«Rückgriff auf die traditionelle koloniale Strategie»

Mit dem Manöver «African Lion 21» greifen die USA wieder nach Afrika

von Manlio Dinucci, Italien

Der Afrikanische Löwe, die grösste Militärübung auf dem afrikanischen Kontinent, geplant und geleitet von der US-Armee, hat begonnen. Sie umfasst Land-, Luft- und Marinemanöver in Marokko, Tunesien, Senegal und den angrenzenden Meeren – von Nordafrika bis Westafrika, vom Mittelmeer bis zum Atlantik. 8000 Soldaten nehmen daran teil, die Hälfte von ihnen ist amerikanisch, mit etwa 200 Panzern, Selbstfahrgeschützen, Flugzeugen und Kriegsschiffen. African Lion 21 wird voraussichtlich 24 Millionen Dollar kosten und hat Implikationen, die die Übung besonders wichtig machen.
  Dieser politische Schachzug wurde in Washington grundsätzlich beschlossen: Die afrikanische Übung findet zum ersten Mal in der Westsahara statt, d. h. in diesem Jahr auf dem Territorium der Saharauischen Republik, die von über 80 UN-Staaten anerkannt wird und deren Existenz Marokko mit allen Mitteln leugnet und bekämpft. Rabat erklärte, dass «Washington auf diese Weise die marokkanische Souveränität über die Westsahara anerkennt» und Algerien und Spanien auffordert, «ihre Feindseligkeit gegenüber der territorialen Integrität Marokkos aufzugeben». Spanien, das von Marokko beschuldigt wurde, die Polisario (Westsahara-Befreiungsfront) zu unterstützen, nimmt in diesem Jahr nicht am Afrikanischen Löwen teil. Washington bekräftigte seine volle Unterstützung für Marokko und bezeichnete es als «wichtigen Nicht-Nato-Verbündeten und Partner der Vereinigten Staaten».
  Die Afrika-Übung findet in diesem Jahr zum ersten Mal im Rahmen einer neuen US-Kommandostruktur statt. Im vergangenen November wurden die US-Armee Europa und die US-Armee Afrika zu einem einheitlichen Kommando zusammengefasst: der US-Armee Europa und Afrika (USAREUR-AF). General Chris Cavoli, der es leitet, erklärte den Grund für diese Entscheidung: «Die regionalen Sicherheitsprobleme in Europa und Afrika sind untrennbar miteinander verbunden und können sich schnell von einem Gebiet zum anderen ausbreiten, wenn sie nicht kontrolliert werden.» Daher die Entscheidung der US-Armee, das Europäische Kommando und das Afrikanische Kommando zusammenzulegen, um «Kräfte dynamisch von einem Schauplatz zum anderen, von einem Kontinent zum anderen zu verlagern und so unsere regionalen Reaktionszeiten für Eventualitäten zu verbessern».
  In diesem Zusammenhang wurde African Lion 21 mit Defender-Europe 21 zusammengelegt, an dem 28 000 Soldaten und über 2000 Schwerstfahrzeuge beteiligt sind. Es handelt sich im Grunde genommen um eine einzige Serie von koordinierten Militärmanövern, die von Nordeuropa bis Westafrika stattfinden und von der US-Armee Europa und Afrika (USAREUR-AF) geplant und befohlen werden. Der offizielle Zweck ist es, einer nicht näher spezifizierten «bösartigen Aktivität in Nordafrika und Südeuropa entgegenzuwirken und den Schauplatz vor gegnerischer militärischer Aggression zu verteidigen», mit klarem Bezug auf Russland und China.
  Italien nimmt sowohl an African Lion 21 als auch an Defender-Europe 21 nicht nur mit eigenen Kräften, sondern auch als strategischer Stützpunkt teil. Die Übung in Afrika wird von Vicenza aus von der Southern Europe Task Force der US-Armee geleitet, und die teilnehmenden Kräfte werden über den Hafen von Livorno mit Kriegsmaterial versorgt, das aus Camp Darby, der benachbarten Logistikbasis der US-Armee, kommt. Die Teilnahme an African Lion 21 ist Teil des wachsenden italienischen militärischen Engagements in Afrika.
  Die Mission in Niger ist symbolisch, formal «als Teil einer gemeinsamen europäischen und US-amerikanischen Anstrengung zur Stabilisierung der Region und zur Bekämpfung des illegalen Handels und der Bedrohung der Sicherheit», in Wirklichkeit für die Kontrolle eines der reichsten Gebiete an strategischen Rohstoffen (Öl, Uran, Coltan und andere), die von US-amerikanischen und europäischen multinationalen Unternehmen ausgebeutet werden, deren Oligopol durch die chinesische Wirtschaftspräsenz und andere Faktoren gefährdet ist.
  Daher der Rückgriff auf die traditionelle koloniale Strategie: die Absicherung der eigenen Interessen mit militärischen Mitteln, auch mit der Unterstützung lokaler Eliten, die ihre Macht auf ihre Streitkräfte stützen, die sich hinter dem Deckmantel der gegnerischen dschihadistischen Milizen verbergen. In Wirklichkeit verschlimmern militärische Interventionen die Lebensbedingungen der Bevölkerungen und verstärken die Mechanismen der Ausbeutung und Unterwerfung, mit dem Ergebnis, dass erzwungene Migrationen und daraus resultierende menschliche Tragödien zunehmen.  •

Quelle: il manifesto vom 8.6.2021

(Übersetzung Zeit-Fragen)

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