Corona – und wie weiter mit der Wirtschaft?

ds. Die weltweite Covid-19-Pandemie führt uns einmal mehr vor Augen, wie verletzlich das menschliche Leben ist. Das Virus hat aber nicht nur die Gesundheit und das Leben angegriffen, sondern gefährdet auch die wirtschaftliche Existenz zahlloser Menschen. Es hat sichtbar gemacht, wie störanfällig die globalisierte Wirtschaft ist: Werden die globalen Lieferketten an einem Ort unterbrochen, stehen an anderen Orten die Räder still. So werden in Europa die Medikamente knapp, wenn in China die Produktion medizinischer Grundstoffe zum Erliegen kommt. Und schliesslich hat das Virus Missstände ins Licht gerückt – etwa die Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern –, die an die Zeit des Sklavenhandels erinnern; und das im wirtschaftlich stärksten Land Europas.
    In den reichen Ländern der nördlichen Halbkugel haben milliardenschwere Hilfspakete bisher eine Massenarbeitslosigkeit verhindern können. Doch die langfristigen wirtschaftlichen Folgen sind noch kaum abzusehen; vor allem in den armen Ländern der südlichen Halbkugel. Hier trifft das Virus bereits auf Armut, mangelnde soziale Sicherheit und instabile politische Verhältnisse, wie das Beispiel des Kongo zeigt.
    Der Kolonialismus hat in Wahrheit nie aufgehört. Er setzt sich in unfairen Handelsbeziehungen des Nordens gegenüber dem Süden fort; nicht nur in Afrika, auch in Lateinamerika und einigen südöstlichen Ländern Europas. Die Rohstoffe und die menschliche Arbeitskraft werden weiterhin rücksichtslos ausgebeutet und die vielfältigen Kulturen und Wirtschaftsweisen der indigenen Völker weiterhin ignoriert und zum grossen Teil zerstört. Riesige Landressourcen werden zur industriellen Produktion der Lebensmittel für den Norden genutzt und der Elektroschrott und anderer Abfall der Zivilisation in die armen Länder des Südens entsorgt, wo Kinder dann auf Müllhalden nach Wiederverwertbarem suchen.
    Können wir angesichts solcher Umstände darauf vertrauen, dass alles wieder so wird wie vor Corona und die Wirtschaft wieder aufblüht, wenn wir mit teuren Kaufanreizen den Konsum in den reichen Ländern wieder ankurbeln? Oder ist es nicht geboten, dass wir unsere ganze Intelligenz und unser Können darauf verwenden, neue Wirtschaftsmodelle zu entwickeln, die sich nicht mehr am Profit, sondern an den Bedürfnissen der Menschen orientieren und so ihre Existenzgrundlage besser sichern und die gerechter sind?
    Ich denke, wir sind dazu verpflichtet, und ich bin zuversichtlich, dass dies möglich ist, wenn wir uns ohne das übliche Links-Rechts-Schema an die Arbeit machen. Schliesslich ist es uns ja auch gelungen, auf dem Mond zu landen, da sollte ein Wirtschaften zum Wohl aller Menschen doch auch möglich sein.  •

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