Menschenhandel und Sexsklaverei – Organisierte Kriminalität im Rotlichtmilieu

Zum neuen Buch von Manfred Paulus

von Erika Vögeli

Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, individuelle Freiheitsrechte und die Achtung der Menschenwürde gehören zweifellos zu den wertvollsten Errungenschaften europäischer Geistes- und Rechtsgeschichte, und wir geniessen diese heute in einem Ausmass wie kaum eine Generation zuvor. Nicht selten wähnen wir uns in Westeuropa daher als fortschrittlicher und Ländern anderer Weltregionen überlegen. Das neu erschienene Buch von Manfred Paulus, «Menschenhandel und Sexsklaverei – Organisierte Kriminalität im Rotlichtmilieu», setzt dieser Selbsteinschätzung allerdings eine Realität entgegen, in der mitten in unseren Rechtsstaaten Menschen zur Ware gemacht, «die Schwächsten und Hilflosesten einer Gesellschaft versklavt, willkürlich benutzt, ihrer Würde beraubt und in menschenverachtender Weise erniedrigt und zerstört werden» (S. 7).

Manfred Paulus weiss, wovon er spricht: 30 Jahre nationale und internationale Ermittlungserfahrung im Bereich Menschenhandel und Rotlichtkriminalität, 25 Jahre Präventionsarbeit im Auftrag verschiedener Organisationen in Ost- und Südeuropa haben ihn in sämtliche Niederungen dieser Bereiche geführt und seinen Blick für die Zusammenhänge, für die Mechanismen der Abhängigkeiten und für die Denk- und Vorgehensweisen der verschiedenen Beteiligten geschärft, ihn aber auch gründlich mit der Brutalität des Milieus und dem damit verbundenen Elend vertraut gemacht. Und all seine Erfahrungen und Einsichten haben ihm eines unzweifelhaft vor Augen geführt: Die Entwicklung in einigen westlichen Staaten, auf Grund derer unter Schlagworten wie «Entdiskriminierung» einer «weniger repressiven» Sexualmoral und einer angeblich «offener» gewordenen Gesellschaft eine sogenannt «liberalere» Gesetzgebung entstand, ist ein wesentlicher Teil des Problems, sie trägt nichts zum Schutz der Opfer des Sexgeschäftes bei, im Gegenteil.

Lug, Betrug und nackte Gewalt

Die angebliche Freiwilligkeit der Prostitution verweist Manfred Paulus in den Bereich der Mythen. Alle Beispiele und Erfahrungen, die er schildert, machen einsichtig: Da ist nichts freiwillig. Über 90 % der Frauen, die in Deutschland im Milieu arbeiten müssen, sind Ausländerinnen, unter anderem aus Afrika, Südamerika, Südostasien, vor allem aber aus Südosteuropa. «Sie alle haben eines gemeinsam: Sie kommen aus der Armut und viele zudem aus zerrütteten, nicht selten katastrophalen Familienverhältnissen. Sie alle wollen einer bedrückenden Perspektivlosigkeit und oft prekären Lebenssituation entkommen und ein bisschen am Wohlstand und am Glück dieser Welt teilhaben.» (S. 43) Das macht sie anfällig für verlockende Angebote – aber ohne Gewalt, oft brutalste Methoden und Betrug würden sie wohl alle baldmöglichst wieder nach Hause zurückkehren, denn was sie in Deutschland und anderswo erwartet, ist nichts anderes als die Hölle. Die als 12jährige an einen Kinderhändler in Bangkok verkaufte Ben zum Beispiel, der ein Deutscher als Sextourist in Deutschland eine lukrative Stelle in der Gastronomie vorgaukelte und die dort eingesperrt in einem Bretterverschlag Rocker zu «bedienen» hatte. Oder Ioana aus Rumänien – sie wusste natürlich nicht, dass ein Zuhälter ihre schon länger in Deutschland weilende Freundin gezwungen hatte, sie damit anzuwerben, dass man in Deutschland «als Putzfrau» enorm viel Geld verdienen könne. Anstatt ihrem Sohn durch eine solche Stelle ein besseres Leben ermöglichen zu können, wurde sie auf Grund der Prügel ihres Zuhälters zum Pflegefall und verstarb. Galina aus Weissrussland verdiente zu wenig für ihr Baby und ihre Mutter, so folgte sie dem Angebot eines Landsmannes für eine gut bezahlte Stelle als Altenpflegerin in Polen – statt dessen wurde sie allerdings an den deutschen Boss eines Callgirl-Rings verschachert, gefangen, versklavt, nach Deutschland verschleppt. Zana aus Bulgarien wurde eine tolle Stelle als Kellnerin versprochen, mit der sie für bulgarische Verhältnisse unglaublich viel Geld verdienen könne, und die 17jährige Maja aus ärmlichsten Verhältnissen in Bukarest nahm das Angebot einer Nachbarin, als Gemüsepflückerin in Deutschland zu arbeiten, als die Chance ihres Lebens an – und landete in einer Wohnung im Saarland, von wo man sie nach Prügeln und Vergewaltigungen in ein Hinterhofbordell verbrachte und befahl: «Du machst alles, was die Männer von dir wollen.»
   
Andere werden Opfer eines «Loverboys»: Bei dieser zunehmend häufiger eingesetzten Methode wird Mädchen von jungen Männern Liebe vorgespielt und eine wunderbare, goldene Zukunft versprochen. Systematisch aus dem bisherigen Beziehungsnetz herausgelöst, vermögen sie sich der allmählich zunehmenden Gewalt immer weniger zu entziehen. Schliesslich hat man sie dort, wo man sie haben will: im Bordell. Davor, so dokumentiert das Beispiel einer Studentin der Rechtswissenschaften, sind auch deutsche Mädchen nicht gefeit (S. 22f.).
   
Anwerbung und Schleusung nennt man diese Vorgänge in der Fachsprache: Anwerbung durch betrügerisches Vorgaukeln falscher Perspektiven, die dann sehr schnell einer brutalen Realität weichen, wenn nämlich in der Phase der Schleusung die Frauen mittels Drohungen und Gewalt, mittels Drogen und Kriminalisierung eingeschüchtert und in ihrem Selbstwertgefühl gebrochen werden, um sie für die «Arbeit», die ihnen bevorsteht, entsprechend «brauchbar» zu machen (Kapitel 4).

Der Mythos der Freiwilligkeit …

Es ist nackte, unsägliche Gewalt, die in diesem Milieu herrscht – und dies auch «in scheinbar über jeden Zweifel erhabenen Nobelbordellen», in denen laut den verantwortlichen Bordellbetreibern «selbstverständlich freiwillig und selbstbestimmt anschaffende Damen» in Wirklichkeit brutal ausgebeutet und ihrer menschlichen Würde beraubt werden.
   
Manfred Paulus lässt keinen Zweifel: Die Argumentation, wonach Prostitution «freiwillig» sei, ein «Gewerbe» wie jedes andere, dient den Betreibern dieses Sklavenhaltergeschäftes. Sie überlässt die betroffenen Opfer, die Frauen und Kinder einem gewalttätigen Milieu und bereitet nicht zuletzt der in diesem Bereich breit vertretenen Organisierten Kriminalität den Boden. Für diese hat der Menschenhandel gegenüber dem Drogen- oder Waffenhandel einen unvergleichlichen «Vorteil», wie Manfred Paulus bitter anmerkt: «Ein Kilogramm Heroin oder eine Kalaschnikow kann nur einmal verkauft werden, dann muss wieder neu investiert werden. Die ‹Ware Mensch› kann dagegen über viele Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg ausgebeutet werden – und sie wächst ständig nach.» (S. 121)

… Wunschargument des Milieus

Überall dort, wo Prostitution zur «freiwillig» ausgeübten «Dienstleistung» und zu einem «gewöhnlichen Gewerbe» erklärt worden ist, die man gerne von Zwangsprostitution und Sexsklaverei unterschieden haben möchte, hat sich das Problem des Menschenhandels mit der Ware Frau und Kind dramatisch verschärft. Entgegen der Argumentation der Befürworter hat sie nichts zum Schutz der betroffenen Frauen, Mädchen und Kinder beigetragen. Sie ist im Gegenteil – auch das kann Manfred Paulus aus reicher Erfahrung darlegen – die Wunschargumentation des Milieus und der Organisierten Kriminalität, sie verschafft ihr den nötigen Spielraum, um ihr Geschäft möglichst ungehindert und unbehelligt zu verfolgen. Das, so Manfred Paulus, werfe Fragen auf: «Wie kann es sein, dass sich die deutsche Gesetzgebung [und nicht nur diese] und die zumindest in Teilen von Kriminellen kontrollierten und beherrschten Milieus im Rotlicht und deren Interessenverbände in ihrer Argumentation und Beurteilung der Lage so nahekommen?» (S. 24) Er erwägt verschiedene Aspekte: Wirtschaftliche Interessen angesichts der Tatsache, dass das zu einem Milliardenmarkt angewachsene Geschäft mit dem Sex «fraglos ein -Posten im Rahmen des deutschen Bruttoinlandproduktes (BIP)» geworden sei. Ausserdem gehört es zu den bekannten Praktiken der Milieubetreiber, Prostituierte gezielt dafür einzusetzen, sich einflussreichen, mit Macht ausgestatteten Männern zu nähern, um sie einzubinden, Abhängigkeiten zu schaffen – die Angst vor peinlichen Enthüllungen trägt dann das ihre bei, um das Schattenreich im Bereich Menschenhandel und Sexsklaverei zu erhalten oder gar zu fördern. Beispielsweise durch eine entsprechende Gesetzgebung.

Lobbyarbeit der Organisierten Kriminalität

Die Profiteure des Milliardengeschäftes betreiben auch andere Formen der Lobbyarbeit: Neben sehr erfolgreich tätigen Nichtregierungsorganisationen zum Schutz von Frauen und Kindern schildert Manfred Paulus auch einige seltsame «Hilfsorganisationen» – oft von staatlichen Stellen, der Europäischen Union und selbst einigen Diakonien grosszügig finanziell unterstützt. Gemeinsam ist ihnen die «Freiwilligkeits»-Doktrin, zu der das Gerede von «Sexarbeit ist Arbeit», ein «gewöhnliches Gewerbe» usw. gehört, und die Tatsache, dass sie den hilfesuchenden Frauen wenig bis nichts zum Ausstieg aus der Prostitution an die Hand geben. Statt dessen Tips und Tricks für die «Arbeit», Angebote zum Wiedereinstieg, zur Fortbildung und Professionalisierung – in der Prostitution selbstverständlich.
   
Am Beispiel von Amnesty International und deren 2015 erfolgten Erklärung, inskünftig für die Legalisierung der Prostitution eintreten zu wollen, da deren Einschränkung Menschen diskriminiere, die ein menschliches Bedürfnis nicht «auf traditionellem Weg» erfüllen könnten, zeigt Manfred Paulus, wie gezielt das Milieu vorgeht, um eine entsprechende Gesetzgebung auf den Weg zu bringen. Beitreten und von innen «gnadenlos bearbeiten», lautete die Aufforderung des Lobbyisten, denn: «Amnesty auf unsere Seite zu kriegen, wird unserem Ziel einen riesigen Schub geben.» (S. 180f.)

Seelische und gesellschaftliche Schäden

Der Autor stellt auch die Frage nach den individuellen und gesellschaftlichen Schäden dieser ganzen Entwicklung, etwa bei einer «Reise durch die zahlreichen Freier-Foren im Internet», auf denen man «einer oft menschenverachtenden, zutiefst erniedrigenden und verletzenden Sprache» begegnet. «Jeder Versuch, auch nur einen Hauch von Normalität in dem ‹Beruf› der Prostituierten zu sehen, wird dabei brutal zerstört und zunichte gemacht.» (S. 163) Und er stellt die Frage nach der Wirkung solch menschenverachtender Beschreibungen auf die Gesellschaft, die Frage nach dem damit vermittelten Frauenbild und der Gemeinschädlichkeit solcher Vorstellungen.
   
Es überrascht nach seinen Ausführungen nicht, dass eine amerikanische Studie feststellt, «dass 68 % der Frauen in der Prostitution eine Belastungsstörung entwickeln, die in ihrer Intensität der von Kriegsveteranen und Folteropfern gleicht». (S. 164)
   
Schon sein Blick in die Geschichte der Prostitution (Kapitel 2) macht vor allem eines deutlich: Für die betroffenen Frauen bzw. Kinder hat sich im Laufe der Jahrhunderte oder gar Jahrtausende wenig verändert. Man mag die Selbstverständlichkeit und die Offenheit der Gewaltanwendung vor Jahrhunderten als schlimmer veranschlagen – aber Zwang und brutale Gewalt, Erniedrigung, Ausweglosigkeit und Ausgeliefertsein wirken heute wie damals zerstörerisch auf das Leben der Betroffenen.
   
Selbst die Domina – gerne als Modell der freien, selbstbewussten Frau präsentiert – verweist die Vorstellung der «selbstbestimmten» «freiwilligen» Prostituierten ins Reich des Irrealen: «‹Wenn eine Frau für sexuelle Handlungen Geld nimmt, ist das immer eine dienende Tätigkeit›, klärt eine ehemalige Domina auf, ‹und es gibt drei Gründe, dies zu tun und damit in die Prostitution einzusteigen: Armut, seelische Probleme oder Armut und seelische Probleme.›» (S. 165)

Schwierigkeiten von Polizei und Justiz

Auch aus reicher Erfahrung schildert der Autor die Schwierigkeiten von Polizeiarbeit und Justiz und nicht zuletzt die Gefährdungen von Demokratie und Rechtsstaat, die aus dieser gesellschaftlichen Entwicklung resultieren. Der Freiwilligkeitsmythos erweist sich hier als regelrechte Rechtsverhinderungsideologie: Frauen sind nicht mehr Opfer, sondern «Dienstleisterinnen», und «durch diese Legalisierung kann ein polizeiliches Tätigwerden im Milieu erheblich erschwert oder gar verhindert werden.» (S. 136) Angesichts der reichlich in den Gerichtssälen vertretenen Vertreter des Rotlichts trauen sich Frauen kaum zur Polizei – so sie überhaupt die Bewegungsfreiheit dazu hätten. Und von Anfang an wird ihnen mit entsprechenden Methoden das Mafia-Gesetz eingebläut, wonach Verrat mit den drastischsten Strafen bedroht wird. Der schlimmste Verrat im Rotlichtmilieu aber wäre es, sollten Frauen «jemals zu erkennen geben, dass sie nicht freiwillig der Prostitution nachgehen, sondern dazu gezwungen werden». (S. 110) Dass die Arbeit in diesem Umfeld für Polizei und Justiz sehr schwierig und anspruchsvoll ist, lässt sich unschwer nachvollziehen.
   
Dass das aber nicht zwingend so sein muss, zeigen die Erfahrungen in Ländern, in denen diese ganze Legalisierungswelle nicht Fuss fassen konnte, wie Island, Norwegen, Kanada, Nordirland, Frankreich, Irland und Schweden, das Manfred Paulus ausführlicher darstellt.

Erfahrungen mit dem Schwedischen Modell

Auch in Schweden dachte man über eine Änderung der Prostitutionsgesetzgebung nach – allerdings mit anderen Vorzeichen und Konsequenzen: Hier wurde der Sexkauf 1998 kriminalisiert, und die Freier wurden mit Strafe bedroht. «Dieser Gesetzgebung [dem Schwedischen Modell] liegt zugrunde, dass die Prostitution von der schwedischen Gesellschaft grundsätzlich als Männergewalt gegen Frauen und Kinder gesehen wurde.» (S. 145) Zwar befürwortete im Vorfeld der Gesetzgebung nur rund ein Drittel der schwedischen Bevölkerung ein entsprechendes Sexkaufverbot, mittlerweile werde dieses aber von 80 % der Frauen und 60–70 % der Männer positiv bewertet, und Prostitution gelte mittlerweile als inakzeptabel. Obwohl sie auch in Schweden nicht gänzlich zum Verschwinden gebracht werden könne, kommt Manfred Paulus zu einem klaren Schluss: Es «führt kein Weg an Massnahmen vorbei, die dem ‹Schwedischen Modell› gleichen», wenn den Opfern wirklich geholfen, Menschenhandel wirklich eingeschränkt, die zerstörerischen Folgen für Opfer wie Gesellschaft tatsächlich eingedämmt und die Organisierte Kriminalität in diesem Bereich wirksam gestoppt werden solle. (S. 148)


«Aber eine tatsächliche Eindämmung des Problems Sexsklaverei und Menschenhandel erfordert ein gesellschaftliches Umdenken in den Ländern, die heute auf falsch verstandene Freiheit und Offenheit setzen. Ohne menschliche Moral – und dazu gehört der unbedingte Schutz und die Achtung der Menschenwürde eines jeden – verkommt Freiheit zur Macht des Stärkeren, Frecheren, Unverschämteren.»



Aufklärung und Hilfestellungen

In die gleiche Richtung weisen auch die Bemühungen zahlreicher Nichtregierungsorganisationen, deren Tätigkeit Manfred Paulus würdigt und unterstützt. Ihre Informations- und Aufklärungsarbeit in den am meisten betroffenen Ländern, oft in ausgesprochen sinnvoller Zusammenarbeit mit Vertretern der Polizei, zeitigt Früchte, genauso wie die polizeilichen und rechtlichen Massnahmen in diesen Ländern.
  
Aber eine tatsächliche Eindämmung des Problems Sexsklaverei und Menschenhandel erfordert ein gesellschaftliches Umdenken in den Ländern, die heute auf falsch verstandene Freiheit und Offenheit setzen. Ohne menschliche Moral – und dazu gehört der unbedingte Schutz und die Achtung der Menschenwürde eines jeden – verkommt Freiheit zur Macht des Stärkeren, Frecheren, Unverschämteren.
   
Das Buch ist teilweise harte Kost, aber dringend notwendig, und man empfindet auf jeder Seite das Engagement des Autors, der – längst im Rentenalter – sich auch anderen Dingen zuwenden könnte. Er weiss: Gewalt tolerieren heisst letztlich, sich ihr beugen. Mit allen Konsequenzen. Das Buch ist ein (erneuter) Aufruf an alle, sich des Problems bewusst zu werden und im eigenen Umfeld auf das dringend notwendige Umdenken hinzuwirken – zum Schutz der Opfer, der heranwachsenden Generation, aber auch zum Schutz und Erhalt von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.    •
 



Paulus, Manfred. Menschenhandel und Sexsklaverei. Organisierte Kriminalität im Rotlichtmilieu. Wien 2020. ISBN 978-3-85371-467-6

«Die[se] von den Milieubossen behauptete, von der Prostitutionslobby verbreitete und der deutschen Gesetzgebung zugrunde liegende Freiwilligkeit ist ein Mythos. Es wäre viel erreicht, würde eingeräumt werden, dass diese grundlegende Annahme freiwilligen Handelns angesichts der tatsächlichen Gegebenheiten falsch ist und dass sie den Handel mit der ‹Ware Frau und Kind› und die Sexsklaverei in hohem Masse begünstigt und fördert. Es wäre noch mehr erreicht, wenn erkannt werden würde, dass mit dieser grundsätzlichen Annahme von Freiwilligkeit Illegales, Verbrecherisches legalisiert und anhaltend toleriert wird.» (S. 9)

«Die gegenwärtigen Machtverhältnisse in den deutschen Milieus sind nicht nur Hinweis und Beleg dafür, dass längst bestens funktionierende und bewährte Vernetzungsstrukturen bestehen, die von den Roma-Ghettos in Bulgarien, den Armutsgebieten Rumäniens, den Krisen- und Kriegsgebieten in der Ukraine, den albanischen Bergen oder von Chisinau, Belgrad oder Budapest bis in die Rotlichtmilieus von Hamburg, Berlin, Hannover und Ulm reichen. Sie sind auch Hinweis und Beleg dafür, dass der Menschenhandel und die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Kindern in der Prostitution neben den eng damit verbundenen Drogengeschäften zum bedeutendsten und lukrativsten Geschäftsfeld der zu Recht gefürchteten OK geworden sind. Diese, die Rotlichtmilieus als Einfallstore nutzende OK ist gefährlich; ihre Einflussnahme hört an den Grenzen der Milieus nicht auf. Sie versucht weiter in die Gesellschaft einzudringen.» (S. 119 f.)

Manfred Paulus, Erster Kriminalhauptkommissar a. D., geboren 1943, trat 1963 in den Polizeidienst ein und leitete lange Jahre das Dezernat Sexualdelikte bei der Kriminalpolizei Ulm. Entsprechend verfügt er über langjährige Erfahrung im Bereich der Rotlichtkriminalität, des Frauen- und Kinderhandels und der Pädokriminalität nicht nur in Deutschland, sondern international. Er führte u. a. Ermittlungsverfahren in Thailand wegen Menschenhandels, erforschte im Auftrag der Europäischen Union Ursachen und Bedingungen des Frauenhandels in Weissrussland und folgte den Spuren der Menschenhändler in die Herkunftsländer der verschleppten Frauen und Kinder nach Osteuropa. Seit 2000 lehrt er an unterschiedlichen Polizeihochschulen. Auch im Ruhestand ist er weiter engagiert als Fachbuchautor, Lehrbeauftragter, Referent und international anerkannter Experte in Sachen Menschenhandel und Prostitution, nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Rekrutierungsländern Ost- und Südosteuropas. In der Republik Moldau und in Weissrussland  führt er Präventionsmassnahmen und Seminare zum Thema Frauenhandel durch und unterstützt die Herkunftsländer in ihren Bemühungen um Aufklärung und Prävention.

Bücher des Autors:

  • gemeinsam mit Adolf Gallwitz: Grünkram. Die Kinder-Sex-Mafia in Deutschland, Verlag Deutsche Polizeiliteratur 1998
  • Die Kinder-Sex-Mafia in Deutschland: Täterprofile, Pädophilenszene, Rechtslage, 1999
  • gemeinsam mit Adolf Gallwitz: Kinderfreunde – Kindermörder: Authentische Kriminalfälle /Fallanalysen /Vorbeugung, 2002
  • gemeinsam mit Adolf Gallwitz: Frauenhandel und Zwangsprostitution: Tatort Europa, 2003
  • gemeinsam mit Adolf Gallwitz: Pädokriminalität weltweit: Sexueller Kindermissbrauch, Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornographie, 2009
  • Im Schatten des Rotlichts. Verbrechen hinter glitzernden Fassaden. Auftragsmorde, Sexsklaverei, Zuhälterei, Waffen, Drogen, 2016
  • Menschenhandel und Sexsklaverei entlang der Donau, 2018

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