärungen und seines Handelns dieser Umstände sehr bewusst. Man kann davon ausgehen, dass sein ständiges Betonen seiner Bindungen an alle seine Wahlversprechen den vorgenannten Umständen geschuldet ist. So sieht in Anbetracht einer geradezu verzweifelten Lage eine Art von «Selbstschutz» aus.
Wer immer das in Saudi-Arabien herbeigeführt haben sollte, wird diese Dimension vor Augen gehabt haben. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als das Schicksal der Vereinigten Staaten auf des Messers Schneide zu sehen, wenn die durchaus umsichtige Vorgehensweise des Präsidenten Trump von ihm oder anderen amerikanischen Kräften nicht beibehalten werden sollte.
Selbst in einer Zeit, in der die Regierungen weltweit dazu übergegangen sind, ihren Bürgern keine Erklärungen mehr zu liefern, und sich dieser Verpflichtung durch «mentale Kampfgruppen» entziehen, die mit dem Begriff «Verschwörungstheorien» die Bürger niederzuhalten haben, wird das eine oder andere berichtet. Dazu zählt die intensive Reisetätigkeit des noch im Amt befindlichen israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu. Nicht nur die Dauerbesuche beim russischen Präsidenten fallen auf. So flog Ministerpräsident Netanjahu vor wenigen Tagen und mitten im Endspurt des alles entscheidenden Wahlkampfes zum britischen Premier Boris Johnson – und das für ein Treffen von 45 Minuten Dauer. Das ist nicht nur das Eingeständnis darüber, dass keine Kommunikationsverbindung mehr sicher genannt werden kann. Es ist wie in alten Zeiten, in denen Nachrichten «durch Offizier, von Hand zu Hand» übergeben wurden. Man fliegt nicht für 45 Minuten nach London, um Tee zu trinken.
In Berlin wird sofort von einem bevorstehenden Krieg gefaselt. Man sollte sich in letzter Sekunde Gedanken darüber machen, was es für den Frieden in der Welt bedeutet, wenn sich die Bundeskanzlerin – für alle Welt sichtbar – auf die Seite der Washingtoner Kriegskoalitionäre vom Schlage Clinton, Obama und Graham gegen den Präsidenten Trump schlägt. Und was dieses Verhalten für die Riege Putin, Netanjahu, Trump bedeutet, die bislang den Nachweis zu liefern in der Lage gewesen sind, es miteinander zu können. Wer hindert diese Herren eigentlich daran, ihren erklärten Willen umzusetzen? Das sollten sich Frau Dr. Merkel und Herr Macron schnellstens fragen.
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km.Der dichte Kommentar Willy Wimmers zu den Angriffen auf wichtige Teile der saudi-arabischen Ölindustrie macht deutlich: Die US-Regierung kann, so lange sie noch einigermassen rational handelt, keinerlei Interesse an einer Beteiligung an einem neuen Krieg im Nahen Osten haben. Ein weiterer Krieg würde nicht nur die Wiederwahl von Donald Trump verunmöglichen, sondern auch den Untergang des eignen Landes heraufbeschwören. Der derzeit noch amtierende Premierminister Israels und der russische Präsident können auch kein Interesse an einem neuen Krieg im Nahen Osten haben, nicht zuletzt, weil sie ein Interesse daran haben, dass der amtierende US-Präsident im Amt bleibt. Und wie sieht es mit Saudi-Arabien und Iran aus? Willy Wimmer geht auf diese Frage nicht ein, aber auch hier wird man eher abwinken müssen. Doch wo stehen die deutsche und die französische Regierung?

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