«Massive Pressevorbereitung für eine westliche Konfrontation mit China»

von Willy Wimmer, Statssekretär a. D. im deutschen Verteidigungsministerium

«Schon lange sind anglo-japanische Pläne bekannt, aus dem grossen und einheitlichen China mindestens acht neue Staaten zu machen. Damit wäre der aufwachsende globale Faktor China temporär jedenfalls auf Eis gelegt. Wir werden in absehbarer Zeit bei den bekannten ‹hot spots› in China sehen können, wo noch gezündelt wird […].»

Es stellt sich unter globalen Aspekten ein Déjà-vu-Erlebnis ein, wenn man die massive Pressevorbereitung für eine westliche Konfrontation mit China in diesen Tagen wahrnimmt. Bewusst wird an den alten Konfliktlinien gerüttelt, um China zu destabilisieren. Es sind beunruhigende Vorzeichen.
Schwadronierte in Zusammenhang mit dem Afghanistan-Krieg und dem Einsatz der Bundeswehr ein ehemaliger deutscher Verteidigungsminister davon, «Deutschland werde am Hindukusch verteidigt», wird es jetzt ernst gegen China.
Die Pressegeschütze werden entlang der augenfälligen Konfliktlinien über das Hauptquartier in Washington in Stellung gebracht. Die chinesische Provinz Xingjiang und die dort lebenden Turk-Völker werden in Stellung gebracht gegen die Zentralregierung in Peking. Die Lage ist geradezu für einen Grosskonflikt angerichtet.
Ein Konflikt übrigens, der in seiner Grundstruktur seit fast dreissig Jahren Muskeln entwickelt hat. Damit wird jetzt gespielt, weil das chinesische Mega-Projekt der «Seidenstrasse» den gemeinsamen euro-asiatischen Kontinent sichtbar zusammenwachsen lässt. Damit werden die amerikanische Dominanz der globalen Handelswege und das Sanktionsgeschäft zur Vernichtung von Staaten in Friedenszeiten dauerhaft geschwächt. Die Ereignisse in Hongkong zeigen nachhaltig, dass an den Ecken und Kanten Chinas mächtig gerüttelt wird.
Schon lange sind anglo-japanische Pläne bekannt, aus dem grossen und einheitlichen China mindestens acht neue Staaten zu machen. Damit wäre der aufwachsende globale Faktor China temporär jedenfalls auf Eis gelegt. Wir werden in absehbarer Zeit bei den bekannten «hot spots» in China sehen können, wo noch gezündelt wird und möglichst grosse globale Anteilnahme hinter durchsichtigen Rivalitätsmanövern organisiert werden kann.
In Xingjiang und in Zusammenhang mit vor allem den Uiguren zeichnet sich der globale Grundkonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem «Rest der Welt» geradezu beispielhaft ab. Seit den Kämpfen vor Jahrzehnten am Fluss Ussuri zwischen den damaligen kommunistischen Mächten Sowjet­union und Volksrepublik China weiss die Welt um die Sensibilität in dieser Region. Deshalb hat sich vor allem der kasachische langjährige Staatspräsident Naserbajew darum bemüht, zwischen den betroffenen Staaten nach dem Modell der «Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa» einen Mechanismus zur Konfliktverhinderung zu entwickeln.
Übrigens mit grossem Erfolg, wie die heutige «Shanghai-Kooperationsgruppe» zeigt. Östlich von Moskau machen die Staaten dabei mit, weil sie die mühsame Arbeit für den Frieden jedem Krieg vorziehen. Seit dem Zerfall der Sowjetunion wird an diesen Konzepten gearbeitet, wie ich als Teilnehmer der Vorbereitungskonferenzen in Almaty hautnah erleben konnte. Es sollte unter allen Umständen verhindert werden, dass sich der Zerfallsprozess der Sowjetunion auf chinesischem Territorium zu einem gewaltigen Krieg würde entwickeln können. Man regelte die Grenzfragen und schuf neue Autonomie-Regeln, um in einer dramatisch komplizierten Lage Krieg zu verhindern.
Vom ersten Tage an waren die Vereinigten Staaten massiv dagegen, einen Mechanismus zur friedlichen Konfliktbeilegung zu entwickeln. Das Konferenzprojekt der «Shanghai-Gruppe» wurde sabotiert, wo es nur ging. Als sich die Staaten vor Ort dennoch verständigten, verliessen die Vereinigten Staaten das Konferenzprojekt.
Seither kann jeder, der es will, verfolgen, wie die beiden rivalisierenden Konzepte miteinander ringen. Seit dem Bau des «Drei-Schluchten-Staudammes» am Jangtse-Fluss versucht die chinesische Zentralregierung, die demographische Grundstruktur in Xing­jiang zugunsten der chinesisch-stämmigen Bevölkerung zu verändern.
Im vergangenen Jahrzehnt waren deutsche Magazine sich nicht zu schade, von CIA-gesteuerten Aufständen in dieser Provinz zu schreiben. Wie der amerikanisch-chinesische Globalkonflikt die jetzige Zeit dominiert, kann man an den Angriffen aus den Vereinigten Staaten gegen chinesische Investitionen in Pakistan im Zusammenhang mit der Seidenstrasse verfolgen.
Und wir in Deutschland? Das kaiserliche Deutschland wusste über seine Wissenschaftler und Expeditionen in dieser Region, was dort vor sich ging. Schon damals in der Rivalität zu anderen Mächten. In der jetzigen Zeit war es eine bereits zu der Vorbereitungszeit der «Shanghai-Gruppe» absehbare strategische Entscheidung seitens der Vereinigten Staaten, das Welt-Hauptquartier der Uiguren in München anzusiedeln. Die daraus ableitbaren Mechanismen sind aus anderen Konflikten, die auf Krieg hinausliefen, durchaus bekannt.    •

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