Die Globalisierung hat eben auch Nachteile

von Prof. Dr. Eberhard Hamer, Mittelstandsinstitut Niedersachsen e.V.

Seit Ende des vorherigen Jahrhunderts wurde «Globalisierung» von Wissenschaft, Publizistik und Konzernen als grosser Entwicklungsfortschritt gefeiert, und auf «Weltwirtschaftsgipfeln» wurden die Kritiker der Globalisierung sogar «wie der internationale Terrorismus zu einem Weltproblem» erklärt (Davos).
  Die Wirtschaftswissenschaft hat die Globalisierung als weitere Entwicklungsstufe von der Hauswirtschaft über die Stadtwirtschaft, die Regionalwirtschaft, die nationale Volkswirtschaft über supranationale Wirtschaftsräume (EU) zur Weltwirtschaft gesehen.1

Nicht nur eine ökonomische Dimension

Die Globalisierung hat aber nicht nur eine ökonomische Dimension, sondern es gibt sie auch technologisch, politisch, gesellschaftlich, kulturell und militärisch. Wesentlich dazu beigetragen haben z. B. die technologischen Entwicklungen der Luftfahrt, der Telekommunikation, der neuen Medien (Internet) und der Digitalisierung. Von ihnen ging schon lange die Idee der «einen Welt» aus.
  Inzwischen gibt es eine Fülle von internationalen Organisationen, welche sich wie Uno, Nato, IWF, GATT, ILO, Weltbank u. a. eine Kompetenz für die ganze Welt anmassen, die Souveränitäten und Kompetenzen der Menschen und der Staaten in der Hand weniger, global herrschender Kräfte zentralisieren wollen.
  Dazu wurden die «vier grossen Freiheiten» verkündet: globale Freiheit des Kapitals, der Produktion, der Arbeitskräfte und der Dienstleistungen.

Vor allem die Freiheit des Kapitals

Vor allem mit der Freiheit des Kapitals wollten die grossen internationalen Konzerne und Banken die nationalen Grenzen, Rechtssysteme und Steuersysteme überspringen, um in Steuer- und Rechtsoasen der Welt unbegrenzte Finanz- und Steuerfreiheit zu geniessen. Zurück blieben die national gebundenen mittelständischen Betriebe, welche die Steuer- und Sozialausfälle der Konzerne und Banken mit übernehmen mussten, also entsprechend höher ausgebeutet wurden.
  Auch die Produktion der internationalen Konzerne wurde international dorthin verlegt, wo am wenigsten Regulation und Steuer und die billigsten Löhne waren, also an den billigsten Produktionsstandorten. Damit konnten die Konzerne aus globaler Billigproduktion billiger verkaufen als der mit national teureren Produktionsfaktoren arbeitende bodenständige Mittelstand und letzteren auskonkurrieren.
  Ebenso wurden Dienstleistungen der internationalen Banken und Konzerne dorthin verlegt, wo dies am billigsten (z. B. Abrechnungen in Indien), wo dies politisch befohlen (z. B. Abrechnung der Telekom in Israel) oder wo dies aus militärischen oder Spionagegründen (Cloud-Konzentration aus Europa in den USA) zweckmässig erschien.

Kritikwürdige Freizügigkeit der Arbeitskräfte

In den letzten Jahrzehnten war besonders die von den Konzernen verlangte Freizügigkeit der Arbeitskräfte umstritten. Die internationalen Konzerne wollten die jeweils billigsten Arbeitskräfte für ihre Massenproduktion oder -dienstleistung global anwerben, der Mittelstand wies dagegen darauf hin, dass er mit ausgebildeten Fachkräften und hohen nationalen Steuer- und Sozialkosten Individualproduktion und -dienstleistungen zu erbringen habe, deshalb durch die Migration nicht entlastet, sondern mit Sozialkosten zusatzbelastet würde.
  Der Kampf für Globalisierung, dann für Diversifizierung, Multi-Kulti und Genderideologie wurde von den USA für alle ihre «Kolonien», insbesondere für Europa, gefordert, und es wurde eine globale Einheitskultur vorgegeben, die es heute z. B. nicht mehr erlaubt, unterschiedliche Völker, Kulturen oder Religionen überhaupt zu erwähnen, ohne in die Gefahr zu geraten, ins globale Abseits gestossen zu werden. Entsprechend wurden die Souveränitätsrechte und Kompetenzen der Nationalstaaten abgebaut und in Zwischenstationen (EU, Nato) gesammelt. Die Globalisierung scheint sich weiter durchzusetzen. Man darf allerdings deren Hinterkräfte des internationalen Grosskapitals (Gates, Soros, Bezos, Zuckerberg, Rothschild u. a.) nicht nennen, ohne als «Verschwörungstheoretiker» ins gesellschaftliche Abseits gestellt zu werden.

Die Verlierer der Globalisierung

Schon 2005 hat die Mittelstandsforschung in Hannover2 in vielen Einzeluntersuchungen3 herausgearbeitet, dass es bei der Globalisierung nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer gibt.4 «Ebenso wie unter den Unternehmen Hochfinanz und Konzerne die grossen Gewinner der Globalisierung, die mittelständischen Personalunternehmen aber die Verlierer dieser Entwicklung sind, gilt auch für die gesellschaftlichen Gruppen, dass den grössten Vorteil von der Globalisierung die kleine Oberschicht der Reichen hat. Nur sie können die globalen Freiheiten für sich selbst weitgehend nutzen.»5 Dagegen sind mittelständische Unternehmer und der angestellte Mittelstand ortsgebunden, können ihre Tätigkeiten nicht international verlagern, weil ein mittelständisches Unternehmen nur in Anwesenheit des Unternehmers erfolgreich ist und der angestellte Mittelstand seinen Dienstvertrag vor Ort ausüben muss.

Globale Kapitalgesellschaften kontra mittelständische Personalunternehmen

Das hat in unserer Wirtschaft zu einer Aufspaltung zwischen den die globalisierten Freiheiten nutzenden globalen Kapitalgesellschaften und Banken einerseits und den bodenständigen mittelständischen Personalunternehmen andererseits geführt. Erstere können die grossen Freiheiten für Steuerfreiheit, Billigarbeit und internationale Billigbelieferung nutzen und sich vor allem durch globale Verlagerung den überbordenden Gesetzen und Bürokratien unserer alten Industrieländer entziehen. Der heimattreue Mittelstand dagegen ist z. B. in Deutschland den höchsten Steuern und Sozialabgaben der Welt ausgeliefert, einem ständig wachsenden und nicht mehr beherrschbaren Gesetzesnetz und einer Bürokratie, welche selbst immer weniger Entscheidungen trifft, statt dessen die Verantwortlichkeiten und wachsenden Kontrollaufwand auf die Unternehmen abwälzt. Nur die Kapitalgesellschaft, Konzerne und die Hochfinanz haben die globalisierte Freiheit, sind aus den nationalen Rechtssystemen in rechtsfreien Raum gewachsen – der Mittelstand als bleibender Staatsuntertan dagegen hat Höchststeuern, Höchstsozialabgaben und Höchstlöhne zu zahlen und dazu auch noch die Monopolpreise der Globalplayer zu akzeptieren, deren Konditionen und Rabatte hinzunehmen, sich deren Billigwettbewerb auf dem Markt zu stellen und ist dabei eindeutiger Verlierer im Globalisierungsspiel.

Für die Unterschicht mehr Gefahren als Nutzen

Auch die Unterschicht hat inzwischen begriffen, dass Globalisierung für sie mehr Gefahr als Nutzen bedeutet: Wenn sich die globalen Konzerne in Billiglohnländer verlagern, bleibt Arbeitslosigkeit in Deutschland zurück.
  Wenn die Zentralbanken hoch verschuldete Staaten und Pleitekonzerne sowie Pleitebanken mit immer höheren Krediten über Wasser halten, eine Schuldenexplosion in der Welt betreiben und damit den Wert der Währungen und des Geldes vernichten, schwinden damit nicht nur das Realeinkommen, sondern auch die Ersparnisse, und jede Alterssicherung unserer Arbeitnehmer verliert an Wert.

Gesteuerte Medien

Und wenn die Medien der westlichen Welt durch die US-Hochfinanz finanziert, gesteuert, manipuliert und auf eine einheitlich gewünschte politische Ideologie6 gezüchtet werden, wird die durch Medienpropaganda am meisten beeinflusste Unterschicht davon auch am meisten dirigiert.
  Die von den Globalisten geforderte Freizügigkeit aller Menschen der Welt hat naturgemäss zur Völkerwanderung in die wirtschaftlich blühenden und offenen Länder geführt. Angela Merkel hat die Armen und Gescheiterten der Welt sogar eingeladen, unser Sozialsystem zu geniessen (Sozialimmigration), was die Unterschicht immer mehr als eigene Ausbeutung begreift, aber nicht öffentlich äussern darf.

Die Rolle der Grünen

Seit der Jahrtausendwende sind die global US-gesteuerten Grünen Vorkämpfer für weltweiten Feminismus, Black Life Matters, Massenmigration sowie Sprach- oder Denklenkung der Menschen in den von ihnen beherrschten Medien und deren politischer Propaganda. Wenn die Führung der Grünen «mit Deutschland nichts mehr anfangen» kann, nationales Denken «Nazitum» sein soll, das Christentum bekämpft wird, «weil der Islam zu Deutschland gehört» und nach amerikanischem Vorbild in Rundfunkanstalten (NDR) vorgeschrieben wird, dass 17,5 % Farbige7 in Fernsehbeiträgen zu präsentieren seien und 65 % der Führungspositionen in den Filmen von Frauen dargestellt werden müssten, zeigt dies, wie stark die US-Globalisierer die Welt und ihre Kolonien mental beherrschen.
  Bis zum kommenden Zusammenbruch des Weltfinanzsystems und Dollar-Imperiums wird die Globalisierung noch unsere Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und unser Denken global und antinational prägen und den Globalisten8 die grossen Vorteile, allen Globalisierungsverlierern aber Unfreiheit, Ausbeutung, Freiheitsverlust und Verarmung bringen.

Die wirklichen ökologischen Fragen

Während die grünen Idealisten die Natur global retten wollen, hat der Autor selbst als Waldbesitzer die Folgen der Globalisierung zu tragen, indem der 1979 aus Ostasien nach Europa eingeschleppte Ulmensplintkäfer alle Ulmen vernichtet hat, in gleicher Weise seit 2000 das ebenfalls eingeschleppte Rosskastanien-Bakterium unsere Kastanienbäume befällt und vernichtet, indem ebenfalls zur Jahrtausendwende der Eschenpilz aus Asien eingeschleppt worden ist und die meisten Eschen in Deutschland vernichtet, 2006 sogar aus Kanada eine Russrindenkrankheit mit grösster Gefahr auch für Menschen unsere Ahornbestände vernichtet und indem durch grüne Ideologie «sich selbst überlassene Wälder» Millionen Eichensplintkäfer, Eichenprozessionsspinner, Borkenkäfer usw. gezüchtet wurden, die inzwischen flächendeckend unsere Wälder befallen und vernichten.

Monopolisierung der Nahrungsmittelproduktion

Auch unsere Nahrungsmittelproduktion wurde globalisiert und monopolisiert. Mit viel Geld von Monsanto u. a. haben Politiker und Patentbeamte gentechnisch veränderte Organismen patentfähig erklärt.9 Sechs Global player besitzen 90 % aller zugelassenen transgenen Pflanzen, halten hierauf die Patente und kassieren Jahr für Jahr globale Patentgebühren von allen Bauern in der Welt dafür. «Mit der auf diese Weise entstandenen Monopolisierung unserer Nahrungsressourcen ist ein globales monopolistisches Machtinstrumentarium entstanden»10, welches die Nahrungsmittelversorgung des grössten Teils der Welt unter Kontrolle und in Ausbeutung hält.
  Mit der weiterentwickelten «Terminator-Saat» wird die Lebensdauer der Gensaat nur auf eine Ernte beschränkt, müssen also die Bauern der Welt nicht mehr nur jährlich Lizenzgebühren, sondern teure Kaufpreise für die Neusaat bezahlen.
  Das gleiche Spiel haben Monsanto und Co. auch mit den Spritzmitteln betrieben, wie z. B. das Glyphosat, welches auf die von Monopolisten gelieferten Monopol-Saat abgestimmt ist, alles andere abtötet. Wer also Monopol-Saat benutzt, muss auch Monopol-Spritzmittel kaufen. So werden die nationalen Landwirte in doppelter Abhängigkeit von den internationalen Konzernen gehalten, wird Selbstverwaltung und nationale Souveränität durch die globalen Konzerne ausmanövriert.

Fazit

Bisher steht fest, dass die Globalisierung der grosse Vorteil für die internationalen Konzerne, Banken und Organisationen ist, aber überwiegend Nachteil für den selbständigen, den angestellten Mittelstand und die Unterschicht. Ob die Globalisierung insgesamt zum Verhängnis für unseren Wohlstand wird, dürfte der aus der Welt-Schuldenspirale sich entwickelnde grösste Weltwirtschaftscrash in Kürze zeigen.   •



1 vgl. Hamer, Eberhard u. Eike (Hrsg). Wie kann der Mittelstand die Globalisierung bestehen? Hannover 2005
2 ebenda
3 Das sind Untersuchungen zur Monopolisierung durch Globalisierung; zum Welt-Geldbetrug; zu globalen Netzwerken statt Nationen; zum Steuerstaat in der Globalisierungsfalle; dazu, dass global offene Sozialsysteme nie halten; zur Entdemokratisierung durch Zentralisierung; zur Monopolisierung unserer Nahrung; zum Griff nach dem Wasser.
4 Hamer, Eberhard u. Eike. Wie kann der Mittelstand die Globalisierung bestehen? Hannover 2005, S. 251ff.
5 ebenda, S. 258
6 z. B. Genderismus, Black Live Matters, Fridays for Future, Umwelthysterie u.a.
7 So viele gibt es gar nicht in unserer Bevölkerung.
8 z. B. den antinationalen Grünen
9 1980 entschied der US-Supreme Court mit 5:4 Richtern in seinem «Chakrabarty-Beschluss», dass Gentechnik-Lebensformen patentierbar seien.
10 vgl. Fuchs, R. «Monopolisierung unserer Nahrung». In: Hamer, Eberhard u. Eike (Hrsg). Wie kann der Mittelstand die Globalisierung bestehen? Hannover 2005, S. 226

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