Nach der Abstimmung über das Jagdgesetz

Der Wolf in Graubünden

von Rico Calcagnini, Präsident Vereinigung Lebensräume ohne Grossraubtiere/Graubünden

Die internationale Rewilding Lobby mit der «Large Carnivore Initiative for Europe» (LCIE) und mit dem «Plan zur Wiederansiedlung des Wolfes in Europa» von Professor Luigi Boitani (Universität Rom) richtete bereits in vielen Ländern Europas grosse Schäden an. Auf 90 Seiten gibt Professor Boitani eine Anleitung zur Ansiedlung von Wölfen, beispielsweise rät er dazu, in neuen Gebieten oder in Gebieten mit nicht überlebensfähigen Populationen Wölfe freizusetzen. Die Problematik wurde zusätzlich verschärft mit dem strengen Schutz des Wolfes durch die sogenannte Berner Konvention. Diese wurde in den siebziger Jahren von vielen europäischen Ländern, vor allem von denen, die dazumal noch keine Wölfe hatten, unterschrieben.
   2018 beispielsweise rissen in Frankreich geschätzte 500 Wölfe 12 500 Nutztiere, und dies trotz Herdenschutz mit Elektrozäunen und 3800 Schutzhunden, das heisst, sieben Hunde pro Wolf! Anfangs zeigten diese Massnahmen noch eine Wirkung, aber der Wolf passte sich der Situation schnell an und entwickelte neue Strategien. Zum Beispiel greift er auch tagsüber an, wenn die Schafe nicht eingepfercht sind, oder er attackiert die Herden im Rudel, so dass die Schutzhunde keine Chance haben.
   Auch in der Schweiz entwickelte sich die Wolfspopulation rasant, wie das Beispiel des Kantons Graubünden zeigt. Aus den zwei Rudeln von 2018 wurden innerhalb von gut zwei Jahren deren sieben. Zudem werden die Wölfe immer dreister, sie verlieren die Scheu vor den Menschen, zirkulieren in bewohnten Gebieten, sogar auf dem Gelände einer Kinderskischule, brechen in Ställe ein, richten Massaker an Nutztieren in geschützten Weiden an und vergreifen sich neuerdings gar an Kälbern von Mutterkuhherden.
   Im Bündnerland wurden bis Ende September bereits über 200 Tiere gerissen und getötet, und es fand eine Steigerung nicht nur in der Anzahl statt, sondern auch in der Tiergattung: Zum ersten Mal sind ab August mindestens sechs Kälber aus Muttertierhaltung von Wölfen gerissen und angefressen worden, und zum ersten Mal wurde im September ein erwachsener Esel aus einem eingezäunten Areal von Wölfen gerissen und halb aufgefressen.
   Im Namen der Sicherheit von Tier und Mensch und des Weiterbestehens unserer Alpwirtschaft ist es höchste Zeit, dass unsere nationalen und kantonalen Behörden dieser verheerenden Dynamik mit der gezielten Regulierung der Wölfe ein Ende setzen können. Unsere Bergbauern sind verzweifelt, sie stossen an ihre Grenzen und werden die Nutztierhaltung im Alpengebiet mit der Zeit aufgeben. Dies insbesondere nach der knappen Ablehnung des revidierten Jagdgesetzes am 27. September durch das Volk. Damit wurde eine Chance verpasst, einen Schritt in die richtige Richtung zu tun und den Kantonen bei der Regulierung der Grossraubtierbestände mehr Autonomie zu geben, wie es mit anderen geschützten Tierarten, wie z. B. mit dem Steinwild, bereits erfolgreich geschieht. So haben die Tier- und Naturschutzorganisationen mit ihrer flächendeckenden, millionenschweren Nein-Propaganda die Bedürfnisse der Bevölkerung der Berggebiete missachtet und dem Artenreichtum im Alpengebiet einen Bärendienst erwiesen.
   Es stellt sich nun die Frage, wie die untragbare Situation in einzelnen Regionen zum Besseren gewendet und die Dynamik der Verbreitung der Grossraubtiere gestoppt werden kann. Die Referendums-Organisationen sind gefordert, bei der Suche nach tragbaren Lösungen mitzutun, angesichts der Tatsache, dass sie nach der Abstimmung die Notwendigkeit einer Regulierung der Wolfbestände zugegeben haben («Neue Zürcher Zeitung» vom 28. September 2020: «Ein Wolfsgraben spaltet das Land»).
   Unsere Organisation wird sich auch in Zukunft für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Alp-und Berglandwirtschaft, für die Biodiversität und die Sicherheit von Tieren, Landschaften und Menschen einsetzen. Es darf nicht sein, dass die Grossraubtiere überhandnehmen, die Bergbauern verdrängt werden und die gepflegten Alpweiden zuwachsen und verganden. Unsere Alpen sollen nicht zu einer Wildnis verkommen.  •

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