Sorge für die Natur und ihre Geschöpfe

Zu Meredith Mays Roman «Der Honigbus»

dk. Der Roman* schildert die Geschichte von Meredith und ihrem Bruder Matthew. Nach der Scheidung der Eltern werden die beiden von ihrer Mutter völlig sich selbst überlassen. Diese verbringt nicht selten mehrere Tage mit Depressionen im Bett. Die beiden Geschwister finden ihren einzigen Halt bei ihrem Grossvater, einem passionierten Imker, der sie in die faszinierende Welt der Honigbienen einführt. Er hält in Big Sur an der kalifornischen Küste mehrere Bienenstöcke. Der Honig wird von ihm in einem alten ausrangierten Bus aufbereitet.
Schon bald nach ihrer Ankunft bei den Grosseltern erfahren Meredith und Matthew, dass Bienen nur stechen, um ihr Zuhause zu verteidigen. Ein Bienenstock ist vergleichbar mit einem Schloss mit einer Königin, aber ohne König. «‹Alle arbeitenden Bienen sind weiblich; ungefähr sechzigtausend Töchter, die ihre Mutter füttern, ihr Wassertropfen bringen und sie nachts wärmen. Das Volk würde schrumpfen und sterben ohne die Königin, die Eier legt. Doch ohne ihre Töchter, die sich um sie kümmern, würde die Königin entweder verhungern oder erfrieren. Dass sie einander brauchen, macht sie stark.›» Meredith lernt auch, dass Bienen nicht nur Honig produzieren, sondern durch die Bestäubung von Blüten auch dafür sorgen, dass Früchte, Nüsse und Gemüse wachsen: «‹Wenn die Bienen keinen Blütenstaub lieferten›, erklärte Grandpa, ‹würden viele Dinge in der Obst- und Gemüseabteilung im Lebensmittelladen verschwinden. Ich würde meine geliebten Gurken und Brombeeren verlieren. Keine Kürbisse mehr an Halloween. Sommer ohne Wassermelonen. Die Kirschen in Grannys Manhattans – weg. Die Welt wäre fade und langweilig und blütenlos ohne Bienen›, warnte er.»
Als Meredith eines Tages von ihrer Mutter sogar geschlagen wird, findet sie bei ihrem Grossvater Trost: «‹Habe ich dir je von Pfadfinderbienen erzählt?›, fragte mein Grossvater. ‹Wenn ihr Zuhause nicht mehr gut ist, suchen sie sich ein besseres. Verlier wegen deiner Mutter nicht den Mut. Du bist klug wie eine Pfadfinderbiene. Eines Tages wirst du deinen eigenen Weg finden.›»
Meredith findet tatsächlich ihren Weg, besucht das College und wird schliesslich Journalistin beim «San Francisco Chronicle». Wie ihr Grossvater hält sie Bienen, führt andere Menschen in die Bienenhaltung ein und pflegt so das Vermächtnis ihres Grossvaters: «Als Grandpa mich gebeten hatte, mich um seine Bienen zu kümmern, meinte er damit nicht nur sein letztes Volk; er nahm mir das Versprechen ab, mich um alle Bienen zu kümmern, um die Natur, um alle Geschöpfe. Kurz gesagt, bat er mich, alles mit den Augen einer Bienenhalterin zu sehen, mit allem sanft umzugehen, auch mit den Dingen, die stechen können.» Gibt es etwas Schöneres, als seine Enkel so in ein erfülltes Leben einzuführen?

* May, Meredith. Der Honigbus, (S. Fischer) Frankfurt 2019

Meredith May ist Journalistin und Autorin. Sie lebt in der San Francisco Bay Area und schreibt für den «San Francisco Chronicle». Sie gewann den «PEN USA Literary Award for Journalism» und wurde für den Pulitzer-Preis nominiert. Ihr Buch «Der Honigbus» wurde in elf Sprachen übersetzt.

 

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